
Grimmiger Thriller mit Dennis Quaid als ausgebrannter Detective, der durch eine biblisch motivierte Mordserie seine ganz persönliche Apokalypse erlebt.
Der renommierte Videoclipper Jonas Åkerlund, in Diensten von Pop- und Rockgrößen von Madonna bis Metallica, hat seinen experimentellen Drogentrip aus "Spun" offenbar gut überstanden, um sich nun eingehender mit der biblischen Offenbarung auseinanderzusetzen - genauer: den vier apokalyptischen Reitern. Der von dem Horrorgenre reichlich zugeneigten Michael Bay produzierte Ausflug ins "Sieben"-Territorium erstaunt zunächst mit dem Verzicht auf gängige Stilmittel, auch wenn die konventionelle Krimi- und Thriller-Plot einige sattsam bekannte Motive vorzuweisen hat, gleichwohl aber eine sich deutliche abzeichnende Spannungskurve bewirkt.
Dennis Quaid führt eine Riege von Top-Charakterköpfen an als dienstmüder und übellauniger Cop Breslin, der sich im frostigen Januarklima zu seiner Arbeit schleppt, die ihm drastische Gründe gibt, noch mehr an der Welt zu verzweifeln. Die ausgerissenen Zähne eines womöglich noch lebenden Opfers bilden den Auftakt für eine Mordserie mit hohem Schock-Wert und innovativen Folterarten. In einigen Details für abgehärtete Mägen kreuzen sich "C.S.I." und "Saw", aber auch "Das Schweigen der Lämmer". Der nach dem Krebstod seiner Frau alleinerziehende Vater zweier Jungs vergräbt sich tief in den Fall und deutet die vielfältigen Hinweise zur Offenbarung des Johannes richtig, was vier Verdächtige ergibt - und weitere Opfer, die es zu retten gilt. Dass er derweil seine Söhne vernachlässigt, weiß er nur zu gut. Der ältere, Alex ("Thumbsucker" Lou Taylor Pucci), verachtet den innerlich absenten Vater, der ihn permanent enttäuscht. Breslin merkt zu spät, dass die Taten einem (spannenden, aber nur bedingt logischen) Plan folgen, der direkt zu seinen Kindern führt.
Im moralischen Diskurs über die Verkommenheit der Menschen glänzt besonders die zierliche Chinesin Zhang Ziyi ("Tiger & Dragon") in einer diabolischen Nebenrolle. Einen denkwürdigen, nicht minder starken Auftritt hat Patrick Fugit ("Almost Famous") mit einem spektakulären Suizid, während sich Åkerlunds schwedischer Landsmann Peter Stormare ("Fargo") als Kinderschänder zu erkennen geben muss. Damit liefert das psychologisch schlau ersonnene Skript von Dave Callaham, der nach "Doom" zeigen darf, was er kann, ein paar triftige Motive, die vorschnelle Wertungen unterlaufen und auf die bittere finale Erkenntnis vorbereiten, die nicht nur bei dem stark aufspielenden Dennis Quaid heftige Emotionen freisetzt. tk.