
Judi Dench glänzt als spitzzüngige Chefin des legendären Windmill-Theaters und schockiert das prüde London während des Zweiten Weltkrieges mit einem Nackt-Variété.
Von diskreter Trauer hält Lady H nach dem Tod ihres Mannes nichts. Die muntere Witwe will ihre Ersparnisse aus Indien investieren und sich keinesfalls in der feinen, aber stockkonservativen Gesellschaft langweilen. Kurzentschlossen kauft sie das heruntergewirtschaftete Theater in der Great Windmill Street und entscheidet sich ohne einen blassen Schimmer vom Kulturgeschäft, dem Gemäuer wieder Leben einzuhauchen. Dazu engagiert sie den arbeitslosen Vivian Van Damm, der das Etablissement als Impresario mit flotten Musicals auf Vordermann bringen soll. Die ersten Kritiken sind voll des Lobes, das Publikum begeistert. Bis die Konkurrenz das Erfolgsrezept kopiert und das Geld knapp wird. Für Lady H kein Grund, aufzugeben. Sie entwickelt eine brillante Idee - erstmals stehen in Old England nackte Damen auf der Bühne. Geschickt lässt sie ihre Beziehungen spielen und überzeugt sogar Lord Chamberlain vom künstlerischen Wert der Darstellung. Der Kniff: Die nackten Tänzerinnen dürfen sich nicht bewegen und entsprechen so nackten Skulpturen in Kunstgalerien. Während um den Piccadilly herum Restaurants, Pubs und Theater im Bombenhagel des "Blitz-Krieges" schließen, gehen die Vorführungen im Keller gelegenen Windmill-Theater weiter, ein Treffpunkt vor allem für Soldaten im Heimaturlaub.
Stephen Frears setzt der 1944 gestorbenen Laura Henderson, die ihr Theater Van Damm vermachte, ein Denkmal und fokussiert sich dabei auf die Hass-Liebe zwischen den beiden dickköpfigen Streithähnen, lässt keine noch so kleine Süffisanz aus. Was mehr zählt, Freundschaft oder Businessbeziehung, scheint das Duo selbst nicht zu wissen. Wie Judi Dench mit allen Finessen ihren Partner Bob Hoskins ("very british") aus der Reserve lockt, entpuppt sich als Feuerwerk an trefflichem Witz. Die Geschichte des Windmill-Theaters, Inspiration für das Rita Hayworth-Musical "Tonight And Every Night", ist auch die Geschichte einer Frau, die sich im Künstler-Milieu durchsetzte mit gesundem Menschenverstand, manchmal fast rüdem Charme und dominanter Mütterlichkeit . Der Zweck heiligte eben die Mittel, schließlich hielt der Tanz auf dem Vulkan die Moral der Truppen hoch. Noch Jahrzehnte später schmückte sich die Bühne mit dem Gütesiegel "We never closed". Ein wenig nostalgisch und im besten Sinne altmodisch gibt sich "Lady Henderson präsentiert", aber keineswegs verstaubt. Und das Motto kann nicht moderner sein, "the show must go on". mk.