DVD Leihvideo

Löwenkäfig

Drama über eine junge Frau, die nach einem zweifachen Mord ihren Sohn im Gefängnis großziehen muss.


Löwenkäfig

Leihvideo

Erhältlich seit:
20.08.2009

Originaltitel: Leonera

Drama

Argentinien/Südkorea/Brasilien 2008
Laufzeit: 109 Min.
FSK: ab 12

Martina Gusman
Elli Medeiros
Rodrigo Santoro

Regie: Pablo Trapero
MFA+ Film Distribution

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Drama über eine junge Frau, die nach einem zweifachen Mord ihren Sohn im Gefängnis großziehen muss.

Julia zieht ihren Sohn im Knast auf (Foto: MFA (24 Bilder)) Großansicht

Julia zieht ihren Sohn im Knast auf (Foto: MFA (24 Bilder))

Nach einer grauenvollen Nacht voller Blut und Verbrechen steht Julia (Martina Gusman) auf, duscht, geht zur Arbeit. Erst als sie abends in ihre Wohnung zurückkehrt, muss sie sich der Realität stellen. Ihr Freund Ramiro (Rodrigo Santoro) liegt schwer verletzt in seinem Blut, sein Geliebter - der Vater von Julias werdendem Kind - ist erstochen.

Vom Tathergang liefern Julia und Ramiro unterschiedliche Versionen ab, beschuldigen sich gegenseitig. Ramiros Aussage führt schließlich dazu, dass Julia wegen Mordes zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird. In einem Teil des Gefängnisses, der Müttern mit ihren Kindern vorbehalten ist, bringt sie Sohn Tomas zur Welt. Und entdeckt, fast gegen ihren Willen und mit Hilfe von Marta (Laura García), die zwei Kinder in Gefangenschaft großgezogen hat und ihre Verbündete wird, ihre mütterlichen Gefühle.

Andere Mütter teilen Julias Schicksal (Foto: MFA (24 Bilder)) Großansicht

Andere Mütter teilen Julias Schicksal (Foto: MFA (24 Bilder))

Die Einsamkeit einer Mutter

Mit seinem Debüt "Mundo grúa" schlug Pablo Trapero 1999 hohe Wellen. Nun stellt der 37-jährige Argentinier mit seiner fünften Regiearbeit erstmals einen Film im Wettbewerb von Cannes vor. Sein eindringliches Drama befasst sich mit Mutterschaft, Einsamkeit und dem argentinischen Justizsystem.

Löwenkäfig

In seinem fünften Film findet der argentinische Filmemacher Pablo Trapero eine kraftvolle, ruhige, gleichsam vor Energie vibrierende Filmsprache. Getragen wird die erschütternde Geschichte einer ausgenützten jungen Frau, die um ihren im Gefängnis geborenen Sohn kämpft (und gewinnt), durch die unglaubliche Präsenz von Hauptdarstellerin Martina Gusman, der argentinischen Schwester (in Aussehen und Geiste) von Angelina Jolie.

Trapero, dessen Debüt "Mundo grúa" 1999 für Furore sorgte, verlässt sich ganz auf die sensationelle Performance seiner Frau Martina Gusman, die nicht nur in ihrer ersten Hauptrolle brilliert, sondern auch als ausführende Produzentin hinter Matanza Cine steht, der Produktionsfirma von ihr und ihrem Mann, in der seit 2002 alle Projekte des Filmemachers entstehen.

Gusman ist ein Vulkan. Anfangs ruht er - Julia geht zunächst durch ihr eigenes Leben, als fände es ohne sie statt. Nach einer grauenvollen Nacht voller Blut und Verbrechen steht sie auf, duscht, geht zur Arbeit. Erst als sie abends in ihre Wohnung zurückkehrt, muss sie sich der Realität stellen. Ihr Freund Ramiro liegt schwer verletzt in seinem Blut, sein Geliebter - der Vater auch von Julias werdendem Kind - ist erstochen. Vom Tathergang liefern Julia und Ramiro unterschiedliche Versionen ab, beschuldigen sich gegenseitig. Ramiros Aussage führt schließlich dazu, dass Julia wegen Mordes zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird. In einem Teil des Gefängnis, der Müttern mit ihren Kindern vorbehalten ist, bringt sie Sohn Tomas zur Welt. Und entdeckt, fast gegen ihren Willen und mit Hilfe von Marta, die zwei Kinder in Gefangenschaft großgezogen hat und ihre Verbündete wird, ihre (mütterlichen) Gefühle.

Julias Mutter, die seit Jahren im Ausland lebt, kehrt zurück, sucht erneut den Kontakt zur Tochter. Eine Machtprobe zwischen den beiden Frauen entscheidet die Mutter zunächst für sich: Sie will Tomas in Freiheit aufziehen und bringt ihn, nach einem Arztbesuch, nicht mehr ins Gefängnis zurück. Das ist der Moment, wo der Vulkan explodiert. Die ganze Wut und Trauer über ihr eigenes, verpfuschtes Leben entlädt sich in Julias Kampf um ihren Sohn. Die Jahre hinter Gittern haben sie zur Kämpferin gemacht, und zu einer Frau, die weiß, was sie will: eine Zukunft in Freiheit, zusammen mit ihrem Sohn.

Mit einem wunderbaren Ende, um das man unendlich lange Sekunden bangt, schließt Trapero, mit seinem zweiten Film "El Bonaerense" 2002 in Un Certain Regard, eine vielschichtige Geschichte um Beziehungen, Einsamkeit und Eingesperrtsein ab. Von Männern missbraucht, von der Mutter verraten, werden Julia die Mitgefangenen zur Familie. Unauflösbar scheint der Konflikt, der den Film speist: unschuldige Kinder verlieren ihre Freiheit, weil sie bei ihren inhaftierten Müttern aufwachsen. Die wiederum für das Wohl der Kleinen zu allem bereit sind. Die meisten Aufnahmen entstanden im Hochsicherheitstrakt von Gefängnissen in der Provinz Buenos Aires. Fast vier Monate lang arbeitete das Filmteam hinter Gefängnismauern, viele Wächter und Insassen spielten sich selbst.

Koproduziert von Walter Salles, wird diese neue Julia - nach Erick Zoncas Berlinale-Beitrag - für (kontroversen) Gesprächsstoff sorgen. Gusman jedenfalls empfiehlt sich mit ihrer schauspielerischen Tour de force - ihr zur Seite stehen Rodrigo Santoro ("Behind the Sun") und Sängerin Elli Medeiros - bereits jetzt als Palmenanwärterin.

Wie "Stadt der Blinden" liefert auch "Leonera" Bilder aus dem geschlossenen Raum, der Anstalt, aus der (Gefängnis)-Höhle der Löwinnen (so die freie Übersetzung des Titels). Nach dem nicht ganz überzeugenden "Stadt der Blinden" der eigentliche, Cannes-gerechte Festivalstart. Fortsetzung folgt: wie Trapero an der Croisette ankündigte, will er mit seinem nächsten Projekt "Pampas" weiter auf "Leoneras" Spuren wandern. boe.

Darsteller:  Martina Gusman   als Julia
  Elli Medeiros   als Sofia
  Rodrigo Santoro   als Ramiro
  Laura García   als Marta
  Leonardo Sauma   als Casman
 
Regie:  Pablo Trapero  
Buch:  Alejandro Fadel  
  Martin Mauregui  
  Santiago Mitre  
  Pablo Trapero  
Kamera:  Guillermo Nieto  
Produzent:  Youngjoo Suh  
  Pablo Trapero  
 

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