
Mit seiner hochbrisanten Dokumentation zeigt "We Feed the World"-Macher Erwin Wagenhofer auf, wem die Menschheit die weltweite Finanzkrise zu verdanken hat.
Nach seinem Doku-Hit "We Feed the World - Essen global", mit dem er über die schleichende Industrialisierung der Nahrungsmittelherstellung aufklärte und damit allein in Deutschland fast 400.000 Kinobesucher erreichte, legt Erwin Wagenhofer nun nach. Das aktuelle Werk des österreichischen Autors und Filmemachers ist an Brisanz kaum zu übertreffen, handelt "Let's Make Money" doch von der Art und Weise wie findige Köpfe immer abstrusere Finanzierungsmodelle erfinden, um den Profit für einige wenige Privilegierte ins Unermessliche zu steigern. Als ob er die derzeit grassierende weltweite Finanzkrise mit ihren Banken- und Versicherungspleiten sowie den milliardenschweren staatlichen Rettungsversuchen vorausgeahnt hätte, führt uns Wagenhofer vor Augen, was die Geldinstitute mit unserem sauer verdienten Euros wirklich machen.
Natürlich ist nicht alles neu oder revolutionär, was der Österreicher, der 2006 den Gilde-Filmpreis für den besten Dokumentarfilm erhielt, in "Let's Make Money" aufdeckt. Zum Beispiel dürfte es hinlänglich bekannt sein, dass die USA den Irak-Krieg nicht deshalb führte, um die Menschheit von einem grausamen Diktator zu befreien, sondern, um die Herrschaft über die gewaltigen Erdöl-Ressourcen zu gewinnen. Denn, und auch das weiß jedes Kind, das flüssige Gold hat dem gleichnamigen Edelmetall auf der Werte-Skala längst den Rang abgelaufen. Trotzdem beeindrucken Wagenhofers Bilder der Gegensätze - so bringt er verödete Baumwollplantagen in Afrika und zu gigantischen Hotelruinen mutierte Spekulationsobjekte an der spanischen Mittelmeerküste in Zusammenhang mit den chromblitzenden Finanzzentralen in London, New York und Frankfurt, wo mit allen Wassern gewaschene Herren in feinem Zwirn dafür sorgen, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.
Der Filmemacher zeigt nicht nur, er lässt auch illustre Interviewpartner zu Wort kommen, die - wie der unbedarfte Beamte des Steuerparadieses Jersey - sich selbst entlarven oder Klartext reden wie Mark Mobius, der Präsident von Templeton Emerging Markets in Singapur - "The best time to buy is when there is blood on the streets" - und Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter und Träger des alternativen Nobelpreises, der es kurz und knapp auf den Punkt bringt: "Am Ende bezahlen es immer der so genannte kleine Mann oder die so genannte kleine Frau." lasso.