
Der diesjährige Sundance-Publikumspreis-Gewinner ist eine ambitionierte Low-Budget-Variante von Curtis Hansons "8 Mile": Terrence Howard brilliert als schwarzer Underdog-Eminem in Memphis, dessen Traum vom Hiphop-Startum über Umwege Realität wird.
Als Produzenten konnte Newcomer-Regisseur Craig Brewer niemand anderes als John Singleton ("2 Fast 2 Furious", "Shaft") gewinnen, der neben MTV Films an Bord kam. Das größte Ass, das Brewer bei seinem auf 16mm gedrehtem Hip-Hop-Drama aus dem Ärmel schüttelt, ist allerdings Hauptdarsteller Terrence Howard, der hierzulande in Nebenrollen wie zuletzt dem brillanten "L.A. Crash"positiv auffiel und hiermit in den USA bereits seinen Durchbruch feierte. Howard spielt den Zuhälter und Dealer Djay, mit Dauerwelle, gepimptem Wagen und Hang zum Philosophieren, der nach einer Zufallsbegegnung mit seinem ehemaligen Schulfreund Key (Anthony Anderson) an seinen früheren Traum von einer Musikerkarriere erinnert wird. Zusammen mit Key, mittlerweile Toningenieur, und dem schlaksigen weißen Kirchenmusiker Shelby (DJ Qualls) bastelt er sich in seiner Wohnung ein eigenes Studio, in dem die drei die Musik zu seinen selbst geschrieben Raptexten erfinden.
Die Story konzentriert sich vor allem darauf, mit welchen Mitteln jedermann sich selbst verwirklichen kann und bringt damit auch den Nicht-Rap-Fans unter den Zuschauern das Genre mit unerschütterlichem Enthusiasmus näher. Wer bei der potentiellen Hit-Textzeile "It's hard out there for a pimp" nicht ins Schmunzeln gerät, muss spätestens angesichts der Begeisterung, die die Darsteller und insbesondere Darstellerinnen an den Tag legen, die Waffen strecken: Djays ärmliches häusliches Leben wird von drei Frauen bestimmt - der großmäuligen Stripperin Lexus (Paula Jai Parker), die er schließlich aus der Wohnung schmeißt, seiner Haupteinnamequelle, der naiven Nola (immer toll: Taryn Manning), die letztlich über sich selbst hinauswächst, ebenso wie seiner schwangeren Freundin Shug (rührend: Taraji P. Henson), die als zufällig engagierte Backgroundsängerin ihre Erfüllung findet. Dass Brewer im Mittelteil bisweilen haarscharf am Kitsch vorbeistreift, wird im letzten Akt durch eine angenehm realistische Note, die nicht ohne Gewalt auskommt, wieder ausgeglichen - allerdings nicht ohne den Optimismus aufzugeben, der "Hustle & Flow" zu einem immer mitreißenden Aufsteiger-Märchen macht. Mit Musikern wie Ludacris und der Legende Isaac Hayes in Nebenrollen besetzt, setzt Brewers Film zugleich der Südstaatenmusikszene der USA ein Denkmal, das von schwüler Atmosphäre, dem Improvisationstalent in den Armenvierteln der Stadt Memphis und der stets authentischen Sprache und Umgebung geprägt ist. In dieser Hinsicht ist "Hustle & Flow" tatsächlich noch eine Spur aufrichtiger und aufreibender als sein großer Bruder "8 Mile". deg.