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Harry Brown

In einer Mischung aus "Ein Mann sieht rot" und "Gran Torino" räumt ein grandioser Michael Caine in seiner Londoner Nachbarschaft auf.


Harry Brown

Leihvideo

Erhältlich seit:
06.09.2010

Thriller/ Drama

Großbritannien 2009
Laufzeit: 99 Min.
FSK: ab 16

Sir Michael Caine
Emily Mortimer
Charlie Creed-Miles

Regie: Daniel Barber
Ascot Elite Home Entertainment

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Harry Brown

Einst kämpfte Harry Brown als Mitglied einer umstrittenen Polizeieinheit in Nordirland an der vordersten Terrorfront. Heute sitzt er gealtert einsam in seinem Appartement in einem potthässlichen englischen Vorstadtmietsilo und muss hilflos mit ansehen, wie dort unten im Beton-Canyon Stück für Stück die Gauner und Dealer, Schläger und Psychopathen die Macht an sich reißen. Als man eines Tages seinen besten Kumpel wie eine Ratte totschlägt und die Polizei die Verdächtigen wieder einmal laufen lässt, beschließt Harry Brown, auf eigene Faust für Gerechtigkeit zu sorgen.

Kein Mondzyklus ohne Zeitungsklagen über Englands Messerstecherjugend, und so wäre es schon erstaunlich, wenn sich das (im Gegensatz zum unseren) quicklebendige britische Genrekino den aufgelegten Elfmeter zum Selbstjustizreißer von Format entgehen lassen würde. Wofür die Amerikaner Charles Bronson haben, das erledigt hier unter der stimmungsreichen Regie von Spielfilmdebütant Barber und gleichwertig stoisch der solchermaßen nicht unerfahrene Michael Caine. Düsterer Großstadtthriller zwischen hartem Sozialrealismus und Schwarzweißmalerei.

Harry Brown

Daniel Barbers Spielfilmdebüt fesselt als "altmodischer" Rachethriller - ohne Spektakel, ohne Effekte, mit einem Michael Caine, den man seit Jahren nicht so gut gesehen hat.

Irgendwo zwischen "Ein Mann sieht rot" und "Gran Torino" ist "Harry Brown" angesiedelt, ein Rachethriller, der vom Charisma seines Hauptdarstellers lebt. Ein Wiedergänger von Charles Bronson und Clint Eastwood ist Michael Caine, ihm nimmt man trotz fortgeschritteneren Alters Gewaltbereitschaft ab. Lebenserfahrung steht ihm ins Gesicht geschrieben - und Schmerz, liegt doch seine Frau im Krankenhaus im Sterben. In einem tristen Sozialblock Londons wohnt er, im finsteren Pub um die Ecke spielt er mit seinem alten Freund Leonard (David Bradley) Schach. Die Gegend, in der er lebt, ist unsicher, Gangs kämpfen ums Terrain, der Drogenhandel blüht und von der Polizei ist nichts zu sehen.

Als Milieustudie eröffnet Daniel Barber seinen Spielfilmerstling, im Fokus steht sein in fast jeder Einstellung präsenter Titelheld. Ideal ist Harry Brown, ein altmodischer britischer Otto Normalverbraucher, mit Caine besetzt, einem Schauspieler, den man aus so vielen Rollen kennt, dass er einem wie ein alter Freund erscheint. Als müder alter Mann tritt er zunächst auf, als vorsichtiger Senior, der die von Jugendlichen belagerte Fußgängerunterführung meidet und dafür einen Umweg zur nächsten Ampel in Kauf nimmt. Und da ist noch der andere Brown, der Marine, der einst in Nordirland Dienst tat.

Die Welt Daniel Barbers, dessen Kurzfilm "The Tonto Woman" 2007 Oscar-nominiert war, gleicht einer Vorhölle. Nach Anbruch der Nacht sollte man hier die eigenen vier Wände nicht mehr verlassen, das alte England mit seinen gemütlichen Eckkneipen und den jovialen Zechern gibt es nicht mehr. Terror und Tod allenthalben - und als Harry einen schmerzlichen Verlust erleidet, beschließt er zu handeln. Von der freundlichen Polizistin Frampton (geerdet: Emily Mortimer) erwartet er keine Hilfe. Hilf dir selbst, denkt er, und packt seine alte Pistole aus. Es ist ein pures Vergnügen, Caine zuzusehen. Wie Eastwood agiert er stets seinem Alter entsprechend, spart sich Manierismen, übertreibt die Action nicht. Schweißtreibend ist die Szene, in der Harry einen Drogendealer in dessen Behausung aufsucht. Auf dem Sofa liegt ein Mädchen im Koma. Der Soundtrack wummert schmerzhaft. Raubtierkäfig-Atmosphäre. Mit Köpfchen bleibt Brown, wenn man so will der in die Jahre gekommenen Harry Palmer aus "Ipcress - Streng geheim", Herr der Lage, genauso wie er später dem Oberschurken, bravourös fies gespielt vom Londoner Rapper Ben Drew, cool dessen Schranken aufzeigt: "Du hast vergessen deine Waffe zu pflegen, mein Sohn..."

Story, Personenzeichnung und Stimmung - darum geht's. Dunkel, düster sind Martin Ruhes ("Die Gräfin") Bilder, bedrohlich ist der Score von Martin Phipps und Ruth Barrett. Langsam baut Barber die Spannung auf - und dann explodiert die Gewalt. Blaulicht. Hysterisches Geschrei. Hektische Polizisten. Harry behält den Überblick, täuscht Feind und Freund. Das Wort Thriller gilt nun im Wortsinn, keine CGI-Effekte, keine übertriebenen Stunts, kein Hightech-Spektakel. Nur gekonnte Inszenierung, souveräner Schnitt und exzellentes Timing - alles abgestimmt auf Michel Caine. Dirty Harry lebt inzwischen an der Themse. geh.

Darsteller:  Sir Michael Caine   als Harry Brown
  Emily Mortimer   als D.I. Alice Frampton
  Charlie Creed-Miles   als D.S. Terry Hicock
  David Bradley   als Leonard Atwell
  Iain Glen   als S.I. Childs
  Sean Harris   als Stretch
  Ben Drew   als Noel Winters
  Jack O'Connell   als Marky
 
Regie:  Daniel Barber  
Buch:  Gary Young  
Kamera:  Martin Ruhe  
Produzent:  Matthew Vaughn  
  Kris Thykier  
  Keith Bell  

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Features

 

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