
Ein Saunavergnügen voller Überraschungen bietet der irische Regisseur Eoin Moore. Beim gemeinsamen Schwitzen kommen sich die unterschiedlichsten Wellness-Anhänger näher, träumen von einer besseren Zukunft und ärgern sich mit der grässlichen Gegenwart herum.
Einem Nackten kann man zwar nicht in die Tasche langen, aber ins Herz gucken. Und dazu gibt es Gelegenheit genug. Vor der sozialen Kälte flüchten sie sich jeden Donnerstag in die heiße Sauna - die entlassene Stewardess, die immer noch auf erfolgreich macht, die Ich-AG-Frau, die jedem eine Versicherung andrehen will und Ex-Frau des nicht gerade dynamischen Langzeitarbeitslosen, der seinem Sohn ein Rad zum Geburtstag klaut, die idealistische Birkenstockträgerin, die nicht weiss, ob sie ihren Freund heiraten oder lieber als Entwicklungshelferin in Afrika Abenteuerluft schnuppern soll, und ein veritabler Professor, der für seine pragmatische Bundestagsgattin gefällige Reden schreibt und gerne von Eigeninitiative und Aufschwung faselt. Während draußen Hartz IV tobt, sitzt drinnen das Grüppchen und wärmt Körper und Seele auf. Die kleine verschworene Gemeinschaft schließt vor der Wirklichkeit die Augen und wird dennoch von ihr eingeholt. Zwischen Farce und Drama haben die Schwitzenden beim Gebirgslatschenkiefernaufguss nichts zu lachen, auch wenn platte Witze die Runde machen und man unter als indische Fango-Packungen deklariertem billigen Havelmatsch lustvoll stöhnt. Wenn dann der Gerichtsvollzieher im "Schwitzkasten", so der Name des Etablissements, wegen unbezahlter Rechnungen die Stereoanlage pfändet, das Telefon nicht mehr klingelt und die Rohrleitungen den Geist aufgeben, eine zu entsorgende Leiche in der Sauna liegt, scheint der wöchentliche Treffpunkt gefährdet.
Nach seinem harten Drama "Pigs will fly" über Gewalt in der Ehe zeigt sich Eoin Moore von einer ungewöhnlich schwarz-humorigen Seite, auch wenn einem das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt. Da kehren die Protagonisten ihr Inneres nach Außen, kämpfen mit den Widrigkeiten des Alltags und entpuppen sich als Meister einer geschickten Überlebensstrategie. Dabei sitzen die Pointen punktgenau. Mit einem Budget von nur 640 000 Euro und in nur 20 Drehtagen entstand ein vergnügliches Kino-Meisterstück mit einem exzellenten Darsteller-Ensemble, allen voran Christiane Paul, Edgar Selge und Andreas Schmidt. Nichts wie rein ins Sauna-Vergnügen. Tragik und Komik - selten lagen sie in einem deutschen Film so nahe beieinander. mk.