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Jud Süß - Film ohne Gewissen

Verfilmung der Entstehungsgeschichte des berüchtigten NS-Propagandafilms "Jud Süß", an dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian zerbrach.


Jud Süß - Film ohne Gewissen

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Erhältlich seit:
14.04.2011

Drama/ Biographie

Österreich/Deutschland 2010
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 12

Tobias Moretti
Martina Gedeck
Moritz Bleibtreu

Regie: Oskar Roehler
Concorde Home Entertainment

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Jud Süß - Film ohne Gewissen

Mehr schlecht als recht schlägt sichder gebürtige Wiener Ferdinand Marian im Jahr 1939 als Schauspieler durchs Leben. Seine Chance kommt, als ihm die Hauptrolle in einer Verfilmung von "Jud Süß" angeboten wird, auch wenn er aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts zunächst zögert. Propagandaminister Goebbels lässt keinen Zweifel daran, dass Marian den Part spielen muss. Marian glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben: Seine Frau ist Jüdin. Doch das Spiel mit dem Feuer bleibt nicht ohne Folgen.

Veit Harlans "Jud Süß" aus dem Jahr 1940 gilt als Inbegriff des antisemitischen NS-Propagandafilms. Lose basierend auf dem Tatsachenroman "Ich war Jud Süß", erzählt Oskar Roehler die Entstehungsgeschichte des Films, findet Zugang zu dem komplizierten Stoff durch das individuelle Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian (1902-1946), der den Joseph Süß Oppenheimer spielte. Tobias Moretti läuft zu großer Form auf in der fordernden Hauptrolle. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu beeindruckend Propagandaminister Goebbels.

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Oskar Roehler erzählt von der Entstehung und Wirkung des Nazi-Propagandafilms "Jud Süß" als Melodram, Satire und schillernde Variation über Künstler als Marionetten.

Der nur mit Erlaubnis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für öffentliche Aufführungen zugelassene "Jud Süß" (1940) gehört zu den Filmen, die den vom Nazi-Regime gewünschten Rassenhass nicht plump propagierten, sondern die Mordhetze gegen das Judentum in die Geschichte um den geldgierigen und sexuell ausschweifenden Finanzrat Joseph Süß Oppenheimer in die Form des Melodrams kleideten, das vorhandene antisemitische Ressentiments weckten. Veit Harlan ("Kolberg", "Immensee") war der von Propagandaminister Joseph Goebbels gewählte und prädestinierte Regisseur, der wirkungsmächtig mit dem Genre umzugehen wusste. "Jud Süß" sahen 20 Millionen im Kino.

Oskar Roehler ("Elementarteilchen") erzählt die Geschichte von Entstehung und Wirkung von "Jud Süß" aus der Perspektive des Schauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti), der sich dem Wunsch von Goebbels (Moritz Bleibtreu) zu entziehen versucht, um doch als des Teufels Schauspieler unter Harlan (schön zwielichtig: Justus von Dohnányi) den Titelhelden zu spielen, der auf fatale Weise Filmgeschichte schrieb. In der politischen Satire brilliert Bleibtreu, der die Aussprache des Ministers bravourös hinkriegt, als hinkender Mephisto, der mit Wonne manipuliert, überwacht, Fallen stellt, den Film dominiert und Goebbels-Interpreten wie Ulrich Matthes ("Der Untergang") vergessen lässt. Moretti setzt dem die stille Verzweiflung der Marionette entgegen, die den Fäden, die das eh angeknackste Privatleben des Alkoholikers mit Ehefrau Anna (Martina Gedeck) zerstören, nicht entkommt, mit "Jud Süß" identifiziert wird und tragisch endet.

Das Melodramatische des Stoffes um manipulierte Schauspieler, die Istvan Szabó in "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer als dramatischen Pakt mit dem Teufel inszenierte, hat es schwerer, aber ästhetisch kommt Roehler Harlans Originalfilm, dessen zentrale Szenen er geschickt nachstellt, recht nah. Er fährt in Sex-Szenen mit Gedeck und Gudrun Landgrebe derbe Geschosse auf, und lässt in der Parallelhandlung mit dem jüdischen Schauspieler Wilhelm Adolf Deutscher (Heribert Sasse), der das KZ überlebt, Ambivalenzen zu. Das Drehbuch von Klaus Richter arbeitet mit historischen Änderungen, etwa in Namensgebung und Marians weiterer Karriere. So profitiert Roehlers schillerndes Nazi-Spektakel vom Tarantino-Effekt eines deutschen "Basterd" und legitimer künstlerischer Freiheit. ger.

Jud Süß - Film ohne Gewissen

JUD SÜSS - FILM OHNE GEWISSEN erzählt die Geschichte des "Jud Süß"- Hauptdarstellers Ferdinand Marian, der im Dritten Reich in die Mühlen der Manipulation von Joseph Goebbels gerät. Oskar Roehler hat für seinen Film eine Traumbesetzung deutscher und österreichischer Schauspieler versammelt, allen voran Tobias Moretti (Ferdinand Marian), Martina Gedeck (Anna Marian), Moritz Bleibtreu (Joseph Goebbels) und Justus von Dohnányi (Veit Harlan).

Goebbels will 1940 unter der Regie von Veit Harlan mit dem Film "Jud Süß" den Vernichtungsfeldzug gegen die Juden untermauern. Und Marian - erfolgsgetrieben und naiv - lässt sich auf ein Spiel ein, das viel zu groß für ihn ist, und von dem er nicht ahnt, dass es ihm bald schon zum Verhängnis werden wird. Viel zu spät begreift er, in was er hineingeraten ist - nämlich in ein Vehikel des Holocaust, das sein Gesicht trägt. SS-Soldaten, die später in Polen an Massenerschießungen von Juden beteiligt waren, bekamen den Film verordnet - Millionen Deutsche sahen ihn sich freiwillig im Kino an, über 20 Millionen in Europa. Marians Schicksal ist ein Drama von Aufstieg und Fall - eines Menschen und eines mörderischen Systems.

Quelle: Concorde

Darsteller:  Tobias Moretti   als Ferdinand Marian
  Martina Gedeck   als Anna Marian
  Moritz Bleibtreu   als Joseph Goebbels
  Justus von Dohnányi   als Veit Harlan
  Armin Rohde   als Heinrich George
  Martin Feifel   als Knauf
  Ralf Bauer   als Fritz Hippler
  Robert Stadlober   als Lutz
  Paula Kalenberg   als Kristina Söderbaum
  Milan Peschel   als Werner Krauss
  August Zirner   als Erich Engel
  Heribert Sasse   als Deutscher
  Erika Marozsán   als Vlasta
  Anna Unterberger   als Britta
  Martin Butzke   als Malte Jäger
  Lena Reichmuth   als Magda Goebbels
  Gudrun Landgrebe   als Frau Frowein
 
Regie:  Oskar Roehler  
Buch:  Klaus Richter  
Musik:  Martin Todsharow  
Kamera:  Carl-Friedrich Koschnick  
Produzent:  Franz Novotny  
  Markus Zimmer  
 

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