
"Twilight" - zu deutsch Zwielicht, Dämmerung - ist der perfekte Titel für die klassische Detektiv- und Dreiecksgeschichte mit herausragender Besetzung, der drei Oscar-Preisträger angehören. Denn nicht nur sind die zwielichtigen Vergangenheiten der Protagonisten ein zentrales Thema, sondern auch die Frage nach Sterblichkeit und Sinn der Existenz am Lebensabend wird in unaufdringlicher Manier aufgeworfen - eine für Hollywood geradezu revolutionäre Thematik.
Der von der Hardboiled-Literatur eines Raymond Chandler inspirierte Plot um Leben und Sterben in L.A. wurde von Regisseur Robert Benton ("Kramer gegen Kramer") in Zusammenarbeit mit dem Autoren Richard Russo verfaßt, auf dessen Roman "Nobody's Fool" schon die letzte Benton/Newman-Kooperation basierte. Der mittlerweile 73jährige Newman ist superb als Philip-Marlowe-Figur im Rentenalter. Als Harry Ross - ein Ex-Cop, Ex-Privatdetektiv und Ex-Alkoholiker - verrichtet er für das befreundete Filmstar-Ehepaar Jack (Gene Hackman großartig als moderner König Lear) und Catherine Ames (Susan Sarandon verführerisch als reife Femme Fatale) kleine Jobs gegen Logis und Familienanschluß. Die traditionell strukturierte Kriminalgeschichte nimmt ihren Lauf, als der schwer krebserkrankte Jack Harry bittet, einen prallgefüllten Briefumschlag für ihn zu übergeben. Doch statt der erwarteten Empfängerin trifft Harry auf einen bleidurchsiebten, sterbenden Schnüffler, der ihn seinerseits mit einem Kugelhagel begrüßt. Die von Harry umgehend aufgenommene Spur deutet auf Erpressung und führt zurück in die Vergangenheit, als Catherines erster Mann angeblich Selbstmord beging.
Neben dem imposanten Dreigespann Newman, Hackman und Sarandon, die dem "nostalgischen und bittersüßen" (O-Ton Newman) Material mit ihrer ausgereiften Schauspielkunst Herz und Seele einhauchen, treten mit James "Rockford" Garner als Harrys altem Freund und Stockard Channing als Polizistin zwei weitere Veteranen an. Der Suspense des schön fotografierten Film noir mit ausgesucht eleganten Locations (u.a. ein unvollendeter Bau von Frank Lloyd Wright) wird nicht so sehr vom Krimi-Element, sondern den emotionalen Spannungen zwischen den Hauptdarstellern erzeugt. Diese Gefühlsströmungen sind sexueller, freundschaftlicher, rivalisierender und auch finanzieller Natur. Die Dialoge sprühen vor lakonischem Wortwitz alter Schule, ebenso wie Regisseur Benton bei seiner bedächtigen Inszenierung Wert auf ausgereifte Produktionswerte legt. Das Ergebnis ist ein Film wie ein sorgfältig restaurierter Oldtimer, der zwar keinen schnellen Thrill bietet, dafür aber stilvoll-nostalgisch mit einem Hauch Wehmut zu begeistern versteht. ara.