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Lost in Translation

Zwei einsame Seelen treffen sich in Sofia Coppolas zweitem Film an einer Hotelbar in Tokio und entdecken eine außergewöhnliche Freundschaft.


Lost in Translation

Leihvideo

Erhältlich seit:
24.06.2004

Drama/ Komödie

USA 2003
Laufzeit: 98 Min.
FSK: ab 6

Bill Murray
Scarlett Johansson
Giovanni Ribisi

Regie: Sofia Coppola
Highlight Communications (Deutschland)

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In weiter Ferne so nah! Bill Murray in der hinreißendsten Liebeskomödie seit es Kulturschocks gibt.

Bob ist ganz allein im Großstadt-Dschungel (Foto: Constantin) Großansicht

Bob ist ganz allein im Großstadt-Dschungel (Foto: Constantin)

Reisen bildet. Meistens erfährt man dabei auch etwas über sich selbst. Und je weiter man wegfährt, desto klarer wird das eigene Bild.

Der alternde Fernsehstar Bob Harris (Bill Murray) muss dafür bis nach Tokio fliegen. Dort soll er einen Werbespot drehen und schlittert dabei über Jet Lag und Kulturschock in eine Persönlichkeitskrise, die sich gewaschen hat.

Irgendwo zwischen Kauderwelsch schreienden Regisseuren, hyperaktiven Agentur-Damen und dem ganz normalen Wahnsinn der hektischen Millionenstadt erkennt er, wie hoffnungslos ihm das eigene Leben entglitten ist.

Charlotte ist genauso einsam wie Bob (Foto: Constantin) Großansicht

Charlotte ist genauso einsam wie Bob (Foto: Constantin)

Mehr als nur Freunde

Zufällig trifft Bob in der Hotelbar auf die junge Charlotte (Scarlett Johansson), die ebenfalls in der Krise steckt. Meist von ihrem arbeitenden Mann (Giovanni Ribisi) alleine gelassen, zweifelt sie an ihrer Ehe. Behutsam entwickelt sich mehr als Freundschaft zwischen den beiden... Einsamkeit, Sehnsucht und die - unmögliche - Liebe!

Dass "Lost in Translation" auch ein lustiger Film ist, verdanken wir neben dem erstklassig aufspielenden Bill Murray vor allem Regisseurin Sofia Coppola ("The Virgin Suicides"). Mit sicherem Blick für Details und Situationskomik inszeniert sie den Kontrast zwischen westlichem und japanischem Zivilisations-Kodex als Kulisse für ihre bezaubernde Liebesgeschichte.

Lost in Translation

Sofia Coppola mag Venedig - und Venedig mag sie. 1998 besuchte sie mit ihrem Kurzfilm "Lick the Star", 1999 mit ihrem Spielfilmdebüt "The Virgin Suicides" das Festival auf dem Lido der Lagunenstadt. Dieses Jahr hatte die Tochter von Francis Ford Coppola "Lost in Translation" im Gepäck, der in der (zweiten) Wettbewerbsreihe Controcorrente zur Aufführung kam und von Publikum wie Kritik mit viel Beifall und Szenenapplaus bedacht wurde. Formal makellos gestaltet und mit Bill Murray sowie Scarlett Johansson ideal besetzt, scheint diese somnambule, streckenweise urkomische Beziehungsstudie fürs Arthousepublikum maßgeschneidert.

Grundidee, so Coppola, die auch das durchdachte, präzise getimte Drehbuch geschrieben hat, waren ihre Erfahrungen mit den Auswirkungen des Jet-Lag: "Diese Momente, in denen man plötzlich mitten in der Nacht hellwach in einem Hotelbett liegt und darüber nachzudenken beginnt, ob man sein Leben richtig lebt." Genau mit dieser Frage sieht sich ihr liebenswerter (Anti-)Held Bob Harris (Murray) konfrontiert, ein abgehalfterter US-Star, der von Los Angeles nach Japan reist, um in einen überaus gut bezahlten Whisky-Spot mitzuwirken. Gerädert und übernächtigt checkt er ins Tokioter Park Hyatt ein, wo er zunächst nur eins will - richtig ausschlafen. Doch seine innere Uhr tickt anders, der Schauspieler wälzt sich unruhig auf dem Laken herum, zappt sich durch unverständliche TV-Programme - darunter die lächerlich anmutende Synchronfassung einer seiner alten Leinwandhits - und telefoniert mit seiner Frau, die ihm eine Entscheidung für eine neue Teppichbodenfarbe abzuringen versucht. Entnervt zieht sich Bob wieder an und geht in die Hotelbar, wo er Charlotte (Johansson) trifft. Die junge Amerikanerin, frisch verheiratet mit einem erfolgreichen, eitlen Fotografen (überzeugende Nervensäge: Giovanni Ribisi) steht auch vollkommen neben sich. Todmüde, vom rastlosen Mann allein gelassen, den fremden Eindrücken hilflos ausgesetzt, kommt sie mit ihrem Leidensgenossen ins Gespräch.

Was auf den ersten Blick wie eine gegen den Strich gebürstete Liebesgeschichte aussieht - O-Ton Johansson: "Lassen sie sich nicht täuschen, sie haben es hier nicht mit "Die Brücken am Fluss" zu tun" -, ist in Wirklichkeit die Studie eines in die Jahre gekommen Mannes, der plötzlich erkennt, dass sein Leben aus dem Ruder gelaufen ist. Er hat zwar Geld, Kinder, ist berühmt, doch das Glück, die Zufriedenheit fehlen. Im Neongleißenden Lichtermeer der sich ewig in Bewegung befindenden japanischen Metropole, in Glückspiel- und Automatenhallen, in Karaoke-Bars und Sushi-Restaurants mit unverständlichen Speisekarten erkennt er, dass er zum Fremden im eigenen Leib geworden ist, während in seiner Begleiterin allmählich der Zweifel keimt, ob sie den Richtigen geheiratet hat. Das erzählt die Filmemacherin mit leichter Hand, nutzt geschickt ihren exotisch anmutenden, von Lance Acord in kalten Farben fotografierten Schauplatz und räumt dem legendären Ex-SNL-Zugpferd Murray ("Und täglich grüßt das Murmeltier") viel Platz ein, sein ernstes wie komisches Talent unter Beweis zu stellen. Mal ist er zum Schreien witzig, etwa wenn er Roger Moore alias James Bond imitiert oder gewisse Schwierigkeiten damit hat, den scheinbar endlosen Regieanweisungen seines japanischen Clipregisseurs zu folgen, mal nur zu tiefst bemitleidenswert, wenn er beispielsweise krampfhaft versucht, mit asiatischen Höflichkeitsriten zu Rande zu kommen.

"Lost in Translation" - der Titel ist durchaus wörtlich zu verstehen - ist eine schauspielerische tour de force, bei der Johansson Murray in nichts nachsteht, eine bitter-süße Romanze und ein kluger Beitrag zum Thema menschlicher Entfremdung. Sofia Coppola, als Schauspielerin in "Der Pate III" böse verlacht, hat sich als Regisseurin (erneut) bewiesen und mit dieser innovativen, stilsicheren Low-Budget-Arbeit endgültig einen Nischenplatz in Hollywood gesichert. geh.

Darsteller:  Bill Murray   als Bob Harris
  Scarlett Johansson   als Charlotte
  Giovanni Ribisi   als John
  Anna Faris   als Kelly
  Fumihiro Hayashi   als Charlie
  Catherine Lambert   als Jazz-Sängerin
 
Regie:  Sofia Coppola  
Buch:  Sofia Coppola  
Musik:  Kevin Shields  
  Air  
  Brian Reitzell  
  Roger Joseph Manning Jr.  
  William Storkson  
Kamera:  Lance Acord  
Produzent:  Ross Katz  
  Sofia Coppola  

Sexsucht, Drogen und Gewalt bei Bill Murray

Dabei wirkt er im Kino immer so sympathisch...

Das Lächeln ist nur Maske: Bill Murray (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Das Lächeln ist nur Maske: Bill Murray (Foto: Kurt Krieger)

Als sanftmütiger Altstar in "Lost in Translation" rührte Bill Murray seine Fans zu Tränen. Doch zwischen dem ruhigen weisen Mann, der Scarlett Johansson väterlicher Freund und vielleicht mehr war, und dem privaten Bill Murray liegen offenbar Welten. Bills Ehefrau Jennifer Butler Murray hat nach elf Jahren Ehe die Scheidung eingereicht. Die dazu vorgelegten Dokumente lesen sich geradezu teuflisch:

"Im Jahr 2006 zog die Familie Murray nach Sullivan's Island, um dem ständigen Ehebruch, seiner Abhängigkeit von Marihuana und Alkohol, seinen Gewaltausbrüchen und seiner Sex-Sucht ein Ende zu setzen."

Der Anwalt von Murrays Noch-Gattin, Robert Rosen, erklärt, dass der Umzug ins ruhige Hinterland im US-Bundesstaat South Carolina aber nicht den gewünschten Effekt gehabt habe. Murray habe auch dort nichts anbrennen lassen, sei oft mehrere Tage verschwunden, immer auf der Jagd nach Sex und Drogen. Er habe sogar oft das Land verlassen, ohne seine Ehefrau davon zu informieren, und habe auf diesen Reisen sexuelle Kontakte gepflegt, heißt es weiter. Zudem ist ein Szene aus dem Hause Murray beschrieben, in der Bill seine Frau ins Gesicht geschlagen habe und Jennifer anschrie, sie könnte froh sein, wenn er sie nicht umbringen würde.

Teure Entgleisungen

Das Paar hat vier Kinder im Alter von 15, 12, 11 und 7 Jahren. Jennifer Butler Murray beansprucht das alleinige Sorgerecht. Laut Ehevertrag muss Murray ihr einmalig sieben Millionen Dollar bezahlen und ein Haus für eine Million Dollar bereitstellen. Ansonsten war Gütertrennung vereinbart.

Weder Murray noch sein Anwalt haben die Vorwürfe bisher kommentiert. Für die Fans des Superstars ist das Ganze ein Schock. Zwar hatte es immer wieder Berichte von Kollegen gegeben, dass Murray sich am Set oft ziemlich danebenbenahm. Aber die Anschuldigungen seiner Ehefrau zeichnen ein verabscheuungswürdiges Bild des Schauspielers, der einst als Ghostbuster und Murmeltier-Reporter zum weltweit verehrten Kino-Sympathieträger wurde.

 

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