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Ladykillers

In Joel und Ethan Coens Remake der gleichnamigen britischen schwarzen Komödie aus dem Jahr 1955 gibt Tom Hanks den kriminellen Ladykiller.


Ladykillers

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Erhältlich seit:
11.11.2004

Originaltitel: The Ladykillers

Komödie

USA 2004
Laufzeit: 100 Min.
FSK: ab 12

Tom Hanks
Irma P. Hall
Marlon Wayans

Regie: Joel Coen, ...
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Beim Remake des Komödien-Klassikers ziehen die Gebrüder Coen und Star Tom Hanks alle Register.

Würden diese Herren einer alten Lady etwas antun? (Foto: Buena Vista) Großansicht

Würden diese Herren einer alten Lady etwas antun? (Foto: Buena Vista)

Eine idealere Paarung lässt sich schwer vorstellen: "The Ladykillers", der Klassiker der schwarzen Komödie, und die Brüder Joel und Ethan Coen, die mit Filmen wie "Fargo" ihr Talent für skurrilen Humor bewiesen.

Ihr Remake übernimmt die Dramaturgie des Originals von 1955 und variiert sie originell. Die Handlung ist in die US-Südstaaten verlagert, wo fünf Gangster einen Casino-Dampfer ausrauben wollen.

Auch sie schlagen ihr Basislager bei einer alten Witwe auf - hier eine bibelfeste schwarze Dame (herrlich resolut und mit Sonderpreis in Cannes: Irma P. Hall).

Killt er oder nicht? Irma P. Hall und Marlon Wayans (Foto: Buena Vista) Großansicht

Killt er oder nicht? Irma P. Hall und Marlon Wayans (Foto: Buena Vista)

Fünf Gangster und eine alte Lady

Als die Vermieterin den Ganoven auf die Schliche kommt, soll sie ausgeschaltet werden. Doch wie killt man eine brave Lady? Für Lacheffekte sorgt auch die groteske Zusammensetzung der Gangster-Gang - vom vietnamesischen Ex-General bis zum Hip Hopper.

Am spektakulärsten ist der Kopf der Bande: Die Rolle eines überkandidelten Professors macht Tom Hanks wohl genauso viel Spaß wie dem Publikum.

Ladykillers

Und wieder ein unmöglicher Härtefall, der von den Coen-Brüdern Joel und Ethan mit unerträglicher Grausamkeit und der gewohnten filmischen Brillanz verhandelt wird: Sie verlegten ihr Remake des britischen Klassikers "Ladykillers" von 1955 vom Nachkriegs-London in die amerikanischen Südstaaten der Gegenwart und nahmen sich die Freiheit, das Figurenarsenal in gewohnter Coen-Manier stärker zu überzeichnen, hielten sich aber des weiteren eng an die Vorlage. Anstelle von Alec Guinness agiert hier Tom Hanks als Anführer eines Gauner-Quintetts, das den großen Coup plant, sich aber an einer resoluten alten Dame die Zähne ausbeißt. Versteckt hinter einem Makeup, das ihn wie eine Mischung aus Mark Twain und Colonel Sanders wirken lässt, liefert er eine Galavorstellung und lässt sich dabei jede Zeile des süffigen Coen-Dialogs auf der Zunge zergehen.

Dass sich die Coens (erstmals werden sie gemeinsam als Regisseur gelistet) las erstes lupenreines Remake in ihrer mittlerweile zehn Arbeiten umfassenden Filmographie ausgerechnet das Glanzstück der Komödien der legendären Ealing Studios vorgenommen haben, macht Sinn. "Ladykillers", im Original von Alexander Mackendrick mit Guinness sowie u. a. einem blutjungen Peter Sellers und Herbert Lom inszeniert, lieferte als Mutter der pechschwarzen Komödie die Blaupause für eigentlich das gesamte Oeuvres des findigen Bruderpaares seit ihrem Karrierestart mit "Blood Simple" vor 20 Jahren. Mit deutlich erkennbarem Respekt haben sie sich der Vorlage genähert und offensichtlich erkannt, dass man an der perfekten Struktur am besten keine augenfälligen Veränderungen vornehmen sollte.

Die Verlagerung der Handlung in die Südstaaten, wo schon "O Brother, Where Art Thou?", der in den USA nach wie vor größte Erfolg der Coens, spielte, und entsprechendes Anpassen des handelnden Personals, einzelner Orte und der Stimmung des Films sind die deutlichsten Eingriffe, die man sich traute. So ist es hier keine Eisenbahnüberführung, sondern eine Brücke über den Mississippi, die Handlungsort für die mörderischsten Momente der Moritat sind. Das Haus der alten Dame, in das der schrullige, in blumigen Südstaaten-Phrasen redende Prof. Goldthwait Higginson Dorr als Untermieter zieht, dient nicht einfach nur als günstig und unauffällig gelegenes Hauptquartier der Ladykiller: Hier ist der Keller, in dem Dorr und seine Mannen angeblich Renaissance-Musik einüben, Ausgangspunkt für den eigentlichen Coup: Von dort aus will man sich in Richtung Mississippi in ein unterirdisches Tresorgewölbe bohren, um ein Kasino um seine Gewinne zu bringen.

Bei der Vorstellung von Dorrs Mannschaft lässt sich die Handschrift der Coens am deutlichsten erkennen: Gawain (Marlon Wayans) wird als junger schwarzer Hip-Hopper (sehr zum Missfallen der rüstigen älteren Dame, die "Hippity-Hop" verabscheut) eingeführt, der als Putze im Kasino arbeitet und dessen Gangsta-Slang sich kräftig mit Dorrs Bonmots beißt. Im krassen Gegensatz zu ihm stehen aber auch der Sprengstoff-Spezialist Pancake (J. K. Simmons) und ein wortloser ehemaliger südvietnamesischer General (Tzi Ma), der bei seinem ersten Auftritt als Supermarktbesitzer zwei Räuber mit einem Minimum an Aufwand in die Flucht schlägt. Und schließlich ist da noch der ebenso muskulöse wie geistig langsame Lump (Ryan Hurst), den man in einem filmischen Bravourakt kennenlernt, indem die Coens ihn mit subjektiver Kamera, aus seinem Helm heraus gefilmt, bei einem wenig glücklichen Footballspiel zeigen.

Natürlich kann ihr als verspielte Variation von "Ocean's Eleven" erzähltes Unterfangen nicht gut gehen. Als den Gaunern nach diversen kuriosen Pannen auch noch die alte Dame auf die Schliche kommt, ist klar, dass sie sterben muss. Leider bringen die vermeintlich ruchlosen Karriere-Verbrecher genau diese Untat nicht übers Herz. Im Gegenteil: Einer nach dem anderen beißen Dorr und seine Gang ins Gras. Die Coens begleiten das mit zwar wunderbar ausgewählter, aber nicht immer passender Gospelmusik und einem nicht so recht gelungenen Kniff, der die Katze der alten Dame sozusagen als gutes Gewissen dieser Murder Ballad involviert. Überhaupt sorgt der barock-ziselierte filmische Stil der Filmemacher dafür, dass zwar die einzelnen Szenen begeistern, die Summe des Ganzen aber nicht die Brillanz und Präzision des Originals erreichen. Was nicht viel heißen soll: Aus dem Gros des bisherigen Filmoutputs in diesem Jahr ragen diese "Ladykillers" heraus wie der Müllberg mitten im Mississippi, zu dem die sterblichen Überreste der Titelhelden geschippert werden. Und Tom Hanks sollte als Zugpferd niemals unterschätzt werden. ts.

Darsteller:  Tom Hanks   als Goldthwait Higginson Dorr
  Irma P. Hall   als Marva Munson
  Marlon Wayans   als Gawain MacSam
  J.K. Simmons   als Garth Pancake
  Tzi Ma   als Der General
  Ryan Hurst   als Lump
  George Wallace   als Sheriff Wyner
  Diane Delano   als Mountain Girl
  Stephen Root   als Fernand Gudge
  Jason Weaver   als Weemack Funthes
  Greg Grunberg   als TV Commercial Director
 
Regie:  Joel Coen  
  Ethan Coen  
Buch:  Joel Coen  
  Ethan Coen  
Musik:  Carter Burwell  
Kamera:  Roger Deakins  
Produzent:  Ethan Coen  
  Tom Jacobson  
  Barry Sonnenfeld  
  Barry Josephson  
  Joel Coen  

"Ich bin immer ganz ich selbst"

Wenn Tom Hanks mit den Coen-Brüdern arbeitet, ist das ein Gütesiegel. Prompt lief "Ladykillers" im diesjährigen Wettbewerb von Cannes. Anders als die britische Vorlage von 1955 spielt die Neuverfilmung des großen Gangster-Coups nun in den Südstaaten der USA und schreckt auch vor Splapstick nicht zurück. Hollywoods Filmstar Nummer eins über das ehrgeizige Projekt.

Tom Hanks steht offenherzig Rede und Antwort (Foto: Boris Sunjic) Großansicht

Tom Hanks steht offenherzig Rede und Antwort (Foto: Boris Sunjic)

» In Ladykillers treten Sie ein schweres Erbe an - das von Sir Alec Guinness. Wann haben Sie das Original zum ersten mal gesehen?

TOM HANKS:

Gar nicht. Als Kind habe ich zwar öfter ein paar Minuten von "Ladykillers" im Fernsehen mitgekriegt, aber nie den ganzen Film. Und dabei habe ich es auch belassen: Ich wollte die Rolle möglichst unbeeinflusst spielen.

» Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den Coen-Brüdern?

Jeder will mal mit ihnen drehen, weil sie einfach exzellente Filme machen. Den neuen der Coens schaust du dir immer an, das ist ein Muss. "Fargo" zum Beispiel ist einer der besten Filme der letzten 20 Jahre - auch wenn er bei mir einige Fragen aufwarf, die mir nicht mal Joel und Ethan beantworten konnten. Ihre Filme sind einfach konfus - ähh, ich meine kompromisslos - und nicht vorhersehbar.

Am Set: Die Küche der alten Lady (Foto: Buena Vista) Großansicht

Am Set: Die Küche der alten Lady (Foto: Buena Vista)

» Wie sind die beiden am Set?

Vor allem extrem gut organisiert! Dadurch geht alles schnell und du kämpfst nicht wie sonst ständig gegen die Uhr. Oft sagten sie schon um drei Uhr nachmittags zu mir "Danke, bis morgen!" und ich fragte "Was, darf ich schon nach hause?!"

Außerdem war ich darauf eingestellt, ihr Drehbuch wie die Gutenberg-Bibel zu behandeln und alles exakt so zu spielen, wie im Skript. Aber überraschenderweise sind die beiden da völlig locker.

Die chaotische Räuberbande will einen Tunnel zum Tresor eines Casions graben (Foto: Buena Vista) Großansicht

Die chaotische Räuberbande will einen Tunnel zum Tresor eines Casions graben (Foto: Buena Vista)

» Ihre Darstellung des Ganoven Professor Higginson wurde teils als "komödiantisches Meisterstück" gelobt, von anderen als "völlig übertrieben und gekünstelt" kritisiert. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe bei dieser Rolle an einen Literatur-Professor gedacht, der an irgendeiner zweitklassigen Uni glaubt, die Welt der Kunst zu regieren - obwohl er lediglich vor 15 gelangweilten Studenten abgefahrene Vorträge hält.

So ähnlich ist auch Goldthwait Higginson mit seiner komischen Vorliebe für Edgar Allan Poe. Wahrscheinlich hat er, bevor er Gangster wurde, an der Uni mal eine Arbeit über ihn geschrieben und seitdem ist das Thema sein Steckenpferd. Higginson zitiert Poe in den unpassendsten Momenten und er hat dessen höchst verwinkelte Prosa sogar in seine eigene Art zu reden übernommen.

Letztlich macht Higginsons Rhetorik die hypnotische Wirkung diese Mannes auf seine Komplizen und die alte Lady aus: Er redet und redet und redet und hat dabei das unerschütterliche Vertrauen, dass das, was er sagt, irgendwann schon Sinn machen wird. Higginson lebt für die Sprache, weil sie ihn aus jeder misslichen Lage rettet. Das ist das Besondere an dieser Figur. Würde das wegfallen, hätten Sie nur noch einen Film über ein paar Typen, die zwei Stunden lang in einem Keller ein Loch buddeln.

Die Lady fühlt dem Professor auf den Zahn (Foto: Buena Vista) Großansicht

Die Lady fühlt dem Professor auf den Zahn (Foto: Buena Vista)

» Warum haben Sie das hysterische Kichern so oft eingebaut?

Das brach in einer Szene mal so aus mir raus, und wir dachten, das könnte so etwas wie Higginsons Markenzeichen werden. Also habe ich es dann auch bei anderen Szenen in einigen Takes verwendet. Letztlich wurde aber im Schnitt entschieden, ob man den Take mit Lachen oder den ohne verwendete.

» Wie gut finden Sie sich selbst in "Ladykillers" im Vergleich zu Ihren anderen Rollen?

Ich würde mir in jedem Film, den ich je gemacht habe, eine 3 geben. Ich selbst bin nun wirklich die am wenigsten geeignete Person, um meine Arbeit zu beurteilen.

Alec Guinnes & Co. im Original von 1955 (Foto: Atlas) Großansicht

Alec Guinnes & Co. im Original von 1955 (Foto: Atlas)

» In England hatte man große Vorbehalte gegen die Neuverfilmung, weil man das Original sehr verehrt.

Lassen Sie es uns doch so sehen: Wir machen den Stoff neu zugänglich und singen gleichsam eine Ode an dieses wundervolle Kunstwerk.

» Sind Sie jetzt in Ihrer Rolle?

Nein, in Interviews bin ich natürlich immer völlig offen, ehrlich und ganz ich selbst.

» Remakes sind ja derzeit groß in Mode. Welche Neuverfilmung würde Sie gerne sehen?

Wie wär's zum Beispiel mit "The Three Stooges"?

Das Leben eines Anführers ist hart (Foto: Buena Vista) Großansicht

Das Leben eines Anführers ist hart (Foto: Buena Vista)

» Wer sollte die Hauptrollen spielen?

Vielleicht drei Australier: Russell Crowe, Mel Gibson und Geoffrey Rush. Über die genaue Rollenverteilung müsste man noch diskutieren. Aber wechseln wir lieber das Thema - wissen Sie, ich bin Amerikaner, ich kann stundenlang über "The Three Stooges" reden.

» Apropos Amerikaner - was sagen Sie zur momentanen politischen Situation?

Sie meinen im Irak? Alles, was ich dazu sagen will, ist: Es ist eine schwierige Lage und wir haben viele gute Jungs da unten. Hoffentlich kommen sie heil zurück, Gott beschütze sie.

 

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