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Königreich der Himmel

Ridley Scotts bildgewaltiges Epos um Kreuzritter, Sarazenen und ihren Kampf um Jerusalem.


Königreich der Himmel (Director's Cut)

Leihvideo

Erhältlich seit:
15.01.2007

Originaltitel: Kingdom of Heaven

Historienfilm/ Abenteuer

USA 2005
Laufzeit: 189 Min.
FSK: ab 16

Orlando Bloom
Eva Green
Jeremy Irons

Regie: Ridley Scott
Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany

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Solche Filme braucht das Kino: Starregisseur Ridley Scott webt einen Erzählteppich voll bewegender Konflikte und überwältigender Bilder.

Balian tritt das Erbe seines Vaters an (Foto: Fox) Großansicht

Balian tritt das Erbe seines Vaters an (Foto: Fox)

Monumentale Schlachten, überlebensgroße Figuren, persönliches Schicksal und Intrigen von Shakespearschem Zuschnitt - kaum ein Genre bietet einem Filmemacher soviel Potenzial wie das Historienepos. Und kaum ein Genre ist so schwierig zu meistern. Nur wenige Regisseure finden die richtige Balance zwischen intimen Charakterisierungen und spektakulären Szenerien.

Ridley Scott gelang das Kunststück schon mit "Gladiator", jetzt verschafft er dem Genre mit "Königreich der Himmel" einen neuen Höhepunkt. Auch hier wird ein aufrechter Held in den Strudel historischer Machtkämpfe hineingezogen.

Kreuzritter spinnen Intrigen (Foto: Fox) Großansicht

Kreuzritter spinnen Intrigen (Foto: Fox)

Düsterer Kreuzzug

Aber diesmal ist das Erzählgefüge noch komplexer und die Bilderpracht noch überwältigender als in "Gladiator". Scott und sein Drehbuchautor William Monahan breiten Glanz und Düsternis der Kreuzzugszeit aus, die Christen, Moslems und idealistische Gläubige miteinander konfrontiert.

Im Mittelpunkt steht der junge Schmied und Erfinder Balian (Orlando Bloom), der nach einer familiären Tragödie neuen Sinn im Leben sucht. Da erhält er die Chance, das Erbe seines Vaters, eines Fürsten des Königreichs Jerusalem, anzutreten.

Doch die Herausforderung droht ihm zunächst über den Kopf zu wachsen. Denn Jerusalem wird regiert von einem kranken König, der den brüchigen Frieden nicht mehr lange aufrecht erhalten kann.

Verbotene Gefühle: Balians Liebe zu Prinzessin Sibylla (Foto: Fox) Großansicht

Verbotene Gefühle: Balians Liebe zu Prinzessin Sibylla (Foto: Fox)

Ein echter Held

Dass sich Balian in die verheiratete Prinzessin Sibylla verliebt, macht die Lage noch komplizierter. Und als aus dem schwelenden Konflikt offener Krieg wird, muss der junge Held endgültig über seine Grenzen gehen.

Und letztendlich tut das auch der Regisseur. Denn mit "Königreich der Himmel" gelingt Scott ein Film, der selbst in seinem reichen Œuvre seinesgleichen sucht.

Mit einem untrüglichen Gespür für historische Details und emotionale Nuancen nutzt er die Möglichkeiten großen Kinos aus, nicht zuletzt in den atemberaubenden Schlachtszenen. Wer interessiert sich da noch für Comic-Helden und Aliens?

Königreich der Himmel (Director's Cut)

Nachdem Ridley Scott mit "Tricks" zuletzt sympathisch-entspannt Atem holte, wuchtet der Veteran, der mit "Gladiator" die Wiedergeburt des Historienfilms einleitete, ein weiteres Monumental-Epos auf die Breitleinwand. Sein "Königreich der Himmel" ist eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit den weltpolitischen Sünden der Kirche, erzählt von Kampf um Jerusalem während der Kreuzzüge, in dem nicht nur verschiedene Kulturen, sondern auch Idealismus und Materialismus aufeinander prallten. Erwartungsgemäß erfüllt diese Großproduktion alle Hoffnungen auf ein visuelles Spektakel, erhebt darüber hinaus im aufgeheizten Konfliktklima zwischen der muslimischen und christlichen Welt eine mäßigende, vermittelnde Stimme. Dramaturgische Probleme sind zwar unübersehbar, dürften aber ein Publikum kaum belasten, das primär den kommerziell erprobten "Ring"- und "Fluch der Karibik"-Krieger Orlando Bloom romantisch und heroisch erleben will.

Elf Jahre nachdem Paul Verhoevens Kreuzzugsepos "Crusade" im Strudel des Carolco-Kollapses unterging, schmiedet jetzt Scott das heiße Eisen - mit einem Schmied im Mittelpunkt von William Monahans Drehbuch, das im Frankreich des Jahres 1186 seinen Anfang nimmt. Bereits in den ersten Bildern, mächtigen Totalen von sich zum Horizont streckenden Ebenen, markiert Scott seinen Anspruch auf großes Kino.

Unter einem großen Kreuz lässt ein Priester eine Selbstmörderin verscharren, nachdem er sie zuvor auf dem Weg in die Verdammnis köpfen ließ und sich mit ihrem Silberkreuz bereicherte. Diese Figur und ein opportunistischer Geistlicher in Jerusalem stehen für den moralischen Zustand der Kirche, der im Heiligen Land wenig heilig ist außer der Aussicht auf Besitz und Reichtum. Die profanen Motive für die Kreuzzüge werden deutlich, ohne dass das Papsttum explizit in die Verantwortung genommen wird.

Der korrupte Gottesmann aus dem Prolog wird zum Motor der Handlung, denn seine Tat provoziert Schmied Balian (Bloom), den Ehemann der Selbstmörderin, zum Affektmord und zum Aufbruch nach Jerusalem. Im Kreuzritter Godfrey von Ibelin (Liam Neeson) findet er noch in Frankreich seinen leiblichen Vater, der bisher für ihn nur ein Phantom war. Im Minuten-Crashkurs wird Balian in die Kunst des Schwertkampfs eingeführt, bevor Truppen des Bischofs angreifen und Ibelin schwer verletzen. In Messina, über dessen Hafen die Kamera mit einem bildschönen Schwenk gleitet, schlägt Ibelin Balian zum Ritter, vererbt ihm sterbend alles. Nach der Überfahrt und einem überraschend ökonomisch realisierten Schiffsunglück, strandet Balian an fremden Ufern, tötet einen Sarazenen im Kampf um ein Pferd und reitet in Jerusalem ein. Dort begegnet er dem weisen, um Toleranz zwischen Christen und Moslems bemühten König Balduin IV, dessen Tage durch Lepra gezählt sind, und seinem Berater Tiberias (Jeremy Irons). Fast in Zeitraffer steigt der Ex-Schmied zum Vertrauten der beiden Männer auf und damit zum Feind der radikal anti-arabischen Fraktion um Guy von Lusignan, der mit den Tempelrittern der Politik der friedlichen Koexistenz ein Ende setzen wollen. Ähnlich schnell landet er in den Armen von Baldwins Schwester Sibylla, die Guy versprochen ist, aber einen Mann mit reinem Gewissen sucht.

Nicht nur der kometenhafte Aufstieg Balians, der schließlich sogar als Chefstratege Jerusalem verteidigt, lässt starke Kürzungen vermuten. Offensichtlich verändert wurde auch der biografische Hintergrund Sibyllas, deren Entwicklung nun psychologisch und moralisch weniger komplex verläuft. Die Liebesgeschichte leidet ein wenig unter dieser Akzentverlagerung, die zentrale Auseinandersetzung um Jerusalem jedoch nicht. Nachdem Scott die erste Kollision der Heere ins Off verlagert, macht er die Belagerung der Heiligen Stadt zum Höhepunkt der letzten Akte. Es sind spektakuläre Bilder von stürzenden Wehrtürmen und fliegenden Feuerkugeln, vom brutalen Nahkampf und epischen Totalen. Heimlicher Held dieser Sequenzen und eigentlich des ganzen Films ist Sarazenensultan Saladin, eine von der Geschichtsschreibung, von der Literatur (Lessings "Nathan der Weise") und auch Hollywood ("Der Talisman") schon früher leicht verklärte Figur, die hier als Stimme von Vernunft und Intelligenz Zeichen setzt. Er und der ähnlich charismatische Christenkönig sorgen dafür, dass der Kopf im optisch eindrucksvollen "Königreich der Himmel" nicht in den Wolken bleibt. kob.

Darsteller:  Orlando Bloom   als Balian
  Eva Green   als Sibylla
  Jeremy Irons   als Tiberias
  David Thewlis   als Der Hospitaler
  Brendan Gleeson   als Reynald von Chatillon
  Marton Csokas   als Guy von Lusignan
  Liam Neeson   als Godfrey von Ibelin
  Ghassan Massoud   als Saladin
  Nikolaj Coster-Waldau   als Dorfsherrif
  Edward Norton   als König Baldwin
  Martin Hancock   als Totengräber
  Michael Sheen   als Priester
  Nathalie Cox   als Balians Frau
  Eriq Ebouaney   als Firuz
  Jouko Ahola   als Odo
  Philip Glenister   als Squire
  Bronson Webb   als Auszubildender
  Alexander Siddig   als Nasir
  Michael Shaeffer   als Junger Sargeant
  Jon Finch   als Patriarch
 
Regie:  Ridley Scott  
Buch:  William Monahan  
Musik:  Harry Gregson-Williams  
Kamera:  John Mathieson  
Produzent:  Ridley Scott  

Bloom erobert "Königreich der Himmel"

Nach den Ringkriegen und dem Kampf um Troja findet sich Orlando Bloom erneut im Schlachtengetümmel wieder.

Kampf um das "Heilige Land" in "Königreich der Himmel" (Foto: Fox) Großansicht

Kampf um das "Heilige Land" in "Königreich der Himmel" (Foto: Fox)

Mit "Gladiator" verlieh Regisseur Ridley Scott dem Genre des Historien-Epos anno 2000 neue Impulse, dieses Jahr sorgte er mit Königreich der Himmel für einen weiteren Höhepunkt. Stars wie Orlando Bloom, Jeremy Irons und Liam Neeson agieren vor gewohnt aufwändiger Kulisse.

Am 24. November veröffentlicht Twentieth Century Fox Home Entertainment den Film in der Kinofassung als Kauf-DVD. Ein längerer Director's Cut könnte folgen, zumindest war ein solcher unmittelbar vor Kinostart von Regisseur Scott angekündigt worden.

 

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