DVD Leihvideo

Im Winter ein Jahr

Beeindruckend gespieltes Drama um die verspätete Trauerarbeit in einer Familie.


Im Winter ein Jahr

Leihvideo

Erhältlich seit:
14.05.2009

Drama

Deutschland 2008
Laufzeit: 123 Min.
FSK: ab 12

Karoline Herfurth
Josef Bierbichler
Corinna Harfouch

Regie: Caroline Link
Highlight Communications (Deutschland)

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Beeindruckend gespieltes Drama um die verspätete Trauerarbeit in einer Familie.

Max Hollander soll Lilli malen (Foto: Constantin) Großansicht

Max Hollander soll Lilli malen (Foto: Constantin)

Architektin Eliane (Corinna Harfouch) gibt beim renommierten Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) ein Porträt ihrer erwachsenen Kinder in Auftrag. Das Bild soll Tochter und Sohn, der sich vor einem Jahr umgebracht hat, vereinen. Tochter Lilli (Karoline Herfurth) steht erst nur widerstrebend Modell, versteht sich aber immer besser mit dem Maler, der auch einen geliebten Menschen verloren hat.

Oscar-Preisträgerin Caroline Link zeigt in ihrer grandiosen Rückkehr als Kinoregisseurin erneut ihr Talent für Familiengeschichten. Mit viel Einfühlungsvermögen inszeniert, greift sie auch verschiedene Formen der künstlerischen Auseinandersetzung auf, wie Malerei und Tanz.

Eliane kann den Tod ihres Sohnes nicht verkraften (Foto: Constantin) Großansicht

Eliane kann den Tod ihres Sohnes nicht verkraften (Foto: Constantin)

Starker Schlagabtausch

Im starken Ensemble beeindrucken besonders Karoline Herfurth und Josef Bierbichler, deren verbaler Schlagabtausch die komischen Akzente im dramatischen Geschehen setzt: ein stilles Meisterwerk.

Im Winter ein Jahr

Caroline Link hat nichts verlernt in sieben Jahren Regie-Pause. Sie versteht es, aus Schauspielern das Beste herauszuholen und wie bereits bei "Jenseits der Stille" oder "Nirgendwo in Afrika" ein ernstes Thema mit Gefühl aufzuladen, ohne dabei in Gefühlsduselei zu verfallen. Bei ihrem erwachsenen Melodram, der freien Adaption von Scott Campbells "Aftermath", geht es um Trauerarbeit - für die optische Umsetzung besonders reizvoll - über die Kunst.

Das bayerische Urgestein Josef Bierbichler spielt einen zurückgezogen auf dem Land lebenden Maler, umgeben von seinen realistisch-prägnanten Porträts in seinem Atelier (die tatsächlich von Florian Süssmayr stammen). Er erhält Besuch von Corinna Harfouch als Architektin, um ein Doppelporträt ihrer beiden erwachsenen Kinder anfertigen zu lassen. Doch nur ihre Tochter Lilli (Karoline Herfurth in ihrer wohl besten Performance) kann Modell stehen, weil der Sohn vor einigen Monaten gestorben ist. Er hat sich umgebracht, wie der Maler erst durch die widerspenstige Lilli erfährt. Mit diesem Todesfall, der sich im Winter, wenn das Porträt fertig sein soll, jährt, und den daraus resultierenden Schuldgefühlen hat sich die Familie nicht ernsthaft und nicht offen untereinander auseinandergesetzt. Vater (gewohnt gut: Hanns Zischler) und Mutter haben sich stattdessem in ihre berufliche Karrieren , Lilli in Partys und Affären gestürzt, etwa mit Misel Maticevic als Gegenkünstlertyp zu Bierbichlers Maler. Wie ihre Es-geht-mir-gut-Fassade zusammenbricht und echte Trauerarbeit einsetzt, beschreibt eindrücklich der nie larmoyante Film. Den Fokus legt Link dabei auf die Schilderung der Beziehung zwischen Lilli und dem Maler, ihre gegenseitige Faszination und langsame Annäherung. Im Zuge derer wird auch der Maler gezwungen, sich seinen persönlichen Problemen zu stellen. Die Schauspielerauswahl mag zuerst ungewöhnlich anmuten, funktioniert aber beeindruckend gut. Die Szenen nur mit den beiden sind der Höhepunkt des Films, Bierbichler nimmt sich zurück, Herfurth wächst über sich hinaus. Ihr verbaler Schlagabtausch ist perfekt getimt, witzig und ätzend, es gibt natürlich auch zärtliche Momente, etwa wenn sie Tangomusik hören und er von ihr Tanzen lernen will. Sie studiert Tanz, den sie schließlich auch als Ausdrucksmittel ihrer Gefühle für sich entdeckt. Nicht alle Nebenhandlungen können auf diesem hohen Niveau mithalten. Manche Gefühlsausbrüche, Entwicklungen mögen nicht frei von Klischees sein. Aber man nimmt dem Film und seiner Regisseurin stets die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit ab, mit dem das Thema behandelt wird. Mit Kamera-

frau Bella Halben findet Link anmutige, passende Bilder. Halben benutzt eher dunkle, warme Töne im Atelier, zeigt vereinzelt sogar verspielte Leichtigkeit - etwa, wenn sie beim Schwim-

men durch ein Gummitier filmt. Eine besonders schöne und hoffnungsvolle Anfangs- und Schlussbildsequenz ist der unbeschwerte Tanz bei Schneefall, am Anfang des Bruders, am Ende der Schwester. Niki Reisers Musik trägt das ihre dazu bei, den Zuschauer emotional zu packen, ohne ihn zu manipulieren. Durch das Thema Kunst und die ausgefeilten Dialoge entsteht genau das Quäntchen Künstlichkeit und eine gewisse Distanziertheit, um der Kitschfalle zu entgehen. hai.

Darsteller:  Karoline Herfurth   als Lilli Richter
  Josef Bierbichler   als Max Hollander
  Corinna Harfouch   als Eliane Richter
  Hanns Zischler   als Thomas Richter
  Cyril Sjöström   als Alexander Richter
  Jacob Matschenz   als Tobias Hollander
  Misel Maticevic   als Aldo
  Daniel Berini   als Tom
  Matthias Kupfer   als Georg
  Franz Dinda   als Johannes
  Karin Boyd   als Renee Waters
  Inka Friedrich   als Andrea
  Hansa Czypionka   als Stephan
 
Regie:  Caroline Link  
Buch:  Caroline Link  
Musik:  Niki Reiser  
Kamera:  Bella Halben  
Produzent:  Uschi Reich  
  Martin Moszkowicz  
 

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