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Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu erst

Das Schicksal einer sudetendeutschen Familie im Zweiten Weltkrieg. Differenziert und packend erzählte Geschichte.


Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu erst

Leihvideo

Erhältlich seit:
16.06.2011

Originaltitel: Habermann

Drama

Deutschland/Österreich/Tschechien 2009
Laufzeit: 100 Min.
FSK: ab 12

Mark Waschke
Karel Roden
Hannah Herzsprung

Regie: Juraj Herz
Lighthouse Home Entertainment Vertriebs GmbH & Co. KG

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Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu erst

Seit Generationen wird das örtliche Sägewerk von der Familie August Habermanns betrieben. Als er Jana, eine Halbjüdin, heiratet, scheint sein Glück perfekt. Doch die friedlichen Zeiten enden jäh: Das Sudetenland wird 1938 "heim ins Reich" geholt, Sturmbannführer Koslowski terrorisiert die Dorfbewohner und stellt Jana unverhohlen nach. Der unpolitische Habermann gerät zwischen alle Fronten - den Nazis gilt er als Freund der Tschechen, für die Tschechen ist er nun kein Mitbürger mehr, sondern verhasster Besatzer.

Auf Tatsachen beruht das um historische Wahrheiten bemühte (Polit-)Drama, das Juraj Herz ("Lara - Meine Jahre mit Boris Pasternak") mit Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen bildgewaltig in Szene gesetzt hat. Mit zwei Bayerischen Filmpreisen - für die Regie und Hauptdarsteller Mark Waschke - wurde das Werk ausgezeichnet, das sich mit dem immer noch brisanten Thema der Sudetenvertreibung auseinandersetzt. Ein differenziertes Gesellschaftspanorama, lehrreich und spannend zugleich.

Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu erst

Juraj Herz erzählt preisgekrönt vom Schicksal der Sudetendeutschen während des Zweiten Weltkriegs, bereitet (schwierige) Geschichte differenziert und packend auf.

Hasserfüllte Schreie. Wütendes Gedränge. Ein kleiner Dorfbahnhof im Sudetenland. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Deutsche werden von aufgebrachten Tschechen aus dem Land gejagt. Angst und Gewalt, Neid und Rachegelüste allenthalben. Dann ein Sprung zurück ins Jahr 1937. Die Zeiten sind friedlich. Der deutsche Unternehmer August Habermann betreibt im Ort ein gut gehendes Sägewerk, das seit vier Generationen seiner Familie gehört. Die angestellten Tschechen schätzen ihren Chef und er respektiert sie, bezahlt anständig und hat stets ein offenes Ohr für ihre Probleme. Nun steht seine Hochzeit mit der bildhübschen Jana an, einer Halbjüdin, die im Waisenhaus aufwuchs. Habermanns Glück scheint perfekt.

Während im Fernsehen Blitzkrieg, Stalingrad und Rommels Wüstenfeldzug pseudowissenschaftlich-populär aufbereitet werden und für ansprechende Quoten sorgen, bleiben die Kriegsnebenschauplätze gern unbeachtet. Zu unspektakulär, ungeeignet in Sachen Heroisierung. Das Problemfeld Sudetendeutschland etwa, die Benes-Dekrete, heute noch politischer Zankapfel zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien. Darum geht es im weitesten Sinn in dieser deutsch-tschechisch-österreichischen Koproduktion, die lose auf wahren Begebenheiten fußt und dessen Drehbuch Wolfgang Limmer ("Pfarrer Braun") sehr frei nach Josef Urbans Roman "Habermanns Mühle" verfasst hat.

In die anfängliche Idylle, Habermann feiert gerade die Geburt seiner Tochter, platzt die Nachricht, dass das Sudetenland "heim ins Reich" geholt wurde. Mit dieser Botschaft taucht auch Sturmbannführer Koslowski (perfide gut: Ben Becker) auf, der fortan alle Nicht-Arier terrorisiert und Jana (unterfordert: Hannah Herzsprung) nachstellt - obwohl sie kein "deutsches Mädel" ist. Versiert führt Juraj Herz, für seine Regieleistung - wie Titelheld Mark Waschke auch - mit dem Bayerischen Filmpreis belohnt, seine Figuren ein, erdet sie und setzt sie miteinander in Beziehung. Dabei interessiert der Tscheche sich nicht für eine konkrete Geschichte, ein bestimmtes Schicksal, sondern entwirft ein Panorama jener bewegten Tage, zeigt wie alles Private politisch wird und umgekehrt.

Die "Guten" und die "Bösen" - sieht man vom sadistischen SS-Schergen Koslowski ab - gibt es so nicht. Nur noch Verführer und Verführte - etwa Augusts Bruder Hans (Wilson Gonzalez Ochsenknecht), der sich von plumpen Nazi-Parolen vereinnahmen lässt -, Reiche und Arme, Aufrechte und Verräter, wie der eitle Bürgermeister des Ortes, der den neuen Herren Janas Herkunft verrät und ihre Deportation verantwortet. Düster und gedeckt, in erdigen Grün- und Brauntönen, hält Kameramann Alexander Surkala seine Bilder, die bewusst (und zurückhaltend) eingesetzte Action ist sauber inszeniert, Christian Lonks Schnitt funktional und effektiv. "Habermann" besticht als um politische Wahrheiten bemühtes Drama, das (schwierige) Geschichte differenziert aufbereitet, historische Ungerechtigkeiten direkt anspricht und gleichzeitig spannend und intelligent unterhält. geh.

Habermann - Im Krieg stirbt die Unschuld zu erst

Sudetenland 1937: Mit der Hochzeit des deutschen Unternehmers August Habermann (Mark Waschke) und der schönen jüdisch-tschechischen Jana (Hannah Herzsprung) zeichnet sich das herandrohende Unheil der kommenden Jahre bereits ab. Probleme bekommt der reiche Mühlen- und Sägewerksbesitzer nicht nur mit den rebellierenden, tschechischen Arbeitern sondern auch mit dem Einzug des grausamen Naziregimes unter der Führung des gewissenlosen SS-Mannes Kosloswki (in Bestform: Ben Becker). Langsam aber unabwendbar steigern sich in HABERMANN unterschwellige Bedrohung und menschliche Grausamkeit. Die aufwühlende, europäische Koproduktion inszeniert die Zeit der Besetzung und der politischen Grauzone eindrucksvoll, ohne dabei eine Seite zu heroisieren oder zu verteufeln.

Quelle: Lighthouse

Darsteller:  Mark Waschke   als August Habermann
  Karel Roden   als Jan Brezina
  Hannah Herzsprung   als Jana Habermann
  Ben Becker   als Koslowski
  Wilson Gonzalez Ochsenknecht   als Hans Habermann
  Franziska Weisz   als Marta Brezinová
  Zuzana Kronerová   als Eliska
  Radek Holub   als Masek
  Jan Hrusinsky   als Pospichal
  Andrej Hryc   als Hartel
 
Regie:  Juraj Herz  
Buch:  Wolfgang Limmer  
Musik:  Elia Cmiral  
Kamera:  Alexander Surkala  
Produzent:  Karel Dirka  
 

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