
Es scheint ein guter Herbst für den Kinderfilm zu sein, denn nach Erfolgsproduktionen wie "Bibi Blocksberg" oder "Neues von Pettersson und Findus" läuft hierzulande seit dem 17. Oktober mit "Hilfe, ich bin eine Junge!" ein weiteres beachtenswertes, durchaus spannendes Werk für die jugendlichen Kinofans. Oliver Dommengets liebevoll realisiertes, sowohl von den Kinderdarstellern als auch den "großen" Schauspielern, etwa Nina Petri und Dominique Horwitz, souverän gespieltes Körpertausch-Märchen dürfte sich mit Zielgruppen-gerechtem Marketing gut gegen die Konkurrenz behaupten.
Eine Umfrage der Zeitschrift "Eltern" erregte im August 2000 die Aufmerksamkeit des Studio-Hamburg-Produzenten Ronald Kruschak. Darin gaben - doch recht bezeichnend für das männliche Geschlecht - 82 Prozent der Mädchen und nur 55 Prozent der Jungen zwischen acht und 16 Jahren an, dass sie es interessant fänden, einen Tag als Junge respektive Mädchen zu verbringen. Von den Erfolgsaussichten einer Verfilmung dieses Stoffes überzeugt, engagierte Kino-Neuling Kruschak mit Drehbuchautorin Astrid Ströhner und Kurzfilmer Oliver Dommenget zwei weitere Leinwand-Debütanten für das reizvolle Projekt. Das gewagte Vorgehen zahlte sich offensichtlich aus, denn neben dem guten Publikums- und Presseecho auf der diesjährigen Berlinale wurde der sympathische Ausflug in den "Körper des Feindes" auch mit einer Nominierung für den deutschen Filmpreis bedacht.
Ihren Identitätstausch möchte Emma - überzeugend: die 12-jährige Sarah Hannemann - möglichst schnell wieder rückgängig machen, denn sie will nicht ewig im unsportlichen Leib ihres verhassten Klassenkameraden Mickey weilen, in den sie ihr magisch begabter Freund Vierauge aus Versehen gezaubert hat. Und auch das faule Großmaul Mickey ist von seinem Los alles andere denn begeistert, muss er sich doch nun auf Emmas Schwimmmeisterschaft vorbereiten So bleiben dem Trio nur 54 Stunden, um wieder in den Besitz von Tartovs Zauberbuchs zu kommen und den Fluch rückgängig zu machen...
Mit viel Gespür für die Tücken des Erwachsenwerdens leitet der geborene Berliner Dommenget seine jungen Helden durch ihr turbulentes Abenteuer. So muss sich Emma beispielsweise mit einer gestressten Karriere-Mutti - souverän wie immer: Nina Petri - und der zickigen Schwimmkonkurrentin, etwas übertrieben dargestellt von Nadine Fano, herumärgern, während Mickeys Künstler-Eltern - sympathisch verschusselt: Dominique Horwitz - die Sache mit dem Familienleben nicht so ganz auf die Reihe kriegen. Weitere Pluspunkte verdankt der flott inszenierte Fantasyfilm den ordentlich gemachten Effekten und dem geschickt eingeflochtenen Nebenplot um die unsterbliche Liebesgeschichte des Zauberers Tartov. "Hilfe, ich bin ein Junge!" ist maßgeschneidert für Kinofreunde jenseits des Grundschulalters - aber durchaus auch abwechslungsreiche Unterhaltung für junggebliebene Märchenfans. geh.