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Kaufvideo
Erhältlich seit:
20.01.2011
USA 1998
Laufzeit: 134 Min.
FSK: ab 16
Jane Adams
Dylan Baker
Lara Flynn Boyle
Regie: Todd Solondz
EuroVideo Bildprogramm

Willkommen im Tollhaus. Nach seiner bitteren Komödie aus dem Jahr 1996 läßt Todd Solondz auf die Vorspeise den Hauptgang folgen: ein ätzend bösartiges "Verrückt nach Mary" für Intellektuelle, in dem der Regisseur den amerikanischen Familienverband als Hort für Psychopathen, Perverse und Päderasten entlarvt. Daß einer der besten Filme des Jahres Universal in den USA veranlaßte, seinem Indiearm October die Veröffentlichung zu untersagen, liegt wohl nicht an der schmerzhaften Offenheit, mit der Solondz alles zertrümmert, was dem Mittelstand heilig ist, sondern daß es ihm in einer atemberaubenden Gratwanderung zwischen blankem Entsetzen und befreiendem Lachen gelingt, selbst in den kränkesten Figuren seines Blicks in seelische Abgründe Menschlichkeit zu finden.
"Happiness" ist kein glücklicher Film. Es ist ein Film über einsame, verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem Fluchtweg aus ihrem Leben, nach Liebe, nach Glück. Viele ihrer Handlungen sind unakzeptabel: Mit gehöriger Distanz zeigt Solondz eine Welt, in der auch ein Päderast, der zehnjährige Jungen unter Drogen setzt und vergewaltigt, ein obszöner Anrufer, der Frauen terrorisiert und dazu masturbiert, oder eine Mörderin, die ihr Opfer in Stücke hackt und in kleine Plastiktüten verpackt, als funktionierende Mitglieder einer Gesellschaft, in der alles erlaubt ist, so lange der Schein der Normalität gewahrt wird. Weder entschuldigt noch goutiert Solondz ihre Handlungen, aber er dämonisiert seine Figuren auch nicht und zwingt den Zuschauer so zur Auseinandersetzung mit den Menschen, die hinter diesen unaussprechlichen Taten stehen. Scheinbar mühelos gelingt es dem Filmemacher in langen, irgendwo zwischen Altman und Lynch angesiedelten Szenen, Tragik und Komödie perfekt auszubalancieren, erschütternde Segmente humorvoll aufzulösen und umgekehrt leichte Momente unvermittelt in puren Horror umkippen zu lassen.
In diesem elektrisierenden Wechselbad der Gefühle folgt "Happiness" drei erwachsenen Schwestern, ihren gegenwärtigen oder zukünftigen Partnern und ihren vor der Trennung stehenden Eltern in Florida. Während der jüngsten Schwester Kay, die von ihrer Umwelt nach Strich und Faden ausgenutzt wird und sich dennoch nie unterkriegen läßt, bei ihren erniedrigenden Erlebnissen mit ihren herablassenden Schwestern, einem tödlich beleidigten Verehrer und einem russischen Taxifahrer offensichtlich die meisten Sympathien des Filmemachers gehören, drängt sich die Geschichte des Päderasten schon aufgrund ihres schockierenden Inhalts in das Zentrum des Geschehens. Auch, weil der Psychiater Dr. Maplewood mit seiner Traumfamilie auf den ersten Blick wie die perfekteste Figur in "Happiness" erscheint, wenn er seine stetig kochende oder putzende Frau herzt oder seinem Sohn geduldig Nachhilfe bei drängenden Pubertätsthemen gibt. Mit apokalyptischen Gewaltfantasien oder der Masturbation zu Teenie-Heftchen offenbart sich der von Dylan Baker phänomenal gespielte Mann aber schnell als Opfer unkontrollierbarer und unverzeihbarer Obsessionen. Am Ende des Films wird er von seinem Sohn zur Rede gestellt: Das Filmjahr 1999 muß sich schon sehr anstrengen, will es diese herzzerreißende, schonungslos offene Szene überbieten, die wahrhaftig den Atem stocken läßt. Getragen von einem brillanten Ensemble und einem Seventies-Softrock-Soundtrack, der die Verlogenheit der unter allen Umständen aufrecht erhaltenen Illusion von der Heilen Welt noch einmal ironisch kommentiert, setzt sich "Happiness" über die Scheinheiligkeit des good clean life hinweg und findet hinter der Fassade Verzweiflung, Einsamkeit - und jenen Funken Hoffnung, der das Betrachten dieses meisterhaften Rundumschlags letztlich erträglich macht. ts.
Die Philosophie des Glücks ist einfach und doch kompliziert: Es ist nicht fassbar und doch manifest. Die Suche nach dem Glück kann ebenso heiter wie traurig, ebenso spannend wie verzweifelt sein. Drei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der gerechten Portion "Happiness".
Quelle: EuroVideo
| Darsteller: | Jane Adams | als Joy Jordan | |
|---|---|---|---|
| Dylan Baker | als Bill Maplewood | ||
| Lara Flynn Boyle | als Helen Jordan | ||
| Ben Gazzara | als Lenny Jordan | ||
| Jared Harris | als Vlad | ||
| Philip Seymour Hoffman | als Allen | ||
| Jon Lovitz | als Andy Kornbluth | ||
| Marla Maples | als Ann Chambeau | ||
| Cynthia Stevenson | als Trish Maplewood | ||
| Elizabeth Ashley | als Diane Freed | ||
| Louise Lasser | als Mona Jordan | ||
| Camryn Manheim | als Kristina | ||
| Rufus Read | als Billy Maplewood | ||
| Anne Bobby | als Rhonda | ||
| Dan Moran | als Joe Grasso | ||
| Evan Silverberg | als Johnny Grasso | ||
| Regie: | Todd Solondz | ||
| Buch: | Todd Solondz | ||
| Musik: | Robbie Kondor | ||
| Kamera: | Maryse Alberti | ||
| Produzent: | Christine Vachon | ||
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1:1,85/4:3
Extras: Wendecover
Star
Dylan Baker
In Todd Solondz' Film "Happiness" über die Zwänge in amerikanischen Vorortfamilien und deren Zwangsbindungen, spielte Dylan Baker den Ehemann...
Star
Ben Gazzara
Er war der König der improvisierten Meisterleistungen, was teils von seiner Ausbildung am Actors' Studio herrührt, teils aus der gemeinsamen...
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