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Love Liza

Tragikomische One-Man-Show mit Philip Seymour Hoffman und Charakterstudie eines Witwers, der den Selbstmord seiner Frau auf höchst bizarre Art und Weise zu verdrängen sucht.


Love Liza

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Erhältlich seit:
24.05.2005

Drama

USA 2001
Laufzeit: 86 Min.
FSK: ab 12

Philip Seymour Hoffman
Kathy Bates
Jack Kehler

Regie: Todd Louiso
STUDIOCANAL Home Entertainment Germany

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Love Liza

Seit dem Selbstmord seiner Frau Liza steht Webdesigner Wilson neben der Spur. In der Arbeit eckt er an, mit der Schwiegermutter überwirft er sich, und antriebslos lässt er sich Privatleben gehen, beginnt gar, systematisch Benzingase zu konsumieren. Dabei trägt er stets einen Abschiedsbrief von Liza in seiner Tasche, unfähig ihn zu öffnen, aus Angst vor vielleicht noch mehr belastendem Inhalt. Einer zähen Arbeitskollegin und ihrem Modelbau-begeisterten Bruder gelingt es schließlich, Wilsons Muschelschale zu öffnen.

Mit Mut zu hässlichen Typen brachte es Philip Seymour Hoffman in profilierten Nebenrollen ("Punch-Drunk Love", "Red Dragon") zu einigem Ruhm, weshalb er nun auch mal die erste Geige spielen darf in einem gut beobachteten Charakterdrama mit zarter sarkastischer Würznote. Etwas viel Geschrei und klischeeträchtiges Schwiegermutter-Sohn-Gezage (Kathy Bates!), doch für die eine oder andere Regiesünde entschädigen eine taktvolle Meditation zum universellen Thema des Abschiednehmens und die überaus starken Darstellerleistungen.

Love Liza

Diese kuriose, kleine Charakterstudie ist all das, womit Philip Seymour Hoffman bereits in zahlreichen Nebenrollen Eindruck hinterlassen und sich bereits mehrfach als Schauspieler von Schwergewichts-Format bewiesen hat. Die aus der Feder seines Bruders Gordy Hoffman stammende, auf dessen gleichnamigem Bühnenstück basierende und bereits mit dem Drehbuchpreis beim Sundance Filmfestival ausgezeichnete bizarre Geschichte eines Durchschnittstypen, den der quälende und unerklärliche Selbstmord seiner geliebten Frau zu merkwürdigem Verdrängungsverhalten treibt, wurde von Erstlingsregisseur Todd Louiso liebevoll als stilles und unprätentiöses Porträt eines Verzweifelnden in Szenen gesetzt, dessen tragische Komik in jedem Moment anrührt.

Wilson Joels Frau hat soeben Selbstmord begangen. Jetzt bemüht sich Wilson eindrucksvoll um fröhliche Miene vor seinen Kollegen in einer kleinen Webdesign- Klitsche in einer mittelamerikanischen Kleinstadt und lässt mit aufgesetzter guter Laune und der Entscheidung, in das Hotel zurückzukehren, in der er und Liza ihre Flitterwochen verbrachten, bereits Zweifel an der Taktik seines Trauerverhaltens aufkommen. Denn selbst im hawaiianischen Strandparadies trägt Wilson in seiner Badehose die Frage nach dem Grund für Lizas Selbstmord - und ihren Abschiedbrief mit sich. Und weil er sich vor der Wahrheit beinahe zu Tode fürchtet, will ihm dieser paradoxerweise die Antwort nicht geben, nach der er verzweifelt sucht. Aber da gibt es noch Lizas Mutter Mary Ann (Kathy Bates), ein Bild von trauriger Ratlosigkeit, doch anstelle ihr in dieser Hinsicht Befriedigung zu verschaffen, beginnt Wilson bei seiner Rückkehr eine bizarre Odyssee der Verdrängung: Die Droge seiner Wahl ist Benzin, das er zunächst aus dem Tank seines Autos inhaliert und schon sehr schnell in größerer Dosierung und kleinen Kanistern an seiner Tankstelle erwirbt. Überrascht und beglückt von der Wirkung dieses Suchtmittels, lässt jeder tiefe Zug Wilson in einen benebelten Zustand jenseits von Gut und Böse fallen, den Lisa Rinzlers nuancierte Kameraarbeit mit flimmerndem Licht schwebend festhält. Auf der Flucht vor den tröstenden Avancen seiner Kollegin Maura (Sarah Koskoff), erfindet sich Wilson ein weiteres Hobby, das gleichzeitig das Alibi für den erhöhten Benzinverbrauch liefert und Nachfragen nach seinem Gefühlszustand erübrigt: Ferngesteuerte Modell-Flugzeuge. Eine Leidenschaft, die er mit einem dünnhäutigen älteren Mann, Denny (Jack Kehler), teilt, der wie aus dem Nichts vor Wilson Tür auftaucht und Ablenkung von allem Kummer versprechen will. Von diesem unbeeindruckt reist Wilson gar ins ländliche Louisiana, wo er die freundlichen Teilnehmer eines Modell-Speedboat -Wettbewerbs verstört, als er selbst in den See springt und um den Sieg schwimmen will. Wilsons immer kurioseres und von Verzweiflung gelenktes Verhalten entgeht schließlich auch nicht Chef und Schwiegermutter - zumal sein Engagement und seine Großzügigkeit gegenüber einem jugendlichen, drogenabhängigen Pärchen auf der Suche nach Schnüffelstoffen in der Kleinstadt nicht unbemerkt bleibt. Doch bevor der Film in Melodramatik versiegt, überrascht er auch am Ende mit einer stillen Melancholie, die der hinreißende Soundtrack von Jim O'Rourke bis zur letzten Sekunde untermalt und die in einer alles offen lassenden, beinahe hoffnungsvollen Katastrophe mündet.

Überhaupt gar nichts erzählt das Drehbuch über Wilsons und Lizas Vergangenheit, sondern verfolgt den Leidensweg des Witwers entsprechend dessen schwankender Emotionen und gefühlsmäßiger Überforderung mit einem unberechenbaren Zick-Zack-Kurs. Dominiert wird dieser von einem Hauptdarsteller, der sich rein äußerlich einmal mehr betont nachlässig zeigt, aber mit geradezu magnetischer Leinwandpräsenz eine lebendige und glaubwürdige Darstellung par excellence liefert, welche die einsame Verzweiflung eines zerbrochenen Mannes beschreibt, der sich zwischen Verdrängung und Selbstzerstörung auf tragische Weise verliert und dabei doch die Antworten, nach denen er sucht, in seiner Jackentasche trägt. cm.

Darsteller:  Philip Seymour Hoffman   als Wilson Joel
  Kathy Bates   als Mary Ann Bankhead
  Jack Kehler   als Denny
  Sarah Koskoff   als Maura Haas
  Erika Alexander   als Brenda
  Stephen Tobolowsky   als Tom Bailey
  Shannon Holt   als Angela Ryan
  Kevin Breznahan   als Jim
  J.D. Walsh   als Bern
  Wayne Duvall   als Shane
  Teagan Eley   als Jen
  Morgan Grace Jarrett   als Stacey
  Joanne Pankow   als Emily
 
Regie:  Todd Louiso  
Buch:  Gordy Hoffman  
Musik:  Jim O'Rourke  
Kamera:  Lisa Rinzler  
Produzent:  Chris Hanley  
  Fernando Sulichin  
  Ruth Charny  
  Jeff Rota  
 

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