
Dominik Graf kehrt von DV auf 16 mm zurück und bringt seine lose Trilogie mit Filmen über starke Frauencharaktere zum Abschluss (nach "Bittere Unschuld" und "Deine besten Jahre"). Mit "Kalter Frühling" gelingt ihm eine packende Sozialstudie, die den Abstieg einer Tochter aus gutem Hause und ihre erfolgreiche Rückkehr ins Elternhaus schildert.
Getragen wird der Film vor allem von Hauptdarstellerin Jessica Schwarz, die hier die bislang reifste schauspielerische Leistung ihrer Laufbahn abliefert. Obwohl sie innerhalb von 90 Minuten durch eine stattliche Ansammlung von Untiefen des Lebens geschickt wird, wirkt der Film nie gekünstelt oder unglaubwürdig. Graf fängt das Geschehen in kargen, aber wirkungsvollen Bildern ein und setzt den Schauplatz Köln mit seinen unterschiedlichen Facetten in Szene. Das Darsteller-Ensemble überzeugt insgesamt. Friedrich von Thun und Angela Roy (mit bemerkenswerter Ähnlichkeit zu ihrer Filmtochter Schwarz) spielen das Elternpaar, dessen heile Ehewelt nur noch ein Schein ist, mit bemerkenswerter Authentizität. Auch Matthias Schweighöfer, der bereits in Grafs "Die Freunde der Freunde" eine tragende Rolle spielte, setzt Akzente als freundlicher, aber cracksüchtiger Weggefährte Ben. Durch seinen Selbstmord wird er zur zentralen Figur des offenen Endes, das "Kalter Frühling" auf drastische Weise vom zuvor eingeschlagenen Weg zum Happy End abbringt. Ein angemessener Abschluss für einen wirklich beeindruckenden Film. (jl).