
Ein interessantes Film-Experiment mit Doku-Charakter über Liebe, Lebenslügen und Verrat. Schauspieler Jürgen Vogel ist auch als Sänger der "Hansen-Band" einfach top.
In größtenteils improvisierten Szenen und spontanen Dialogen entstand dieses Drama, in dem ein junger Mann einen Film über die Tournee seinen Bruders und dessen Band Hansen drehen will. Eine schon beendete Affäre zwischen seiner Freundin und dem Musiker stört das Verhältnis zwischen den Geschwistern. Im Verlauf der chaotischen Dreharbeiten bricht der schwelende Konflikt aus, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen und heißen Diskussonen über Liebe, Treue und Betrug. Existenzielle Fragen werden nicht einfach abgehandelt, sondern mit Herzblut und bis zur Selbstzerstörung debattiert. Lars Kraume und Jürgen Vogel, der sich als Produzent "mit allem Drum und Dran" beteiligte, entwickelten das Projekt, inklusive der Gründung einer Band mit Mitgliedern der deutschen Bands TOMTE und KETTCAR. Vogel mimt den coolen Typen, der Gefühle nicht zulässt und seine verletzte Seele hinter Ruppigkeit versteckt. Er tritt sogar ganz passabel als Leadsänger auf, und tourte mit großer Resonanz durchs Land (zum Filmstar gibt's die CD). Die Schauspieler kannten nur den groben Rahmen der Story (Kraume hatte für den Notfall ein Drehbuch in petto) gemeinsam entwarfen die Protagonisten ihre Figuren, handelten und sprachen, was sie sich situativ vorstellten. Ein Risiko, das Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas bewusst auf sich nahmen. Sie wirken echt, hören auf ihre eigenen Wahrheiten. Auch wenn man sich an die bewegte Kamera, manchmal losen Gesprächsfragmente und neue Narrationsform gewöhnen muss - die in nur vier Wochen Geschichte übt Sogwirkung aus, trotz langer Busfahrten, Herumsitzen in verrauchten Backstage-Räumen, Übernachtungen in Billighotels und einem etwas herausgezogenes Ende. Knapp 100 spannende und emotionale Minuten sind das Ergebnis von 150 Stunden Material. Mit "Keine Lieder über Liebe" haben alle Beteiligten etwas gewagt und gewonnen. Auch der deutsche Film, der hier Innovationskraft beweist. mk.