DVD Leihvideo

Herr Lehmann

Adaption des schrägen Romans über einen Kreuzberger Lebenskünstler, der beim Mauerfall seinen 30. Geburtstag feiert.


Herr Lehmann

Leihvideo

Erhältlich seit:
15.04.2004

Komödie/ Drama

Deutschland 2003
Laufzeit: 105 Min.
FSK: ab 12

Christian Ulmen
Katja Danowski
Detlev Buck

Regie: Leander Haußmann
Universal Pictures Germany

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Eigentlich heißt er Frank, aber alle nennen ihn Herr Lehmann.

Herr Lehmann sitzt gerne mit seinen Kumpels am Tresen... (Foto: Delphi) Großansicht

Herr Lehmann sitzt gerne mit seinen Kumpels am Tresen... (Foto: Delphi)

Vor ungefähr 14 Jahren herrschte in Berlin noch heile Welt. Die Mauer stand, die Wehrdienstverweigerer wohnten in Wohngemeinschaften, die Trinker hießen Künstler und SO 36 war der entspannte Teil von Kreuzberg.

Hier lebt Frank Lehmann, der sich teils als Barkeeper, teils als Nichtstuer, und nicht zuletzt als Liebhaber von Köchinnen durchs Leben schlägt. Das reicht schon für eine prima Geschichte. Die Berliner Jungs machen dumme Witze und füllen sich fröhlich ab, dabei vergeht die Zeit im Sauseschritt und alles wirkt ganz authentisch.

...und beschäftigt sich auch mit Hunden (Foto: Delphi) Großansicht

...und beschäftigt sich auch mit Hunden (Foto: Delphi)

Lebenskrise

Irgendwann wird Lehmanns bester Freund verrückt, die Köchin hat Flausen im Kopf und er selbst nähert sich dem dreißigsten Geburtstag. Da bleibt Platz für Depression oder Neuanfang, Herr Lehmann weiß es selber nicht genau, aber vielleicht leistet ihm der Mauerfall Entscheidungshilfe.

Ein schöner Film von Leander Haußmann mit MTV-Moderator Christian Ulmen - gedreht natürlich in Cinemascope, "damit die Tresen ganz ins Bild passen".

Herr Lehmann

Herr Lehmann heißt eigentlich Frank, aber ob ihn das in seiner Karriere als Filmstar behindert, ist schwer zu sagen. Herr Lehmann lebt eigentlich in einem Buch, aber weil es ein Bestseller war, muss er jetzt raus von zu Haus. Was Herr Lehmann eigentlich überhaupt nicht mag. Christian Ulmen ist eigentlich MTV-Moderator, aber sehr überzeugend als Hauptdarsteller. Wenn er also die Relativierung durch "eigentlich" überwindet, kann das auch für die anderen Einschränkungen gelten. Wie eben insgesamt auch für diese schrullige Milieu- und Typenbeschreibung, die eigentlich zu individualistisch wirkt, um ein Massenpublikum zu erreichen. Aber das durfte man eigentlich auch von Sven Regeners Buchvorlage erwarten, die dann trotzdem ein Riesen-Hit wurde.

Der Autor selbst adaptierte seinen Romanerstling für Regisseur Leander Haußmann, der mit "Sonnenallee", seinem eigenen Debüt, einen Überraschungshit landen konnte. Trotz dieser Erfolgskoalition bleiben Fragezeichen, weil auch die Vorlage neben überwiegend begeisterten Fans auch einige Verweigerer fand, die überhaupt nicht mit der empfundenen Ereignislosigkeit und Normalität des Stoffs zurecht kamen. Als möglichst authentische Adaption ist auch der Film im Grunde weitgehend Plot-freie Zone, ist erfüllt von einer akribischen Milieu- und Typenbeobachtung, vor allem auch einem Lebens- und Zeitgefühl, das selbstbewusst Apathie und Individualismus feiert. Titelfigur Herr Lehmann lebt in Kreuzberg SO36, einem intimen Berliner Bezirk, dessen Koordinaten von Kneipen bestimmt werden. Herr Lehmann arbeitet hinter dem Tresen im "Einfall", sein bester Freund Karl (Detlev Buck) in der gastronomisch etwas großzügigeren "Markthalle", und schließlich gibt es da noch die Neueröffnung "Abfall", in der so manches Becks vor der Sippenhaft im Kasten gerettet wird. Mit ganz eigener Körperhaltung, einem ganz eigenen Sprachrhythmus spielt Christian Ulmen diesen kauzigen Endzwanziger, der in der Bewegungslosigkeit sein Karma gefunden hat und über die banalsten Sachverhalte in absurder Weise philosophieren kann. Am liebsten mit Karl, der eigentlich Künstler ist, bald aber auch mit Köchin Katrin (Katja Danowski), die eigentlich Schweinebraten nicht um 11 Uhr morgens serviert, aber für Herrn Lehmann doch noch eine Ausnahme macht. Was dieser als Signal deutet, sich einer bisher unbekannten Aufbruchstimmung zu ergeben. So überwindet er sich erst eine Badehose, dann die Last einer Beziehung zu tragen, bis Katrin in dem Kneipentouristen Kristall-Rainer eine weniger reibungsintensive, unkompliziertere Alternative erkennt.

Ungeachtet einer gewissen Romantisierung der Trinkerkultur ist die Milieu- und Typenschreibung die große Stärke des Films, gefolgt von dem lakonischen Ton, der gleich in den ersten Bildern, einem Cinemascope-Showdown zwischen Herrn Lehmann und einem sturen Hund, eingeführt wird. Einen erstklassigen Eindruck hinterlässt das gesamte Ensemble, das bei aller Komik auch die melancholischen Untertöne nicht vergessen lässt. Nicht jedermanns Geschmack ist der verschleppte Erzählstil, der ungeduldige Zuschauer straft, aber auch die eingestreuten Popkulturzitate, von "Star Wars" bis hin zu "Flucht ins 23. Jahrhundert", die wie ein Fremdkörper wirken. Schließlich spielen in dieser Verklärung des Normalen andere Dinge eine wichtigere Rolle - wie etwa die Erkenntnis, dass der Kater beim Kristall-Weizen von der Zitrone kommt und der Elektrolytmangel der größte Feind des Trinkers ist. Am Ende dieser Berliner Geschichten fällt die Mauer und es wird spannend sein zu beobachten, ob die Mundpropaganda für diesen Film wirklich zu einem Ansturm oder zum Aufbau einer neuen Mauer führt. kob.

Darsteller:  Christian Ulmen   als Herr Lehmann
  Katja Danowski   als Katrin
  Detlev Buck   als Karl
  Janek Rieke   als Kristall-Rainer
  Uwe-Dag Berlin   als Jürgen
  Martin Olbertz   als Marco
  Hartmut Lange   als Erwin
  Margit Bendokat   als Lehmanns Mutter
  Johann Adam Oest   als Lehmanns Vater
  Annika Kuhl   als Heidi
  Tim Fischer   als Sylvio
  Michael Beck   als Klaus
  Michael Gwisdek   als Hans
  Sven Martinek   als Polizist 1
  Bernhard Schütz   als Polizist 2
  Stephan Baumecker   als Kiffer
  Karsten Speck   als Detlef
  Fabian Oscar Wien   als Rudi
  Heidi Züger   als Christine
  Christoph Waltz   als Arzt
  Thomas Brussig   als DDR-Zöllner
  Ümit Inaler   als Türkischer Imbissbesitzer
  Pepe Danquart   als Walter aus dem Elefanten
  Steffi Kühnert   als Trinkerin aus dem Elefanten
  Thorsten Ranft   als Ost-Jürgen
 
Regie:  Leander Haußmann  
Buch:  Sven Regener  
Musik:  Anita Lane  
  Bauhaus  
  Cake  
  Calexico  
  Das Holz  
  Eels  
  Element of Crime  
  Fad Gadget  
  Op:l Bastardz  
  Phantom/Ghost  
  The Residents  
  Violent Femmes  
  Ween  
  WestBam  
Kamera:  Frank Griebe  
Produzent:  Claus Boje  

Ulmen als "Herr Lehmann"

Reif für Hauptrollen: Christian Ulmen

Reif für Hauptrollen: Christian Ulmen

Ja, so startet man als Quereinsteiger im Filmbusiness richtig durch! Christian Ulmen spielt nach "Verschwende deine Jugend", der sich gerade in Postproduktion befindet, nun in seinem zweiten Film mit - und übernimmt gleich die Hauptrolle.

In Leander Haußmanns "Herr Lehmann", der Adaption des gleichnamigen Buches von Sven Regener, wird er als Berliner Barkeeper im Jahr 1989 zu sehen sein. Detlev Buck, in Kürze mit dem österreichischen (!) Roadmovie "Blue Moon" wieder im Kino, wird als Ulmens durchgedrehter Künstlerfreund Karl mitwirken.

Da möchte man doch wirklich Mäuschen am Set sein, denn die Zusammenarbeit von Theater-Derrwisch Haußmann mit dem chaotischen MTV-Moderator Ulmen verspricht einiges an Zündstoff. Die Dreharbeiten haben bereits vor einigen Tagen begonnen, im Kino wird "Herr Lehmann" dann vermutlich im Herbst 2003 anlaufen.

 

Fassungen

 

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Features

 

Star

Christian Ulmen

Die stets ein wenig niedergeschlagenen Augenlider verdecken den Spott, mit dem er die Welt sieht, und die phlegmatischen Bewegungen, die...

 

Star

Detlev Buck

Vom Künstler, der in besonderer Weise mit dem Land verbunden ist, zum Regisseur lakonischer Komödien mit liebevollen Charakteren und...