
Einer, der 2006 auch ein rundes Jubiläum feiert, ist der Drogenwarnfilm "Reefer Madness". Der diente zu seiner Zeit (1936) als Abschreckung vor der Geißel Marihuana und später folgerichtig als Studentenpartyfilm bzw. Lachschlager. Jetzt wurde er Vorbild für ein Remake - als romantisches Splattermusical.
Comedy? Studentenpartys? Kiffen? Kultfilm? Moment mal, denkt sich da Hollywood geschlagene 70 Lenze später. Das passt ja prima in den Rahmen von "Road Trip" und "Weed"! Wer aber zu angestrengt Kult sein will, fällt beim ungern zu offensichtlich manipulierten Fan zuweilen auf die Nase. Da geht es Nischen- und Festivalfilmen nicht anders als sogenannten Blockbustern. "Reefer Madness" kommt ganz unarrogant als schnurgerade Boulevard-Moritat und unbefangene Kopie des Vorbildes daher. Komplett im liebevoll rekonstruierten Dekor der 30er, mit einigen kleinen inhaltlichen Freiheiten. Ein hundertprozentig vertrauenerweckender Weißkittel erläutert da zunächst das große Ganze und präsentiert uns sodann am plastischen Beispiel, wie das Unheil üblicherweise seinen Lauf nimmt: "Creeping like a communist, it's knocking at our doors, turning all our children into hooligans and whores!"
In etwas, das von ferne besehen der seligen Klimbim-Familie ähnelt, regiert der skrupellose Gras-Dealer Stone mit eherner Pranke über ein nach Stoff flehendes Gefolge aus verlebtem Lotterweib, sündiger Sexbombe, korrumpiertem Lock-Student und hirnlosem Igor für alle Fälle. Stets Ausschau haltend nach Leuten, die er anfixen kann, findet er seine Opfer bevorzugt im Umfeld der lokalen Schüler-Milchbar. Dort schmachtet der brave Jimmy Harper der schönen Mary Lane hinterher. Nachdem sie Bekanntschaft mit Stone machten, haben beide andere Sorgen.
Die Welt ist eine Zuckerbäckervorstadt bevölkert von asexuellen Teenagern, bis die Schlange Adam eine Haschzigarette (Reefer) statt des Apfels reicht. Himmel und Hölle liegen da nicht weit, überzeugen im Dekor aber schon weniger als die verschlafene Kleinstadt. Mag am fehlenden Geld liegen, vielleicht auch an der modernen Stripper-Wäsche der dortigen Tanzmäuse, die man bedauerlicherweise nicht der zeitgenössischen Burlesque- und Bondage-Mode nachempfand. Die schmissigen, witzig betexteten Musical-Nummern wirken in solchem Zusammenhang natürlich und werden mit großem Elan von einer hierfür offenbar ausgebildeten Darstellerschar vorgetragen. Milchbardame und Gaststar Neve Campbell hält da nicht mit in ihrer kurzen, aber aufwendigen Solo-Tanznummer. In der letzten halben Stunde können die Fronten nur mit sehr viel Gewalt geklärt werden, das dargebotene Gemetzel kann sich glatt mit "Staplerfahrer Klaus" messen. Ein kurzweiliges Vergnügen nicht nur für Halbstarke und Kiffbrüder. Mit ein wenig Mundpropaganda und Medienpräsenz scheint eine positive Überraschung an den Kinokassen möglich. ab.