
Eine fiktive Geschichte über die Entstehung der Neunten Sinfonie und die schicksalhafte Begegnung zwischen Ludwig van Beethoven und einer jungen Konservatoriumsstudentin.
Als Ludwig van Beethoven im Mai 1824 das letzte Mal in der Öffentlichkeit dirigierte, war es die Neunte Sinfonie in D-Moll. Ein Meisterwerk, mit dem der Genius Musikgeschichte schrieb. An einer neuen Legende strickt Agnieszka Holland, die vielleicht nicht gerade Musikwissenschaftler erfreut, aber dafür Auge und Ohr des Normalzuschauers. Ausgangspunkt ist die zunehmende Taubheit Beethovens und seine damit einhergehende gesellschaftliche Isolation. Kurz vor der Premiere der Neunten Sinfonie ist die Partitur nur in Teilen fertig, der nervöse Musikverleger Walter Schlemmer engagiert zur Unterstützung des Maestro die junge Konservatoriumsstudentin Anna Holtz (überzeugend wie auch schon in "Goodbye Bafana" Diane Kruger). Die 23-Jährige soll die Noten für das Orchester zu Papier bringen, denn damals benötigten die Orchestermitglieder für jedes Instrument die passenden Notenblätter, pro Auftritt schon mal bis zu 100 Stück. Erst einmal stößt sie auf Widerstand, dass ausgerechnet eine Frau ihm zur Seite stehen soll, findet Beethoven einfach lachhaft. Aber mit weiblicher Zähigkeit macht sich Anna bald unentbehrlich, der Alte empfindet sogar so etwas wie Eifersucht dem Glück mit ihrem Verlobten gegenüber.
Glanzvoller Höhepunkt des opulent und detailfreudig ausgestatteten Films ist die Aufführung der Neunten, bei der Anna im Orchester versteckt quasi "dirigiert", während der Gehörlose ihre Zeichen als Dirigent aufnimmt. Wenn der Chor von "Freude schöner Götterfunken" verklingt, brandet riesiger Applaus auf. In ausdrucksstarkem Zeitkolorit entfaltet sich ein emotionales Drama, an dessen Ende sich die junge Frau entscheiden muss zwischen einem Leben mit oder ohne Musik. Ed Harris gelingt ein schauspielerischer Spagat, mal ist er der humorvolle und sensible Künstler, von einem Moment auf den anderen dann der aufbrausende Egomane, der rücksichtslose Grobian und Unterdrücker, der wie ein Panzer über die Gefühle anderer rollt oder fluchend mit seinem Schicksal hadert, dann wieder der leicht Verletzbare, den die Abweisung seines von ihm vergötterten Neffen zutiefst schmerzt. Und es ist die Musik, die einen wie auf Engelsflügeln trägt. Die Aufführung der Neunten beträgt ungefähr zehn Minuten, fast vier Tage dauerten die Dreharbeiten mit Sinfonieorchester und Chor. Nicht nur ein Bildungsbürgerpublikum sollte bei diesem eigenwilligen Künstlerporträt das Zusammenspiel von Historie, Klangwelt und Gefühlen goutieren. mk.