
Debütregisseur Dan Harris erzählt in diesem typischen US-Indie-Familiendrama im Stil, aber nicht ganz mit der Klasse von "Moonlight Mile", mit Hilfe eines hervorragenden Schauspielerensembles von der wahrhaftigen Bedeutung der Familie.
Harris hat zuvor mit Fantasy-Figuren und Comic-Helden Erfahrungen gemacht und die Drehbücher für "X-Men 2", "Superman", "Logan's Run" und "Fantastic Four" geschrieben. Jetzt inszenierte der 24-Jährige sein erstes Drama mit ganz normalen, sterblichen Menschen - überhaupt schreibt er "sterblich" in seiner Geschichte groß: Nach dem Selbstmord des ältesten Sohnes stirbt in der typischen dysfunktionalen Mittelklasse-Ami-Familie Travis jedes übrig gebliebene Mitglied mehr oder weniger seinen eigenen Tod. Das Sterben reicht von der völligen Selbstaufgabe und Distanzierung von allem Lebenden beim Vater (Jeff Daniels), über die Rückkehr in die eigene, nie wirklich ausgelebte Hippievergangenheit bei der Mutter (Sigourney Weaver), bis zum Verabschieden von der eigenen Kindheit beim jüngeren Sohn (Emile Hirsch). Dabei schleppt die Familie Travis ganz nebenbei noch ein bitteres Geheimnis mit sich herum, das bis dato nur die verfeindete Nachbarin teilt, und das Mutter Sigourney Weaver letztlich beinahe wirklich mit ins eigene Grab nimmt.
Aber - Harris ist versöhnlich und belässt es bei einem einzigen Todesfall in seinem melancholischen Drama, wenngleich er den sympathischen kleinen Film gen Ende mit reichlich Pathos und Sentimentalität überlastet und dafür auf schwarzen Humor verzichtet, der anfangs sitzt, aber nie so treffend und schockierend platziert ist wie bei seinem offensichtlichen Vorbild "Moonlight Mile". An den Schauspielern liegen die Schwächen von "Imaginary Heroes" jedenfalls nicht: Vor allem Sigourney Weaver glänzt in ihrer sarkastischen Mutterrolle wie seit "Der Eissturm" nicht mehr, Jeff Daniels zerbrochene Vaterfigur erlebt eine schier atemberaubende Wandlung, und Emile Hirsch sieht man immer gerne zu, wenngleich er als Rebell in "Dogtown Boys" weitaus stärker war als in seiner lethargischen Position hier. Merken sollte man sich Ryan Donowho, der Hirschs besten Freund spielt und ironischerweise der wohl selbstzerstörerischste, wenngleich lebendigste Charakter des Films ist. "Imaginary Heroes" ist letztlich genau die Sorte ordentlicher, intelligenter Filme, die man beim Filmfestival in Sundance erwartet - nicht mehr, aber auch nicht weniger. deg.