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Hotel Lux

Tragikomödie mit Bully Herbig als Berliner Kabarettist, der im Moskauer Exil mit Hitlers Leibastrologen verwechselt wird.


Hotel Lux

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Erhältlich seit:
26.04.2012

Drama/ Komödie

Deutschland 2011
Laufzeit: 103 Min.
FSK: ab 12

Michael Bully Herbig
Jürgen Vogel
Thekla Reuten

Regie: Leander Haußmann
Highlight Communications (Deutschland)

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Hotel Lux

1938: Kabarettist Hans Zeisig hat sich auf der Bühne zu viel erlaubt und muss aus Berlin fliehen. Statt nach Hollywood wie andere Künstler verschlägt es ihn jedoch nach Moskau ins berüchtigte Exilantenhotel Lux. Dort trifft er seinen früheren Bühnenpartner Siggi Meyer und die niederländische Untergrundkämpferin Frida van Oortener und wird vom sowjetischen Geheimdienst mit dem abtrünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers verwechselt: Schnell wird er von Stalin einvernahmt - ein Tanz auf dem Vulkan beginnt.

Zwischen Burleske und Groteske angesiedelte, wilde Tragikomödie und Schelmengeschichte von Leander Haußmann. Der Regisseur des Hits "Sonnenallee" lässt Michael Bully Herbig sein komödiantisches Potenzial ausspielen als Kabarettist und Stalin-Parodist, der im Exil zwischen die Fronten gerät. Inspiration lieferte das echte Hotel Lux, in das sich verfolgte Kommunisten einquartierten. Blieb im Kino hinter den Erwartungen zurück.

Hotel Lux

Im Abspann von "Hotel Lux" sieht man, in hübscher Anmutung, als handle es sich um Sternenbilder, die wahren Sterne, um die es geht im Filmgeschäft: Hollywood-Stars. Den Anfang macht Groucho Marx in "Duck Soup", später folgt die Monroe in Billy Wilders "Das verflixte 7. Jahr". Das ist kein Zufall. Marx und Wilder, anarchischer Urwitz wider den institutionalisierten Wahnsinn und fein gedrechselte humoristische Betrachtungen über Jedermänner in außergewöhnlichen Situationen - das ist das Spannungsfeld, in dem sich Leander Haußmanns bislang aufwendigste Kinoproduktion bewegt.

Die naheliegenden Vorbilder für die Komödie mit der denkbar höchsten tragischen Fallhöhe, in der sich Michael Bully Herbig auch in ernsten Momenten als souveräner und charmanter Akteur erweist, sind Lubitschs "Sein oder Nichtsein" oder Chaplins "Der große Diktator". Noch näher steht "Hotel Lux" indes "Manch mögen's heiß". Beides Verwechslungskomödien, in denen es um Leben und Tod geht, in beiden schlittern die unbedarften Protagonisten in unkontrollierbare Situationen und müssen versuchen, den Kopf über Wasser zu halten. Vor allem sind beide Filme Musterbeispiele für die gekonnte Balance aus Humor und Tragödie, aus befreiendem Lachen und abgrundtiefem Schrecken, eingebettet in eine ganz klassische Erzählung in großen artifiziellen Kinobildern.

Hier, in dieser Produktion von Günter Rohrbach und Corinna Eich, steht der deutsche Komödiant Zeisig im Mittelpunkt, der nach der Machtergreifung Hitlers eigentlich nach Hollywood fliehen will und doch nur vom Regen in die Traufe kommt, sprich: in das Moskauer Auffangbecken für geflohene Kommunisten, vor allem aus Deutschland.

Sich aus allem raushalten, wie es der unpolitische Zeisig eigentlich vorhat, wird zunehmend schwieriger, weil man ihn für den Leibastrologen Hitlers hält und Stalin einen Narren an ihm frisst - und schließlich unmöglich, als im Zuge der großen Säuberung nicht nur sein Leben, sondern auch das seines besten Freundes und der Frau, die er liebt, in akute Gefahr gerät.

Es ist nicht das erste große historische Thema, das sich Haußmann vorgenommen hat - anders aber als in seinem unkonventionell respektlosen "Sonnenallee", der die Mauer auf legendäre Weise einfach wegtanzte, wählt er für dieses Stück "historically correct fiction" (O- Ton Thekla Reuten) die Form einer klassischen Hollywood-Vorzeigekomödie, um einerseits einen angemessenen Ton für den nackten Horror zu finden, andererseits aber auch eine Grundlage für Kinounterhaltung im Auge des Wirbelsturms zu schaffen. Es gehört Mut dazu, sich einer so heiklen Thematik anzunehmen und dennoch auf Lacher zu hoffen.

Dabei schärft gerade das Lachen den Blick auf die Schrecknisse der Geschichte - und lenkt nicht von ihnen ab: Wenn Stalin den vermeintlichen Wahrsager stets zu sich aufs Scheißhaus einlädt, weil er sich nur hier nicht vom eigenen Geheimdienst belauscht glaubt, dann hat das etwas Groteskes und Aberwitziges, aber eben auch Monströses, das die Ereignisse ins rechte Verhältnis setzt. ts.

Darsteller:  Michael Bully Herbig   als Hans Zeisig
  Jürgen Vogel   als Siggi Meyer
  Thekla Reuten   als Frida van Oorten
  Alexander Senderovich   als Nikolai Jeschow
  Valery Grishko   als Josef Stalin
  Juraj Kukura   als Wassili Ulrich
  Sebastian Blomberg   als Karl-Heinz Müller
  Axel Wandtke   als Walter Ulbricht
  Steffi Kühnert   als Lotte Kühn
  Matthias Brenner   als Wilhelm Pieck
  Robert Dölle   als J.R. Becher
  Josef Ostendorf   als Mama
  Thomas Thieme   als Dimitrow
  Gennadi Vengerov   als Upit
  Johann Adam Oest   als Valetti
  Daniel Wiemer   als Wehner
 
Regie:  Leander Haußmann  
Buch:  Leander Haußmann  
Musik:  Ralf Wengenmayr  
Kamera:  Hagen Bogdanski  
Produzent:  Prof. Dr. Günter Rohrbach  
  Corinna Eich  

"Hart und böse wäre bei dem Thema leicht gewesen"

Mit "Hotel Lux" beweist Leander Haußmann erneut sein Händchen für Tragikomik.

Leander Haußmanns Hauptdarsteller Michael Bully Herbig betritt mit "Hotel Lux" Neuland - und macht sich großartig (Foto: Concorde) Großansicht

Leander Haußmanns Hauptdarsteller Michael Bully Herbig betritt mit "Hotel Lux" Neuland - und macht sich großartig (Foto: Concorde)

Mit welchem Gefühl soll der Zuschauer das Kino verlassen?
LEANDER HAUSSMANN: Wie eigentlich immer bei mir mit einem optimistischen, mit dem Gefühl, die Welt wird besser. Das unterscheidet die Komödie von der Tragödie.

Haben Sie vor Beginn des Projekts Lubitsch und Chaplin rauf- und runtergeguckt?
Nein, das ist so eine Cineasten-Geschichte. Sobald sich jemand als Hitler verkleidet oder ein Schauspieler ihn verkörpert so wie in "Hotel Lux", redet man von Ernst Lubitsch und Charlie Chaplin. Ich lege Wert darauf, dass diejenigen, die das bemerken in ihren Kritiken, nicht diejenigen gewesen wären, die damals den Erfolg von "Sein oder Nichtsein" erkannt hätten. Aus Gründen der politischen "Correctness" und der Moral war der Film ein gigantischer Flop.

"Hotel Lux" wanderte über die Jahre von einem Produzenten zum anderen. Empfanden Sie es als besondere Herausforderung, das Projekt zu verfilmen?
Das war schon mehrmals bei mir. Es lag bei Thomas Brussig, als wir gemeinsam "NVA" realisierten. Ich hatte Zeit, mich mit diesem Monstrum auseinanderzusetzen, und wusste auch, dass Helmut Dietl mir als Regisseur wohlwollend gegenüberstand und die Wahl von Brussig etwas mit "Sonnenallee" und mir zu tun hatte. Deshalb war ich auch nicht erstaunt, als das Projekt bei mir landete. Brussig sollte das Drehbuch schreiben, kam aber nur bis zum Treatment.

Es gab einen ziemlichen Verschleiß an Drehbuchautoren.
Das liegt daran, dass ich einen sehr großen Respekt vor Drehbuchautoren hatte und meinte, ich kann ein Drehbuch nur nach einer Vorlage schreiben. Im Verlauf der Bemühungen - auch durch Günter Rohrbach, der Uwe Timm und Volker Einrauch einbrachte - stellte ich fest, dass ich es vielleicht doch selbst kann. Dazu gehört ein gewisses Selbstvertrauen und der Glaube des Produzenten. Rohrbach sagte irgendwann "Jetzt schreiben Sie das mal gefälligst selbst, es reicht!" Mit Uwe Timm habe ich lange Gespräche geführt, und Volker Einrauchs Ausführungen waren als Grundlage durchaus für mich geeignet. Ich finde mein in anderthalb Jahren geschriebenes Drehbuch sehr gut. Da gibt es keine Allgemeinplätze oder ungenauen Dialoge. Darauf bin ich sehr stolz. Ich habe es mir nicht einfach gemacht. Der Ansatz für das Buch war ein sehr ernsthafter, eine Hommage an integre und aufrecht gebliebene Menschen wie Hans Zeisig, nicht unbedingt typische Helden oder Gesellschaftsveränderer, nicht die Weiße Rose. Aber sie lebten in dieser furchtbaren Zeit und haben sich nicht angepasst. Vor allem Komiker und Variétékünstler sagten: Ich bleibe, wie ich bin. Viele bezahlten ihre Haltung mit dem Tod.

Trotz Ihres Händchens für Humor: Fühlten Sie sich nicht manchmal wie bei einem Ritt auf der Rasierklinge?
Was die Komik betrifft, haben wir auf vieles verzichtet, da war schon mehr möglich. Aber genau diese Gratwanderung und den Verzicht halte ich für charmant. Und das Charmante war mir sehr wichtig. Uncharmant, hart und böse kann man immer bei diesem Thema sein. Wir sollten vielleicht mehr Selbstvertrauen in Deutschland gewinnen und uns nicht immer selbst kasteien bei der Verbindung von ernst und lustig. Das hat Shakespeare schon gemacht und die Amerikaner sowieso. Und wir trauen uns inzwischen auch.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen als "peniblen Chaoten" und dem sehr genauen Michael Bully Herbig?
Trotz vieler negativer Eigenschaften habe ich eine positive, meine Offenheit. Ich habe überhaupt keine Berührungsängste mit nichts und ein großes Herz für Comedians. Sich auf die Bühne zu stellen und ein Programm abzuliefern, das die Leute zum Lachen bringt, ist eine große Mutfrage und bedarf eines sehr fundierten Könnens. Bei Bully, Bastian Pastewka oder Otto geht es nicht ums Witzeerzählen. Die haben ein Schauspielerherz, und das will mehr - wie die tragische Komponente, die Tiefe der Figur.

Gab es mal eine Konkurrenzsituation?
Immer, aber ich habe kein Autoritätsproblem, unser Verhältnis beruht auf Respekt. Wenn man sich bei einer so fragilen Arbeitsbeziehung nicht einigt, kann man das ganze Projekt, das Herz des Films, beschädigen. Ich empfinde mich nicht als Künstler, sondern als jemand, der verschiedene Leute zusammenbringt und sie mit seinen Ideen so befruchtet, dass sie tätig werden und sich entfalten können. Das betrifft Schauspieler ebenso wie Ausstatter, Musiker oder Kameraleute.

Und Ihr Verhältnis zu Günter Rohrbach?
Der gehört zu einer anderen Generation mit einer anderen Sicht auf die Dinge, ob Ästhetik, Erzählweise oder Historie. Da hat es schon extrem gekracht, bis zum Aufknallen des Telefonhörers. Aber mit Rohrbach kann man sich sehr gut anschreien, das ist im Nachhinein dann vergessen. Zum Streit gehört auch Nachgeben. Wenn man das Gefühl hat, der andere gibt nicht nach, wird man des Streitens müde. Aber wenn man wie bei Rohrbach weiß, der Streit lohnt sich, und man ein offenes Ohr hat für die Argumente des anderen, wird einem selbst bewusst, was wichtig ist. Man lernt dadurch.

 

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