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Jakob, der Lügner

Als Starvehikel für Robin Williams konzipierte Neuverfilmung von Jurek Beckers Roman über einen Juden, der dem Ghetto mit erfundenen Geschichten Hoffnung spendet.


Jakob, der Lügner

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Erhältlich seit:
21.09.2000

Originaltitel: Jakob the Liar

Komödie/ Drama

USA 1999
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 12

Robin Williams
Alan Arkin
Bob Balaban

Regie: Peter Kassovitz
Sony Pictures Home Entertainment (SPHE)

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Jakob, der Lügner

Der Jude Jakob kämpft, eingesperrt im Ghetto, ums nackte Überleben. Da keimt eines Tages Hoffnung in ihm auf. Zufällig hört er im Radio eines Nazi-Schergen - Juden dürfen keine besitzen - die Nachricht von der vorrückenden Roten Armee. Unter dem Vorbehalt größter Verschwiegenheit erzählt Jakob die Neuigkeit seinem Freund Mischa; doch das hätte er besser nicht tun sollen. Denn ehe er sich's versieht, weiß es schon das ganze Ghetto - und nicht nur das: Man erzählt sich sogar, dass Jakob selbst ein Radio besitzt...

Peter Kassovitzs US-Neuverfilmung von Jurek Beckers gleichnamigem Roman, inszeniert als Star-Vehikel für einen überraschend zurückhaltend agierenden Robin Williams. Bewusst "theatralisch" adaptiert, sorgfältig darauf bedacht, der Vorlage gerecht zu werden, gelingt dem in Ungarn geborenen Regisseur ein überzeugendes Zeugnis tiefer Menschlichkeit, ein in sich geschlossenes Kunstwerk, das das Unfassbare nicht bagatellisiert und dennoch gut unterhält. Ein ebenso sehenswerter wie schwieriger Film für ein politisch interessiertes Publikum.

Jakob, der Lügner

Die Neuverfilmung von Jurek Beckers vor dreißig Jahren noch in Ostberlin erschienenem ersten Roman ist als Star-Vehikel für Robin Williams konzipiert. So bekommt der Relismus der Geschichte aus einem polnischen Ghetto im Jahre 1944 von vornherein ein Hollywood-Flair, das dem Thema den wirklich verstörenden Schrecken schuldig bleibt. Obwohl der Regisseur Peter Kassowitz, in Paris lebender ungarischer Jude, den Nazi-Terror als Kind in Budapest selbst erfahren hat und obwohl der Film, bei dem Williams ebenfalls Ausführender Produzent ist, in Polen und Ungarn sozusagen vor Ort gedreht worden ist.

Vom Leben in einer hoffnungslosen Zeit handelt "Jakob der Lügner" und von der Notwendigkeit der Hoffnung, die unter bestimmten Bedingungen wichtiger werden kann als eine warme Suppe. Jakob (Williams) war Kaffeehausbesitzer vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen. Jetzt ist er mit all den anderen Juden, die bisher noch vom Transport in die Gaskammer verschont geblieben sind, Bewohner des Ghettos in einem strikt durch die Gestapo geregelten Alltag. Hab und Gut wurden konfisziert, so daß den Menschen nur das nackte Überleben blieb, die von Tag zu Tag wachsende Perspektivlosigkeit. Niemand kann lange ohne Hoffnung leben. Und so hört Jakob eines Abends, als er sich wegen angeblicher Überschreitung der Sperrstunde in der Kommandantur melden soll, im Radio dort ein paar Nachrichtenfetzen, aus denen hervorgeht, daß die rote Armee nicht mehr weit ist. Äußerst fragwürdig ist allerdings, daß Jazzmusik aus dem Volksempfänger dröhnt, denn die stand unter den Nazis genauso auf dem Index wie die entartete Kunst. Sehr viel genauer verläuft diese Szene in der ersten Verfilmung von "Jakob der Lügner", in der Regie von Frank Beyer 1974 von der DEFA produziert und seinerzeit mit einer Oscar-Nominierung geadelt. Da ertönt klassische Musik aus dem Sender, die die folgende Propagandameldung vom erfolgreichen Angriff der deutschen Wehrmacht verbrämen soll, aber Jakob den wahren Sachverhalt der vorgerückten Russen natürlich klar erkennen läßt. Jakob hat Glück, der Gestapomann läßt ihn ungestraft ziehen. Um von den anderen Ghettobewohnern nicht als Spitzel der Gestapo angesehen zu werden, greift Jakob zu einer Lüge. Denn er will ihnen Hoffnung machen, schließlich könnte der Vormarsch der Russen das Ende der Ghettoleiden bedeuten. Er erzählt, er habe ein Radio versteckt - und bringt mit seinen auf immer wieder erneute Anfragen erfundenen "Nachrichten" eine Welle von Lebensmut in die Gemeinschaft, in der plötzlich die Selbstmordrate merklich sinkt. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Deutschen von dem geheimnisvollen Radio hören und ihre Jagd auf den Widerständler beginnt. Werden die sowjetischen Befreier schneller sein? Wird Jakob die Wahrheit sagen und so seinen Freunden die Hoffnung nehmen, die ihnen die Lüge gibt?

Es ist offensichtlich, daß diese Verfilmung, für die Kassovitz 1990 die Rechte von Jurek Becker erwarb, nun im Zuge von Benignis "Das Leben ist schön" und in gewissem Sinne auch "Schindlers Liste" in die Kinos kommt. 1997 gedreht, als Benignis Film in Italien bereits Triumphe feiert, gelingt Kassovitz trotz großartiger Besetzung auch in der Nebenrollen mit Alan Arkin, Bob Balaban, Armin Mueller-Stahl (er war schon in Beyers Film in einer anderen kleinen Rolle dabei) nicht der wahre Jakob. Robin Williams agiert von Anfang an mit einem Heiligenschein aus Popeye, Garp und Patch Adams und überstrahlt den kunstvoll schmuddelig gehaltenen Ghetto-Set allzu charismatisch. Der Film funktioniert nach glatter Kinodramaturgie, wie Hollywood-Szenen aus dem Holocaust, ohne die leiseste Doppelbödigkeit. "Die Geschichte von Jakob dem Lügner hat sich niemals ganz zugetragen. Ganz bestimmt nicht. Vielleicht hat sie sich aber doch so zugetragen" - heißt es zu Beginn von Frank Beyers Film. Kassovitz' Film kennt kein Vielleicht, er ist kein Balanceakt des Unvorstellbaren, sondern die Eindeutigkeit des Gezeigten. Augenblicke des Schrecken, die vorbeigehen. fh.

Darsteller:  Robin Williams   als Jakob Heym
  Alan Arkin   als Frankfurter
  Bob Balaban   als Kowalsky
  Hannah Taylor-Gordon   als Lina
  Michael Jeter   als Avron
  Armin Mueller-Stahl   als Kirschbaum
  Liev Schreiber   als Mischa
  Nina Siemaszko   als Rosa
  Mathieu Kassovitz   als Herschel
  Justus von Dohnányi   als Preuss
  Mark Margolis   als Fajngold
  Gregg Bello   als Blumenthal
 
Regie:  Peter Kassovitz  
Buch:  Mathieu Kassovitz  
  Didier Decoin  
Musik:  Edward Shearmur  
Kamera:  Elemér Ragályi  
Produzent:  Marsha Garces Williams  
  Steven Haft  

Robin Williams' dunkle Seite

Robin Williams ("König der Fischer") ist ein ausgezeichneter Filmdarsteller und ein exzellenter Standup-Komiker. Doch vor allem war er in den vergangenen Jahren immer wieder der gute Mensch vom Dienst.

War stets der gute Mensch: Robin Williams in "Jakob, der Lügner"

War stets der gute Mensch: Robin Williams in "Jakob, der Lügner"

In Filmen wie "Jakob, der Lügner", "Patch Adams", "Good Will Hunting" oder "Ein Vater zuviel" konnte man darauf wetten, dass Williams in seinen Rollen Verständnis für alle und jeden entwickelte und irgendwann ungeheuer auf die Trändendrüsen drückte.

Damit soll es nun (vorerst) ein Ende haben. Der inzwischen 49jährige Schauspieler möchte in düsteren Rollen bekannt werden, in die er die dunkleren Seiten der Menschen einbringen will. "Ich wollte meine Reichweite als Darsteller ausdehnen, damit ich andersartige Drehbücher angeboten bekomme, nicht die von der Sorte - Heh, das ist genau dieser nette, süße Typ", sagt Williams.

Und daher sehen wir ihn demnächst in drei neuen Filmen: In der schwarzen Komödie "Death to Smoochy" (Regie: Danny DeVito) spielt er den debilen Host einer TV-Show für Kinder. In dem Action-Thriller "Insomnia" (Regie: Christopher Nolan) ist er ein Serienmörder. Und in dem Thriller "One Hour Photo" (Regie: Mark Romanek) verkörpert er einen verstörten Einzelgänger.

Dazu geht Williams zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder auf eine Bühnen-Tour. Laut Williams gibt es da eine Stunde und 45 Minuten Lustiges und weniger Lustiges zu sehen und zu hören. "Es geht um all die Dinge, die seit dem 11. September geschehen sind - Sicherheitskontrollen, Reaktionen auf den Krieg in Afghanistan, eben alles", so der Komiker. "Nichts ist tabu." Auch Präsident Bush nicht. "Wenn der Präsident Stevie Wonder einen Gruß zuwinkt, dann muss man darüber reden", meint Williams.

Die Ereignisse in New York waren für Williams der Auslöser, wieder auf die Bühnen zu gehen. "Meine Karriere begann als Komiker auf kleinen Bühnen in New Yorks Village, und ich habe mich entschlossen, wieder loszuziehen und es einfach zu machen."

Foto: Columbia

 

Jakob, der Lügner in der Fotoshow

 

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Robin Williams

Einer der populärsten internationalen Darsteller, dem es gelungen ist, sein außergewöhnliches komödiantisches Talent mit dramatischer Tiefe...

 

Star

Alan Arkin

Seine jüdische Chuzpe, das oft bewusst dümmlich verstellte Gesicht, die Ader begnadeter Schlitzohren sowie sein leicht verzögerter...