
Die schicksalhafte Begegnung dreier Menschen in einer gottverlassenen Gegend und die Gier nach Geld, die Liebe und Leidenschaft leitet, führt bei Christian Petzold zur Katastrophe.
"Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat." Nina Hoss als Laura sagt diese Ungeheuerlichkeit mit leiser, aber fester Stimme. Ihr Mann, der türkische Unternehmer Ali ist durch Imbissstuben, deren Besitzer er beinhart abkassiert, reich geworden. Sie führen eine Ehe ohne große Gefühle mit Routinesex, basierend auf einer Schuldenübernahme. In dieses fragile Verhältnis bricht Thomas, ein in Afghanistan stationierter Ex-Soldat, der unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Er ist ein schweigsamer Typ, der Ali bei einer Polizeikontrolle aus der Patsche hilft und als Fahrer bei ihm einspringt.
Die Ausgangssituation zwei Männer und eine Frau ist vom ersten Moment an Unheil geschwängert. Plötzlich will Laura mehr vom Leben, sie spürt einen Hunger nach Freiheit, die sie in den Armen des muskulösen Fremden sucht. Dieser Freiheit steht nur ihr Mann im Weg, glaubt sie jedenfalls.
Die Liebe, das Geld und der Tod. Christian Petzold erzählt in dieser unterschwellig spannenden Dreierkonstellation mit Benno Fürmann und Hilmi Sözer eine Liebesgeschichte ohne Hoffnung angesiedelt in einer verlassenen Gegend an der Prignitz ohne Zukunft und ohne Arbeit. Und das färbt auf die Menschen ab. Der Exponent der Berliner Schule orientiert sich an dem Neorealismus-Klassiker "Ossessione", der schon mehrfach verfilmt wurde, am besten mit "Wenn der Postmann zweimal klingelt". Er liefert kein billiges Remake, sondern geht der Frage nach, wie wird in einer Gesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, gelebt und geliebt, führt uns in ein fremdes Land mit wortkargen Männern, "Heimat-Builder" wie Petzold sie nennt. Sie wollen in ihrer Unsicherheit Sicherheit und meinen damit ein Haus und eine Frau, etwas, was ihnen gehört. Wenn dieses vorgegebene Schema nicht funktioniert, explodiert die Gewalt. So rastet der Ehemann aus Eifersucht aus, planen die Liebenden dessen Beseitigung. In diesem subtil arrangierten Kammerspiel über verlorene Träume und unerfüllte Sehnsucht zählen die kleinen Gesten der versteckten Begierde und heimliche, manchmal fast scheue Berührungen, nicht die stürmische Kopulation während der Gatte seinen Rausch ausschläft, sondern kühles Kalkül, das am Ende nicht aufgeht und alle in die Tragödie reißt. Nina Hoss ist nicht die engelgleiche Schöne, sondern die Frau mit proletarischem Touch, aber wie in den vorherigen Petzold-Filmen ("Yella", "Wolfsburg", "Toter Mann") zutiefst in der Seele versehrt. Vom Befreiungsschlag bleibt nur Schuld. mk.