
Der erfahrene Kameramann Jan Fehse ("Tattoo") stellte in Hof sein Regiedebüt vor, in dem ein Ensemble mit der Suche nach Glück und Liebe eine Tragödie heraufbeschwört.
Im Kopf hatte Fehse und Koautor Christian Lyra die zeitgenössischen Dramen eines Fatih Akin ("Gegen die Wand") und Alejandro González Iñárritu ("21 Gramm"), in denen die Protagonisten einen Kampf mit dem Leben und dem Schicksal aufnehmen, der alles von ihnen abverlangt. Stilistisch allerdings nimmt sich das moderne Großstadtdrama (München ohne sonderlichen Wiedererkennungswert) enorm zurück und konzentriert sich auf die Geschichte, die von zwei parallel verlaufenden Beziehungen erzählt, die sich erst am Ende schicksalhaft kreuzen. Nichts Großspuriges also, sondern Skizzen von Alltagsmenschen, die ihren Sehnsüchten emotional nicht gewachsen sind.
Zwei unterschiedliche Personen - der Psychiatriefacharzt Dr. Frick (Sebastian Koch) und seine vordergründig wohlgeordnete Welt, sowie das exzessive, spontane Dasein der DJane Sarah (Mina Tander) - aber fast die gleiche Situation: Beide halten ihre Beziehung nicht mehr aus. Doch wo Sarah prompt ihrem schwer drogensüchtigen Freund, dem egozentrischen Partyveranstalter Christoph (Wotan Wilke Möhring) den verdienten Laufpass gibt, kann sich Frick nicht einfach von seiner mukoviszidosekranken, achtjährigen Tochter und der depressiven Gattin Anna (Barbara Auer) trennen. Auch nicht, als er die Galeristin Luisa (Jenny Schily) kennen lernt und zwischen Gefühl und Verantwortung verzweifelt. Sarah hingegen will mit dem arbeitslosen Fotografen Ben (Ronald Zehrfeld) neu anfangen, kann sich aber nicht vom schlechten Einfluss ihres skrupellosen Ex befreien.
Originell ist das zwar nicht ersonnen oder inszeniert, aber es soll auch mitten aus dem Leben stammen und handelt nicht von souveränen Menschen, die alles im Griff haben, sondern solchen, die sich mühsam vortasten und immer wieder dieselben Fehler begehen. Wenn sie die Unsicherheiten der eigenen Gefühlswelten auskosten und sie langsam erforschen, entstehen die stärksten Momente. Dank einer Kamera, die sich den Befindlichkeiten der Figuren stilistisch anpasst, gelingt es Fehse, tief in ihr jeweiliges Milieu einzutauchen. Die Ausschnitte aus diesen Biografien und die Übergänge in eine neue Beziehung korrespondieren mit winterlich-frostigen Stimmungslagen, bis sich die Handlung am Schluss zu einem Gemenge aus Trauer, Unglück, Schuld und Verlust verdichtet. Davor verfinstert sich der Film gehörig, weiß aber auch: das Leben geht weiter.
tk.