
Bankraub, Keanu Reeves und Anton Tschechow. Dass das zusammen geht, beweist Malcolm Venville in seinem heiter verqueren Genremix, der eine Ode an die Liebe ist.
Henry fristet ein tristes Dasein als Kassierer einer Autobahnmautstation. Da tauchen ein paar alte Kumpels auf und missbrauchen ihn als Fahrer für einem Banküberfall. Der Coup misslingt, Henry landet hinter Gittern und freundet sich dort mit Safeknacker-Profi Max an. Was ihn auf die Idee bringt, nach verbüßter Strafe selbst einen Einbruch durchzuführen. Schließlich war er am Verbrechen, dessen er angeklagt wurde, eigentlich unschuldig.
Ein guter Plan, der aus dem Ruder läuft. Ein klassischer Kinostoff, bereits dutzendfach erzählt. Regisseur Malcolm Venville nutzt die sattsam bekannte Prämisse lediglich als Ausgangspunkt für eine schräge Liebesgeschichte mit komischen Zwischentönen. Auftritt Vera Farmiga ("Up in the Air"), die als Julie, lokale TV-Lottofee in Buffalo, New York, von der großen Bühnenkarriere träumt. Sie fährt den Bankräuber in spe fast über den Haufen, der ist darüber nicht verärgert, sondern verliebt sich über beide Ohren in sie. Der Genrewechsel ist vollzogen. Fortan übt man tagsüber auf der örtlichen Provinzbühne Tschechows "Kirschgarten", nachts wird unter Maxens Anleitung - er ist auf Bewährung frei - unter dem Theater ein Tunnel zur Bank gegraben. Was wiederum Henrys geldgierige Freunde anlockt.
Frech plündert der Brite Venville ("44 Inch Chest") die Genres, mixt deren Versatzstücke virtuos durcheinander. Nostalgisch mutet Chris Jones' liebevolles Produktionsdesign an, mal kalt realistisch, mal romantisch verklärt setzt Kameramann Paul Cameron das Licht.
Peter Stormare wütet lustvoll als Inspizient/Regisseur über die Bühne, versucht Henry in die Kunst des Schauspielens einzuführen, derweilen Stoiker Keanu Reeves gar keine Unterweisung braucht, ist er doch ohnehin der prototypische Tschechow'sche Held. Ms. Farmiga hält elegant dagegen, beweist dass sie einfach alles spielen kann - ebenso wie Hollywood-Urgestein James Caan als Max, der den Ganoven mit großem Herzen gibt.
Und der Bruch? Das Geld? Alles nur ein MacGuffin, ebenso wie die Tragikomödie, die hier auf der Bühne geprobt wird. Es geht eigentlich um die Suche nach dem Sinn des Lebens, um Henrys "Erweckung" - er wird zum Romeo und findet endlich seinen Platz in der Welt. geh.