VHS Leihvideo

Hunger - Sehnsucht nach Liebe

Mischung aus Zeitgeistdrama und Liebesgeschichte von Regiedebütantin und Schauspielerin Dana Vavrova einfühlsam inszeniert.


Hunger - Sehnsucht nach Liebe

Leihvideo

Erhältlich seit:
12.11.1998

Drama

Deutschland 1997
Laufzeit: 92 Min.
FSK: ab 12

Catherine Flemming
Kai Wiesinger
Christiane Hörbiger

Regie: Dana Vávrová
Walt Disney Studios Home Entertainment

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Hunger - Sehnsucht nach Liebe

Laura ist jung, hübsch, immer gut gekleidet und als Marketing-Chefin einer Spielzeugfirma auch beruflich erfolgreich. Kaum ist sie jedoch alleine, wird sie von Selbstzweifeln gequält, die sich wiederum in furchtbaren Freß-Anfällen äußern. Als sie den Juwelier und Hobby-Graffiti-Künstler Simon trifft, lernt sie zum ersten Mal die wahre Liebe kennen. Aus Angst, Simon wieder zu verlieren, verheimlicht Laura ihm ihre Bulimie. Als dieser jedoch durch Zufall von ihrer Krankheit erfährt, kommt es zum Streit. Simon verläßt sie...

Schauspielerin Dana Vávrová ("Herbstmilch") setzt sich in ihrem Debüt als Regisseurin mit der bislang als Tabu-Thema geltenden Krankheit Bulimie auseinander. Überzeugend in den realitätsnahen Dialogen und ohne jemals belehrend zu wirken, erzählt sie die ungewöhnliche Love Story zweier völlig unterschiedlicher Charaktere. Catherine Flemming ("Rohe Ostern") ist als akkurate Karrierefrau genauso glaubhaft wie als verzweifelte Eß-Süchtige, Kai Wiesinger überzeugt als ihr ebenso lebensfroher wie kritischer Partner. Ein gesellschaftskritisches Drama, fernab vom allseits grassierenden deutschen Komödien-Einerlei.

Hunger - Sehnsucht nach Liebe

Für ihr Regiedebüt suchte die Schauspielerin Dana Vávrová gleich die Herausforderung: Sie erzählt überraschend ehrlich die Geschichte einer Sucht, scheut nicht das soziale Tabuthema Bulimie und entwirft für ihre überzeugende Hauptdarstellerin Catherine Flemming die ideale Rolle. Im Verbund mit Peter von Hallers solider Kameraarbeit ist ein beeindruckendes Erstlingswerk entstanden, das mit etwas Verleihhilfe auf der deutschen Erfolgswelle mühelos mitschwimmen sollte.

In ihren stärksten Momenten gelingt Dana Vávrová wunderbar selbstverständlich ein intensives, sensibles Frauenporträt: ein intimer, niemals diffamierender Blick ins Innenleben einer verletzten Frau, die nach außen alle Attribute der erfolgreichen Karrierefrau auf sich vereint, in Wahrheit aber verschlossen und einsam mit ihrer Eßstörung lebt. Laura (Catherine Flemming) kämpft mit den Dämonen ihrer Kindheit und Jugend (angenehm zurückhaltend: Christiane Hörbiger als Mutter zwischen Irritation, Verdrängung und Verständnis), und natürlich liefert das Drehbuch in knappen Rückblenden die notwendigen Erklärungen. Als die Liebe in Gestalt des gänzlich unneurotischen Freizeit-Graffiti-Künstlers Simon (Kai Wiesinger) in ihr Leben drängt, wird sie in einem ganz neuen Maße mit ihrer Sucht konfrontiert. Entweder sie stellt sich dem Kampf oder sie verliert Simon.

Daß sich Dana Vávrová für ihren Erstling eines Themas annimmt - ein Frauenporträt -, das ihr als berufstätige, erfolgreiche Frau und Mutter besser als jedes andere vertraut sein dürfte, ist klug, denn sie blickt hinter die Kulissen. Gemeinsam mit dem Psychologen Uli Buchner verfaßte sie nach ihrer Idee auch das Drehbuch. Clever ist auch die Komposition des Films, die Kamera- und Lichtführung, die die schonungslos gezeigten Freßattacken in grelles, gleißendes Licht taucht, eine subjektive Kamera suggeriert. Gut gewählt auch der Schauplatz, ein München, das bisweilen vertraut erscheint, gleichzeitig aber für die Anonymität jeder x-beliebigen Großstadt steht. Der Film ist klar konzipiert, von der Kamera über die Topographie (im Gegensatz zur kalten, lauten Stadt steht die warme Natürlichkeit der toskanischen Landschaft) bis zu den Figuren. Die allerdings sind, bis auf die genau gezeichnete Protagonistin, etwas pauschal geraten und erstarren in ihrem Schwarz-Weiß-Raster. Kai Wiesinger liefert eine gute Leistung, ist aber vom Buch her unterfordert. Beinahe schade ist, daß die Vávrová von Anfang an Drama und romantische Love Story unter einen Hut bringen will. So manche dramaturgische Entscheidung fällt sie zugunsten des unvermeidlichen Happy Ends nach dem Motto: Die größte Liebe heilt auch die schlimmste Sucht.

Der achte Film der Perathon-Filmproduktion von Ehemann Joseph Vilsmaier, der als ausführender Produzent fungierte, ist Peter von Hallers zweite Kinoarbeit als Kameramann nach "Wia die Zeit vergeht", eine Musikdokumentation über den Alpenrocker Hubert von Goisern. Drei Talente also vor und hinter der Kamera, von denen man gerne mehr sehen würde: Catherine Flemming, Peter von Haller und Dana Vávrová. boe.

Darsteller:  Catherine Flemming   als Laura
  Kai Wiesinger   als Simon
  Christiane Hörbiger   als Lauras Mutter
  Christian Tramitz   als Jan
  Jürgen Schornagel   als Simons Vater
  Barbara Focke   als Simons Mutter
  Niels Bruno Schmidt   als Tom
  Birgit Seidel   als Theresa
  Ariane Wisniewski   als Ariane
  Stefanie Richter   als Therapeutin
  Christoph Ott   als Lauras Chef
  Martin Gruber   als Robert
  Janina Vilsmaier   als Laura (11)
  Melanie Jung   als Kassiererin
 
Regie:  Dana Vávrová  
Buch:  Dana Vávrová  
  Uli Buchner  
Musik:  Christian Heyne  
  Winfried Grabe  
  Stefan Busch  
Kamera:  Peter von Haller  
Produzent:  Joseph Vilsmaier  
 

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