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I Shot Andy Warhol

Sittenbild der New Yorker Künstlerszene um Pop-Ikone Andy Warhol mit Blick auf die Warhol-Attentäterin Valerie Solanas.


ohne Abbildung

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Drama

USA 1995
Laufzeit: 99 Min.
FSK: ab 16

Lili Taylor
Jared Harris
Lothaire Bluteau

Regie: Mary Harron
AL!VE Vertriebs- und Marketing AG

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I Shot Andy Warhol

Die Radikalfeministin und Gelegenheitsprostituierte Valerie Solanas verschafft sich dank ihrer Beziehung zu dem Transvestiten Candy Darling Zugang zu Andy Warhol. Zunächst scheint die skurrile Lebenskünstlerin perfekt in den erlauchten Kreis der New Yorker "Factory" zu passen, doch als Warhol sich weigert, ihr abstruses Theaterstück "Up Your Ass" zu produzieren, schlägt ihre anfängliche Bewunderung in menschenverachtenden Haß um. Das Resultat: Am 3. Juni 1968 feuert Solanas drei Schüsse auf Warhol ab, die für den Pop-Art-Papst beinahe tödlich enden.

In ihrem spektakulären Spielfilmdebüt zeichnet die britische Musik-Journalistin und Dokumentarfilmerin Mary Harron das fesselnde Porträt der zu traurigem Ruhm gekommenen Warhol-Attentäterin Valerie Solanas. Dabei baut sie ihre unkonventionelle Story geschickt mit zahlreichen Rückblenden auf und analysiert so auch Kindheit und Jugend der radikalen Feministin. Das exzellent recherchierte Sittenbild der New Yorker Künstlerszene profitiert auch vom beeindruckenden Spiel Lili Taylors ("Arizona Dream") in der Titelrolle. Das etwas anspruchsvollere Publikum wird sich bei diesem Film gut aufgehoben fühlen.

I Shot Andy Warhol

Auf dem Höhepunkt einer Retro-Bewegung, die die Popkultur modisch und musikalisch zurückführt in die "Anything Goes"-Euphorie der späten sechziger und frühen siebziger Jahre, liefert die britische Autorin und Dokumentarfilmerin Mary Harron mit ihrem Kinodebüt ein exzellent recherchiertes Sittenbild der New Yorker Künstlerszene um Andy Warhol. Indem sie das Leben und Wirken der Radikalfeministin und späteren Warhol-Attentäterin Valerie Solanas detailgenau nachzeichnet und dennoch einen ganz neuen, beinahe entdämonisierenden Blick auf Solanas wirft, gelingt Harron gleichzeitig ein spannendes Lehrstück und ein höchst unterhaltsamer Spielfilm.

Zweifellos entstammt Mary Harron, die über die Londoner Punkrockszene zum Schreiben kam und später als Redakteurin und Dokumentarfilmerin zum Fernsehen wechselte, dem richtigen Background, um die Aufbruchsstimmung der ausgehenden 60er Jahre einzufangen.

Eines der Zentren jener kulturellen Revolution, die schließlich eine komplette Erneuerung des Rock'n'Roll und der modernen Kunst einleiten sollte, ist das New Yorker Studio Andy Warhols, die Factory. Dort treffen sich all die Genies und Scharlatene, die ihre "fünfzehn Minuten Ruhm" genießen wollten und sich um den auch kommerziell erfolgreichen Künstler drängten. In diesen Kreis stößt schließlich auch Valerie Solanas (Lili Taylor), eine energiegeladene und vor Wut glühende Feministin und Lebenskünstlerin, die sich mit Gelegenheitsprostitution und Schnorrerei auf der Straße durchschlägt.

Der Film beginnt 1968 mit jenen schicksalsträchtigen, beinahe tödlichen Schüssen auf Warhol und zeigt die trotzige, verhärmt wirkende Solanas im Verhör. In Rückblenden werden kurze Episoden aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt, und die Story eilt rasch zu den Jahren, in denen das Mädchen über den Transvestiten Candy Darling (Stephen Dorff in einer gänzlich ungewohnten Rolle) Zugang zu Warhol (Jared Harris) findet. Solanas ist von dem Gedanken besessen, nur Warhol könne ihr krudes Theaterstück "Up Your Ass" produzieren und ihr mit ihrem radikalen feministischen Pamphlet, dem "SCUM Manifesto", Aufmerksamkeit verschaffen. Mit ihrer penetranten Hartnäckigkeit stößt Solanas nach anfänglichem Interesse jedoch zunehmend auf Spott und Ablehnung der Entourage des Künstlers, und als sie auch noch von einem windigen Verleger (Lothaire Bluteau) über den Tisch gezogen wird, wandelt sich ihre Wut zu einer Paranoia, die sie schließlich zur Pistole greifen läßt.

Tatsächlich wird Solanas, deren traurige Berühmtheit bis dato nicht viel Licht auf ihre eigentliche Person geworfen hatte, hier zu einer vielschichtigen - und bisweilen wunderbar geistreichen - Revolutionärin, die sich zunächst durch messerscharfen Intellekt und Wortwitz auszeichnet. Gleichzeitig läßt Lili Taylor, die sich erneut als eine der besten und versiertesten Schauspielerinnen des Independent-Films empfiehlt, aber auch keinerlei Zweifel daran, wie nervtötend und aufdringlich Solanas der Warhol-Clique gegenüber auftrat. Ohne je die Factory als Inspirationsquelle für fast die gesamte amerikanische Pop-Art und als drogenschweren Partystützpunkt zu glorifizieren, läßt Mary Harron den unbeschwerten, hemmungslos hedonistischen und enorm produktiven Geist jener Zeit fast greifbar werden. Und nachdem zuletzt die Doku "Nico-Icon" in den deutschen Programmkinos einen beachtlichen Erfolg verbuchen konnte, dürfte auch "I Shot Andy Warhol", zumal von einem potenten Verleih vermarktet, seine Zuschauer finden. evo.

Darsteller:  Lili Taylor   als Valerie Solanas
  Jared Harris   als Andy Warhol
  Lothaire Bluteau   als Maurice Girodias
  Martha Plimpton   als Stevie
  Stephen Dorff   als Candy Darling
  Anna Thomson   als Iris
  Danny Morgenstern   als Jeremiah
  Tahnee Welch   als Viva
  Craig Chester   als Fred Hughes
  Donovan Leitch   als Gerard Malanga
  Coco McPherson   als Brigid Berlin
  Reg Rogers   als Paul Morrissey
  James Lyons  
  Michael Imperioli  
  Myriam Cyr  
  Peter Friedman  
  Jill Hennessy  
  Justin Theroux  
  Yo La Tengo  
 
Regie:  Mary Harron  
Buch:  Mary Harron  
  Daniel Minahan  
Musik:  John Cale  
Kamera:  Ellen Kuras  
Produzent:  Tom Kalin  
  Christine Vachon  
 

I Shot Andy Warhol in der Fotoshow

 

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