
Jon Avnets Copthriller zeigt routiniertes Revierverhalten, mit Al Pacino und Robert De Niro aber auch außergewöhnliche VIP-Präsenz.
Mitte der Neunzigerjahre, in Michael Manns Meilenstein "Heat", waren sie instinktgetriebene Jäger, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes Beute machten. Im neuen Film Jon Avnets, der Pacino bereits in "88 Minutes" in ein Serienmörderszenario mit moralischen Grenzüberschreitungen verwickelte, agieren die Darstellerikonen als echte Partner und im Unterschied zu "Heat" auch in vielen gemeinsamen Szenen. Als altgediente Cops verfolgen sie die Spur eines Killers, der ausgesuchte Exemplare der Spezies kriminell, gefährlich, doch von der Justiz verschont dauerhaft aus dem Verkehr zieht - vom Vergewaltiger bis hin zum russischen Mafioso. Ins Täterprofil scheint De Niro selbst zu passen. Sowohl in seiner aktuellen Rolle als Hitzkopf Turk, der bereits beim Baseball Amok läuft und auch beim Einsatz oft zum Hulk mutiert, als auch durch seine Vergangenheit als "Taxidriver", der aus verwandten Motiven die Straßen der Hudson-Metropole säuberte. Zwangsläufig wird er im Drehbuch von Russell Gewirtz, der bereits in seinem Kniffel-Krimi "Inside Man" mit Zuschauererwartungen spielte, als Hauptverdächtiger eingeführt. Zumindest für einige ungeliebte Cop-Kollegen und alle Hobbyfahnder im Kino, die in diesem Genre wenig Erfahrung haben. "Ich habe 14 Menschen getötet", beichtet De Niros Cop in die Kamera und eröffnet damit einen Rückblick auf seine Zusammenarbeit mit Partner Pacino und auf den Sündenfall, bei dem De Niro zur Festsetzung eines Kindermörders erstmals die Regeln brach. Pacino ist der humorvolle, gelöste Kontrast zum bewunderten giftigen Partner, der durch seine aggressiven sexuellen Rollenspiele mit Freundin Karen weitere Punkte in der Verdachtsbilanz anhäufen soll.
Der Plot, in den auch Ermittlungen gegen einen Drogendealer (50 Cent), Kollisionen mit Kollegen und eine Reminiszenz an "Heat" eingebaut sind, erfindet den Copfilm nicht neu, dient in erster Linie als Spielfeld für die gut harmonierenden Stars, die ihren Veteranenstatus und ihre filmgeschichtliche Vergangenheit ausspielen dürfen. "Kurzer Prozess" ist weniger ein Leistungstest seiner überschaubar geforderten prominenten Attraktionen, sondern vor allem ein routiniertes Genreangebot für die Fans, die diese klassischen Einzelgänger des Kinos einmal als dynamisches Duo sehen wollen. kob.