
Seit der Twin-Towers-Tragödie sind Feuerwehrmänner die neuen "Untouchables": mutige, moralische Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Leben für andere einsetzen. "Einheit 49" zollt diesen Idealisten mit einem Blick auf Alltag, Einsätze und Privatleben Tribut. Ohne exzessives Helden-Pathos, aber mit Action, Emotionen und Humor, was in Koalition mit der Zugkraft von John Travolta und Joaquin Phoenix für einen soliden Hit sorgen könnte.
"Backdraft" bediente sich mit einem Feuerteufel noch eines Thrilleraspekts, um die Spannung anzuheizen. "Einheit 49" verzichtet auf Geschmacksverstärker, will nicht wie "Frequency" das Milieu nur als Rahmen nutzen oder wie "The Guys" als Kammerspiel die Wunden einer Nation ansprechen. Das Skript von Lewis Colick, der schon Travoltas Thriller "Tödliches Vertrauen" schrieb, versucht eine humorvolle Annäherung an diese John-Ford-ähnlichen Männercliquen und ein realistisches Porträt ihrer Arbeit, in der trotz aller Routine die Angst ständiger Begleiter ist. Es ist ein dramaturgisch konventioneller Ansatz mit einem Zentralkonflikt, Nebenschauplätzen und Rückblenden, aber trotzdem wirkungsvoll. Themagerecht steht ein Rettungsmotiv im Vordergrund, das den Film antreibt, während er immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart surft. Hilfe benötigt hier der, der sie sonst anderen zukommen lässt. Nachdem Firefighter Jack (Phoenix) bei einem schwierigen Einsatz einem Mann das Leben rettet, wird er selbst nach Explosion und tiefem Fall von herabstürzenden Trümmern schwer verletzt. Während er, irgendwo im Schuttchaos eines brennenden Gebäudekomplexes isoliert, hofft, dass ihn seine von Chief Kennedy (Travolta) geführte Einheit schneller erreicht als das Feuer, führen ihn Erinnerungen zurück zu den Anfängen in der Truppe, zu den Ritualen, zum Zusammenhalt, den Freunden, die er an die Flammen verlor, aber auch zur Ehefrau (Jacinda Barrett), deren Herz er mit Hilfe eines Kollegen gewann. Immer wieder sieht man Action-intensive Einsätze, die mit Wackeloptik und überzeugendem Soundmix authenthisch wirken, ohne den Effektbombast von "Backdraft" in Anspruch nehmen zu müssen. Zehn Jahre durchlebt der Film in wenigen Minuten, macht die Motivation Jacks, aber auch die Ängste seiner Frau deutlich, die mit ihren Kindern jedem Tag mit dem Schlimmsten rechnen muss. Überdramatisiert werden familiäre Konflikte nicht. Sie gehören zu diesem Leben, enden mit Versöhnung oder Verdrängung. Phoenix hat starke emotionale Momente in diesen Szenen, in diesem Film, der sogar eine potenziell kitschig-sentimentale Sequenz in einer Weihnachtsmesse zu einem berührenden Augenblick menschlichen Innehaltens macht. Travolta spielt den Mentor und Freund, gibt sich mit einer Nebenrolle zufrieden und ruht darin mit Charisma und Humor. Natürlich wirkt die Gemeinschaft der Feuerwehrmänner extrem harmonisch und verschworen, liefert nur Robert Patricks Figur einen "Touch of Evil". Natürlich sind die Frauen hier Bankdrücker, aber wie der Film insgesamt zumindest eingefasst in einen realistischen Kontext. Jennifer Jason Leigh dagegen hatte in "Backdraft" Sex auf dem Dach eines Feuerwehrwagens und Partner Billy Baldwin nicht einen Moment Zugang zu tieferen Emotionen. Nicht nur deswegen kann und muss man "Einheit 49" ernster nehmen, ohne zu befürchten, hier nicht unterhalten zu werden. kob.