VHS Leihvideo

Liegen lernen

Erwachsenwerden in den 80ern - nach dem gleichnamigen Roman von Frank Goosen.


Liegen lernen

Leihvideo

Erhältlich seit:
05.03.2004

Komödie/ Drama

Deutschland 2003
Laufzeit: 84 Min.
FSK: ab 12

Fabian Busch
Susanne Bormann
Birgit Minichmayr

Regie: Hendrik Handloegten
Warner Home Video Germany

Videoplayer wird geladen ...

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Der Mann, der sich nicht entscheiden kann: Fabian Busch in einer lakonischen Coming-of-Age-Komödie von den Machern von "Good Bye, Lenin!".

Helmut beendet mal wieder mit einem Seitensprung eine Beziehung (Foto: X Verleih (Warner)) Großansicht

Helmut beendet mal wieder mit einem Seitensprung eine Beziehung (Foto: X Verleih (Warner))

Ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner! Das muss sich Helmut von seiner Freundin Tina (Birgit Minichmayr) anhören. Das Schlimme daran ist, dass sie völlig Recht hat. Zeit, Bilanz zu ziehen über all die verlorenen Freundschaften, verkorksten Beziehungen und selbstzerstörerischen Affären.

Doch während diese Thematik meist in einem handfesten Drama mündet, schafft es Regisseur Hendrik Handloegten (Co-Autor von "Good Bye, Lenin!"), den Stoff in eine bezaubernde, intelligente und durch und durch ehrliche Komödie zu verwandeln, die fabelhaft den Spagat zwischen der Coming-of-Age-Story und dem zeitgeschichtlichen Background schafft.

Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit einem fantastischen Gespür für Timing und Humor bettet der Film immer wieder Ereignisse vom Beginn der Ära Kohl bis nach der Maueröffnung in die Geschichte um die liebevoll skurrilen Charaktere ein.

Wie Pech und Schwefel: Die Jugendfreunde Mücke, Schäfer und Helmut (Foto: X Verleih (Warner)) Großansicht

Wie Pech und Schwefel: Die Jugendfreunde Mücke, Schäfer und Helmut (Foto: X Verleih (Warner))

Nostalgie und Herzschmerz

Vor allem jedoch verkörpert Fabian Busch den "Jedermann" Helmut so grandios, dass seine Suche nach der ersten großen und unglücklichen Liebe Britta (Susanne Bormann) zum Flashback jedes einzelnen Zuschauers wird. Mit ihr muss Helmut erst reinen Tisch machen, ehe er liegen lernen, erwachsen werden kann.

Eine Hommage an die 80er mit einem Soundtrack, der bis in die kleinste Nuance perfekt passt (Titelsong: "Denkmal" von Wir sind Helden) und ein ehrliches Geständnis, wie man(n) wirklich tickt.

Liegen lernen

Hendrik Handloegten, Jahrgang 1968, von 1989 bis 1993 Betreiber des Berliner Eiszeit Kinos und anschließend Student der Deutschen Film- und Fernsehakademie, stellt ein großes Versprechen für die Zukunft des deutschen Films dar. Gleich sein erster Langfilm, die dffb-Abschlussarbeit "Paul Is Dead", wurde vielfach ausgezeichnet und gewann unter anderem den Preis des saarländischen Ministerpräsidenten beim Max-Ophüls-Festival 2000 sowie den Adolf-Grimme-Preis 2001. In "Liegen lernen" erzählt er nun mit viel Einfühlungsvermögen und Witz, handwerklich makellos und mit viel Gespür für Rhythmus und Timing die Geschichte eines jungen Mannes, der sich nicht wohl fühlt im eigenen Leib, der gefühlskalt und bindungsunfähig geworden ist, seitdem er seine große Liebe verloren hat.

An "High Fidelity" wird man erinnert und auch ein wenig an "Soloalbum", an John Cusacks Schallplattenfetischisten Rob und Matthias Schweighöfers Musikjournalisten Ben, wenn man Helmut Hermes zusieht, wie er an den Frauen leidet. Der Held aus Frank Goosens gleichnamigem, erfolgreichen Ruhrgebietroman ist nun auf der Leinwand zum Leben erwacht, mit viel Gespür und Ausdruckskraft gespielt vom wandlungsfähigen Fabian Busch ("23"). Ein "gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner" ist dieser über die Jahre geworden, das zumindest behauptet Langzeitfreundin Tina und serviert ihren mittlerweile 32-jährigen Liebhaber ab. Ein Kind möchte sie haben, und das wirft den Luftikus aus der Bahn. Zeit für Helmut, Bilanz zu ziehen und zurückzuschauen auf sein verkorkstes Leben.

Und so setzt sie ein, die lange Rückblende, die zurückführt in die frühen achtziger Jahre, in die BRD und das geteilte Berlin, in die Ära Helmut Kohl und zur Musik von The Pop Group und F.R. Davids. Da stehen sie rum, Helmut und seine Kumpels, der coole Mücke (Florian Lukas aus "Good Bye, Lenin!") und der Musikfreak Schäfer, und betrachten großmäulig das "fickbare Material". Bis die blonde Britta (Susanne Bormann aus "Nachtgestalten") den Raum betritt und für Helmut plötzlich der Himmel voller Geigen hängt. Bei ihr muss er landen - bei keiner sonst. Und es gelingt ihm auch. Da zieht Britta zu ihrem Vater nach San Francisco und alles ist vorbei. Von nun an schläft sich der gekränkte Pfau durch die Betten, nützt seinen Schlag bei den Frauen aus und leidet, anstatt "liegen zu lernen" und endlich erwachsen zu werden.

Eine wunderbare, gut nach vollziehbare Coming-of-Age-Komödie ist Hendrik Handloegten gelungen, der gekonnt von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens erzählt und gleichzeitig die politisch-gesellschaftliche Stagnation der achtziger Jahre in präzisen Bildern festhält. Überaus sorgfältig im Produktions- und Tondesign, gekonnt besetzt und ausgestattet sowie mit leichter Hand inszeniert, merkt man dem Film an, wie viel Herzblut in ihm steckt. Handloegten liebt seine Figuren, formt sie und gibt ihnen Raum - als Autor weiß er, was der Regisseur braucht. Jede/r ist speziell, ganz einzigartig. Helmut ohnehin, aber auch Gisela, die mütterliche Medizinstudentin, deren Mitbewohnerin Barbara, eine nihilistische Theatermimin, oder die zupackende Sportjournalistin Gloria. Fritzi Haberlandt, Sophie Rois und - etwas schwächer - Anka Lea Sarstedt füllen diese Bettgenossinnen Helmuts mit Leben, schaffen Zwischentöne und rücken den Helden so noch besser in den Mittelpunkt des Geschehens. Nach "Good Bye, Lenin!", an dessen Drehbuch Handloegten

mitarbeitete, hat das Produktions- und Verleih-Team von X Filme erneut ein vielversprechendes, preiswürdiges Werk fertiggestellt, das quer durch die Zuschauerschichten, Action- und High-Tech-Fans einmal ausgenommen, bestens ankommen sollte. geh.

Darsteller:  Fabian Busch   als Helmut
  Susanne Bormann   als Britta
  Birgit Minichmayr   als Tina
  Fritzi Haberlandt   als Gisela
  Florian Lukas   als Mücke
  Sophie Rois   als Barbara
  Anka Lea Sarstedt   als Gloria
  Beate Abraham   als Helmuts Mutter
  Wilfried Dziallas   als Helmuts Vater
  Tino Mewes   als Langer Schäfer
  Sebastian Münster   als Beck
  Norbert Stöß  
 
Regie:  Hendrik Handloegten  
Buch:  Hendrik Handloegten  
Musik:  Dieter Schleip  
Kamera:  Florian Hoffmeister  
Produzent:  Maria Köpf  
 

Liegen lernen in der Fotoshow

 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Star

Fabian Busch

Seinen ersten großen Erfolg auf der Kinoleinwand feierte Fabian Busch bereits 1993 in Wolfgang Kohlhaases Film "Inge, April und Mai". Seitdem...

 

Star

Susanne Bormann

Seit Susanne Bormann 1996 mit erst 16 Jahren den Adolf-Grimme-Preis erhielt, zählt sie zu den hoffnungsvollsten deutschen...