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Just a Kiss

Sozialkritische Liebesgeschichte von Ken Loach um religiöse Konflikte und Intoleranz, eine katholische Musiklehrerin und einen pakistanischen DJ in Glasgow.


Just a Kiss

Leihvideo

Erhältlich seit:
21.06.2005

Originaltitel: Ae Fond Kiss

Drama

Großbritannien/Italien/Deutschland/Spanien/Belgien 2004
Laufzeit: 100 Min.
FSK: ab 6

Atta Yaqub
Eva Birthistle
Shamshad Akhatar

Regie: Ken Loach
Legend Home Entertainment

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Sozialkritische Liebesgeschichte von Ken Loach um religiöse Konflikte und Intoleranz, eine katholische Musiklehrerin und einen pakistanischen DJ in Glasgow.

Musiklehrerin trifft DJ (Foto: Neue Visionen) Großansicht

Musiklehrerin trifft DJ (Foto: Neue Visionen)

Funken sprühen und Fetzen fliegen in Glasgows Süden, als sich der Pakistani Casim (Atta Yaqub), DJ in den besten Clubs, in die katholische Musiklehrerin Roisin (Eva Birthistle) verliebt. Casims Eltern sind streng gläubige Muslime, die bereits die Heirat mit seiner Cousine geplant haben. Ein Skandal droht - und Casims Familie setzt alles daran, diesen zu umgehen.

Nach "My Name Is Joe" und "Sweet Sixteen" siedelte Ken Loach seine Story erneut in Glasgow an, widmete sich in diesem Fall jedoch augenscheinlich weniger existenziellen Problemen als Arbeitslosigkeit und Drogen: nämlich einer von religiösen Vorurteilen und Intoleranz verhinderten Liebe.

Der Ärger ist vorprogrammiert (Foto: Neue Visionen) Großansicht

Der Ärger ist vorprogrammiert (Foto: Neue Visionen)

Anders als sonst

Zugleich erscheint sein Film zwischen Romanze und Sozialdrama weniger dringlich und eindringlich als die Vorgänger. Das mag an seinem männlichen Hauptdarsteller Atta Yaqubin in seiner ersten Rolle liegen, oder auch an dem erhobenen Zeigefinger des oft etwas konstruiert wirkenden Drehbuchs von Paul Laverty.

Just a Kiss

Aus der Zusammenarbeit zwischen Regisseur Ken Loach und Drehbuchautor Paul Laverty entstand nach "My Name is Joe" und "Sweet Sixteen" erneut eine wunderbare Geschichte über das Leben in Glasgow. Die Beziehung zwischen einer irischen Musiklehrerin und einem pakistanischstämmigen DJ zerbricht fast an Vorurteilen und Fundamentalismus von Christen und Moslems. Wie die Liebenden sich gegen alle Betonköpfe behaupten, wird zu einer erfrischend unprätentiösen und dennoch rührenden Love-Story mit gesellschaftlichem Hintergrund.

Der Originaltitel lautet "Ae Fond Kiss" und bezieht sich auf ein Lied von Robert Burns, dessen Werke die junge Lehrerin Roisin in der katholischen Messe nicht singen lassen darf, weil der Nationaldichter wegen seines Lebenswandels im 18. Jahrhundert als schlechtes Vorbild gilt. Doch es kommt noch dicker. Als sie den Bangra-DJ Casim Khan trifft, Migrantensohn in zweiter Generation, sprühen die Funken, naiv genießen sie die erste Verliebtheit. Doch der junge Mann steht wenige Wochen vor der arrangierten Hochzeit mit einer ihm unbekannten Cousine und weiß nicht, wie er seinen Eltern die neue Situation erklären soll. Während die im Garten eifrig Erdreich planieren, um dem zukünftigen Paar im schnuckeligen Anbau ein Nest samt Kinderzimmer zu bieten, versucht Casim den Spagat zwischen Liebe und Familienloyalität. Er schafft es nicht, den streng gläubigen Eltern die Wahrheit zu sagen. Dass er mit einer weißen "Goree" zusammenleben will, würden sie nicht verkraften. Aber Intoleranz gibt es auch auf der anderen Seite. Roisin verliert ihren Job als Musiklehrerin in der katholischen Schule, weil der Pfarrer ihr das notwendige "Unbedenklichkeitszeugnis" zur Festanstellung verweigert, er akzeptiert keine geschiedene Frau, und schon mal gar keine, die mit einem Nicht-Katholiken in "wilder Ehe" Bett und Tisch teilt. Die Entscheidung Casims für Roisin am Ende bedeutet keine Lizenz zum Glücklichsein, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer.

"Just a Kiss" gehört zu den hinreißendsten und zärtlichsten Liebesfilmen dieses Jahres mit einer für Ken Loach ungewohnten Sinnlichkeit. Da geht uns das Herz auf, wenn die beiden gegen den Rest der Welt an ihren Gefühlen festhalten. In seiner Leichtigkeit erinnert das Meisterwerk an "East is East" und "Kick it like Backham", geht aber einen Schritt weiter, zeigt den Konflikt der Kulturen in verschiedenen Facetten. So lebt ein Freund Casims schon seit Jahren heimlich mit seiner weißen Freundin zusammen, die Hochzeit von Casims älterer Schwester wird aufgrund der "Schande" von der Familie ihres zukünftigen Bräutigams abgesagt, während die jüngere die Gelegenheit beim Schopfe packt und sich vom Elternhaus abnabelt. Eindringlich vermittelt der zu seinen Protagonisten überaus zärtliche Film wie Moslems und Katholiken sich weigern, Brücken zu schlagen und Vorurteile abzubauen. Loach, der mit "My Name is Joe", "Sweet Sixteen" und "Just a Kiss" keine zusammenhängende Trilogie drehen wollte, sondern drei "repräsentative Filme über das Leben im Westen Schottlands", verharrt nicht einen Moment beim politischen Botschaftskino, sondern erzählt heiter von der Mühsal mit Tradition, Religion und Familie. Und von einer ganz großen und zarten Liebe, die sich beweisen muss. mk.

Darsteller:  Atta Yaqub   als Casim Khan
  Eva Birthistle   als Roisin Hanlon
  Shamshad Akhatar   als Sadia Khan
  Ghizala Avan   als Rukhsana Khan
  Shabana Bhaksh   als Tahara Khan
  Pasha Bocarie   als Amar
  Gerard Kelly   als Priester
  Ahmad Riaz   als Tariq Khan
  John Yule   als Direktor
  Gary Lewis   als Danny
  David McKay   als Wee Roddie
  Raymond Mearns   als Big Roddie
 
Regie:  Ken Loach  
Buch:  Paul Laverty  
Musik:  George Fenton  
Kamera:  Barry Ackroyd  
Produzent:  Rebecca O'Brien  
 

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