DVD Kaufvideo

Gripsholm

Liebesfilm nach Motiven von Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm", unterhaltsam vermischt mit seiner Biografie und fiktiven Elementen.


ohne Abbildung

Kaufvideo

Drama

Deutschland/Österreich/Schweiz 2000
FSK: ab 12

Ulrich Noethen
Heike Makatsch
Jasmin Tabatabai

Regie: Xavier Koller
Warner Home Video (Switzerland)

Videoplayer wird geladen ...

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Gripsholm

1932 macht sich der Satiriker Kurt Tucholsky auf den Weg nach Schweden, wo er den Urlaub zum Schreiben einer leichten Sommergeschichte nutzen will. Dabei wird er von seiner lebenslustigen Muse Lydia begleitet. Doch an Arbeit ist zunächst nicht zu denken. Das liegt erstens an der rechtsradikalen Stimmung, die sich in Deutschland allmählich breit macht und Kurt aufs Äußerste beunruhigt, und zweitens an dem unerwarteten Besuch von Lydias Freundin, der verruchten Varieté-Künstlerin Billie, die für jede Menge Zerstreuung sorgt...

Authentisches und Fiktives vermengt Oscar-Preisträger Xavier Koller ("Reise der Hoffnung") in seiner Hommage an den Schriftsteller Kurt Tucholsky. Für seine Dreiecksgeschichte nutzte der Regisseur Passagen aus dessen Roman "Schloss Gripsholm" sowie Elemente aus der Biografie des spitzzüngigen Berliners. In den Hauptrollen überzeugen neben Ulrich Noethen Heike Makatsch als Muse und Jasmin Tabatabai als Sängerin. Dank pointierter Dialoge und einer kräftigen Portion Erotik nicht nur für Liebhaber deutscher Historie interessant.

Gripsholm

Wer sich an einen Unterhaltungsfilm über Kurt Tucholsky wagt, muss über ein gewisses Maß an Unbekümmertheit und Naivität verfügen. Der in Kalifornien lebende Schweizer Xavier Koller jedenfalls ging unbeschwert von der Last deutscher Vergangenheit zur Sache und erzählt die Lovestory zwischen dem Schriftsteller und seiner Muse "Prinzessin" auf Schloss Gripsholm, verknüpft Motive aus dem Buchklassiker mit der Biographie Tucholskys und fiktiven Elementen.

Eine "Sommergeschichte" soll er schreiben, "was sie Ihrer Freundin schenken können, zart im Gefühl, ironisch und mit einem bunten Umschlag". Auf diesen Rat seines Verlegers kontert Kurt Tucholsky ironisch: "Eine Liebesgeschichte? Wer liebt denn heute noch?" Die Skepsis in Gefühlsfragen hindert ihn nicht, gemeinsam mit seiner Freundin in die Liebesferien nach Schweden aufzubrechen. Die Vorgeschichte des Romans "Schloss Gripsholm" knöpft sich Xavier Koller vor und verlegt sie in das Jahr 1932. In Berlin treiben die braunen Horden schon ihr Unwesen, in den Kabaretts und Bars feiert man mit einer Lebensgier, als wäre es das letzte Mal, Tucholsky droht ein Prozess wegen der inzwischen berühmten Aussage "Soldaten sind Mörder". Mit seiner Geliebten Lydia, die er "Prinzessin" nennt, genießt Tucholsky die Zeit der Liebe und den schwedischen Sommer aus vollen Zügen, aber immer wieder denkt er an Deutschland und die Gefahr durch Hitler noch vor der Machtergreifung. Auch als sein Freund Karlchen einfliegt und wenig später Lydias Freundin, die laszive Nachtclub-Chansonette Billie mit dem Auto anreist, wechselt die Stimmung permanent von Heiterkeit zu Pessimismus über die politische Entwicklung. Denn Karlchen bringt nicht nur eine Kiste Champagner mit, sondern auch Zeitungen voller Anschuldigungen gegen Tucholsky, dessen Name auf den berüchtigten schwarzen Listen steht und der als "Nestbeschmutzer" gilt. Während Karlchen blauäuig national argumentiert, analysiert der Autor die Anzeichen für eine Katastrophe. Die Spannung entlädt sich in einem gefährlichen Fliegerduell in der Luft, bei dem Tucholsky das Leben seiner Freunde riskiert. Am Ende des Sommers entscheidet sich Tucholsky, in Schweden zu bleiben. Geschichtliche Maßstäbe darf man an diesen Film nicht anlegen. Nicht nur, dass der Zeithorizont geändert wurde (der Film spielt 1932, Tucholsky entschloss sich schon 1929 für eine Emigration nach Schweden, die Beziehung zu Lisa Matthias, mit der er 1929 am Ufer des Mälarsees gegenüber Schloss Gripsholm logierte, kühlte schon 1930 ab, "Schloss Gripsholm" erschien 1931), auch die von Berlin nach Schweden importierte Dekadenz inklusive der nächtlichen Amour à trois wirft Fragen auf. Inwieweit der Satiriker eigene erotische Erfahrungen in seinem Roman verarbeitet hat, bleibt der Spekulation überlassen. Im Kontext unverständlich ist eine Nebenhandlung, in der ein kleines Mädchen aus einer Art BDM-Heim flieht. Einige Informationen - wie ein Hinweis auf die Verbrennung seiner Werke bei der "Bücherverbrennung" 1933 oder auf seinen Freitod zumindest im Nachspann - wären für den heutigen Zuschauer hilfreich gewesen. Wer einen unterhaltenden Liebesfilm im zwanziger, dreißiger Jahre-Ambiente erwartet, wird sich an Kamera und Szenenbild von Pio Corradi delektieren und auch den Schauspielern wie Ulrich Noethen als Kurt und Heike Makatsch als "Prinzessin" einiges abgewinnen können. Für Tucholsky-Kenner ist "Gripsholm" allerdings schwer vermittelbare Kost mit einem bunten Umschlag. mk.

Darsteller:  Ulrich Noethen   als Kurt
  Heike Makatsch   als Lydia
  Jasmin Tabatabai   als Billie
  Marcus Thomas   als Karlchen
  Sara Föttinger   als Ada
  Inger Nilsson   als Frau Andersson
  Anette Felber   als Frau Adriani
  Leif Liljeroth   als Baron Valberg
  Rudolf Wessely   als Verleger
 
Regie:  Xavier Koller  
Buch:  Stefan Kolditz  
Musik:  Kol Simcha  
  David Klein  
  Olivier Truan  
Kamera:  Pio Corradi  
Produzent:  Dr. Thomas Wilkening  
 

Gripsholm in der Fotoshow

 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Weitere Videos

Hoch
Gripsholm
Gripsholm

Trailer

Runter
 

Star

Ulrich Noethen

Ulrich Noethen prägte sich mit ausgesuchten Filmrollen als einer der führenden deutschen Charakterdarsteller in Film und Fernsehen ein, der...

 

Star

Heike Makatsch

Die ehemalige VIVA- und Bravo-TV-Moderatorin meisterte in Rekordzeit den Weg von der naiven Fröhlichkeitsfee zur Charakterdarstellerin mit...