DVD Leihvideo

Jarhead - Willkommen im Dreck

Kriegsfilm von Sam Mendes nach den Memoiren von Anthony Swofford über den Werdegang eines amerikanischen Marines.


Jarhead - Willkommen im Dreck

Leihvideo

Erhältlich seit:
04.05.2006

Originaltitel: Jarhead

Drama/ Komödie

USA 2005
Laufzeit: 117 Min.
FSK: ab 12

Jake Gyllenhaal
Peter Sarsgaard
Lucas Black

Regie: Sam Mendes
Universal Pictures Germany

Videoplayer wird geladen ...

Filmbewertung


(1 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Sam Mendes' Kriegsfilm zeichnet ein Sittenbild der US-Armee im Golfkrieg. Statt Heldentum gibt es Langeweile und GIs mit Pornoheften und Nikolausmützen.

Voller Elan erreichen die Marines ihren Einsatzort (Foto: UIP) Großansicht

Voller Elan erreichen die Marines ihren Einsatzort (Foto: UIP)

Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Im Golfkrieg 1991 wurde der Spontispruch beinah auf bizarre Weise wahr: US-Kampfjets bombten die irakischen Truppen in Grund und Boden, die amerikanischen Truppen brauchten kaum einzugreifen. Seine Erinnerungen an diesen absurden Einsatz hielt Marineinfanterist Anthony Swofford in dem Bestseller "Jarhead" fest, Oscar-Regisseur Sam Mendes ("American Beauty") verwandelte jetzt diesen Schwebezustand zwischen tödlicher Langeweile und Todesgefahr in einen packenden Film.

Zunächst knüpfen er und Drehbuchautor William Broyles jr. an die Tradition von Genreklassikern wie "Full Metal Jacket" an: Junge Männer werden wie gewohnt von biestigen Ausbildern zu braven Soldaten zurechtgeschliffen. Aber danach sehen sie sich einem Feind gegenüber, gegen den kein Training hilft: dem Warten.

Wüste Weihnachten: Santa Claus is kicking your ass (Foto: UIP) Großansicht

Wüste Weihnachten: Santa Claus is kicking your ass (Foto: UIP)

Gefährliche Langeweile

In Kuwait sollen die Möchtegernkiller gegen Saddam Husseins Invasionsheer antreten. Aber vorher gibt es andere Herausforderungen zu bewältigen: Footballspiele in Wüstenhitze in voller Montur, die böse Post von den zu Hause gelassenen Damen, die mit Videos ihren Seitensprung dokumentieren, und nicht zuletzt eine durchgeknallte Weihnachtsparty, die sich für die Beteiligten gefährlicher erweist als der gesamte Krieg. Immerhin wissen diese Kämpfer, wo sie den wahren Adrenalinschub finden: bei Videovorführungen von "Apocalypse Now". Größere Kicks gibt's nur noch beim Onanieren.

Der Krieg selbst ist vorbei, ehe er angefangen hat. "Ich kam nicht mal dazu, mein Gewehr abzufeuern", klagt Held Swofford. Aber Regisseur Mendes beweist, dass ein Kriegsfilm nicht unbedingt große Explosionen braucht.

Bilder und Videos vertreiben den Marines die Zeit (Foto: UIP) Großansicht

Bilder und Videos vertreiben den Marines die Zeit (Foto: UIP)

Hollywood mit Charakter

Sein Sittengemälde der Jarheads - ein Slangword für US-Marines - erreicht in einigen Momenten den schwarzen Humor eines "M.A.S.H.". Dank der ständig bewegten Handkamera von Roger Deakins entwickelt sich eine sogartige Dynamik wie in den besten Actionkriegsfilmen, und die Charaktere sind nicht zuletzt deshalb von einer rauen Glaubwürdigkeit, weil Mendes einige der besten Charakterdarsteller Hollywoods engagierte:

Oscar-Preisträger Jamie Foxx ("Ray") gibt dem Klischeebild des knallharten Sergeant ein menschliches Gesicht, Peter Sarsgaard ("Flight Plan") ist ideal besetzt als cooler Scharfschützenscout mit dunklen Geheimnissen, und Jake Gyllenhaal beweist in der Rolle des passiv kommentierenden Swofford, warum er derzeit zu den gefragtesten Jungstars der Branche gehört.

Jetzt, da das Heldenimage der US-Armee wieder einmal zerbröckelt ist, empfiehlt sich der Blick auf die harte, tragikomische Realität. "Jarhead" ist der Film, der sie zeigt.

Jarhead - Willkommen im Dreck

Ein Kriegsfilm auf der Suche nach einem Krieg: "American Beauty"- und "Road to Perdition"-Regisseur Sam Mendes nahm in seiner dritten Regiearbeit ein ambivalentes Drama in Angriff, in dem der hervorragende Jake Gyllenhaal als Marine im ersten Golfkrieg an die Leinwandfront geschickt wird. Er beklagt sich gegen Ende des Films, im Krieg "keine Action gesehen zu haben" - ein ähnlich nagend unerfülltes Gefühl könnte trotz hypnotischer Szenen das Fazit eines so manches Zuschauers sein.

Das Drehbuch von William Broyles basiert auf den Militärmemoiren von Anthony Swofford, in dem nach klassischer Struktur der Werdegang des Protagonisten vom naiven Zivilisten zum desillusionierten Soldaten geschildert wird. Hauptdarsteller Gyllenhaal (emotional nuanciert wie im Kulthit "Donnie Darko") als Swoff fungiert auch als Erzähler des Films, der mit seinen lakonischen Kommentaren die zunehmend absurden Situationen in ein persönlich-authentisches Licht rückt. Er bewirbt sich 1989 beim Marine Corps, um die Familientradition fort zu führen und weil ihm nichts Besseres eingefallen ist. Die Sequenzen im Ausbildungslager inklusive systematischer Misshandlung und einem unerträglichen Drillsergeanten erinnern gezielt an Stanley Kubricks "Full Metal Jacket": "Jarhead" (ein Ausdruck, den Marines für sich selbst benutzen: ein leeres Gefäß, das nach Belieben gefüllt werden kann) ist ein Kriegsfilm, in dem es in erster Linie über Kriegserfahrungen aus zweiter Hand geht. Nach der Grundausbildung zum Scharfschützen wird Swoffs Trupp unter der Führung von Staff-Sergeant Sykes (Jamie Foxx als Vollblutmilitarist) in den Nahen Osten geschickt, wo er kuwaitische Ölfelder schützen soll. Ab diesem Zeitpunkt sind die gespenstischen Bilder des Kamera-Virtuosen Roger Deakins wie von zuviel Wüstensonne ausgeblichen-ausgedörrt. Auch die Handlung ähnelt über längere Strecken einem Treck durch die Wüste, da nun ausführlich die monatelange Routine der Soldaten vor dem eigentlichen Krieg, der niemals kommt, dargelegt wird. Ihr Zusammenleben in klaustrophobischen Zeltbaracken verbringen sie mit machohaften Rumalbern, Diskussionen über untreue Freundinnen und Frauen, Footballspielen in der Wüste, Masturbation und viel untätigem Rumsitzen. Die Langeweile führt zu Frustration und Aggression, die sich erstmals entlädt, als sich die Marines bei einer "Apocalypse Now"-Vorführung freudig-ekstatisch in Kriegsstimmung versetzen. Doch ihre enthusiastische Blutlust bekommt einen Dämpfer, als sie erkennen müssen, dass die Infanterie durch den Einsatz der präzisionsgenau Bomben werfenden Luftwaffe weitgehend überflüssig gemacht worden ist. So sind sie in die Rolle passiver Zuschauer gedrängt, die die Destruktion nur anhand ausgebrannter Fahrzeuge und verkohlter Leichen observieren, jedoch selbst nicht an der Action teilnehmen dürfen. Die faszinierendsten Aufnahmen (jetzt visuell voll glühender Lebendigkeit) verfügen über einen surrealen Anstrich und bestehen aus den brennenden Ölfeldern, dem Erscheinen eines ölbesudelten Hengstes und der kathartischen Party zum Kriegsende. Sarkastisch von den wummernden Klängen von Public Enemys "Fight The Power" unterlegt, tanzen die metaphorisch bislang impotenten Soldaten einen primitiven Freudentanz um ein Feuer und entladen all ihren psychologischen Druck, indem sie orgiastisch ihre Maschinengewehre in die Luft feuern. Ein immer interessanter, bisweilen messerscharfer Zeitkommentar aus persönlicher Perspektive, der sich in Bild und Ton vor den Giganten des Genres verneigt, dabei aber auch ganz anders ist. Nicht von ungefähr sagt der Protagonist in der abschließenden Szene des Films: "Jeder Krieg ist anders. Und jeder Krieg ist gleich." ara.

Darsteller:  Jake Gyllenhaal   als Anthony Swofford
  Peter Sarsgaard   als Allen Troy
  Lucas Black   als Chris Kruger
  Jamie Foxx   als Staff Sergeant Sykes
  Chris Cooper   als Lieutenant Colonel Kazinski
  Scott MacDonald   als D.I. Fitch
  Tyler Sedustine   als Harris
  Jacob Vargas   als Cortez
  Laz Alonso   als Escobar
  Iván Fenyö   als Pinko
  Brian Geraghty   als Fergus
  Jocko Sims   als Julius
  Brianne Davis   als Kristina
  Dennis Haysbert   als Major Lincoln
  Evan Jones   als Fowler
  Peter Gail   als Doc John
  Kareem Grimes  
  Jamie Martz   als Foster
  Sam Rockwell  
  Rini Bell   als Rini
 
Regie:  Sam Mendes  
Buch:  William Broyles jr.  
Musik:  Thomas Newman  
Kamera:  Roger Deakins  
Produzent:  Douglas Wick  
  Lucy Fisher  
 

Jarhead - Willkommen im Dreck in der Fotoshow

 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Weitere Videos

Hoch Runter
 

Star

Jake Gyllenhaal

Vom Arthouse-Mimen zum Action-Star: Jake Gyllenhaal erlebte zu Beginn seiner Karriere die Reifeprüfungen, mit denen Dustin Hoffman, sein...

 

Star

Peter Sarsgaard

Amerikanischer Schauspieler. Er gehört zu den jungen Talenten Hollywoods, die mit tiefgründigen Charakteranalysen in tragenden...