
Die Erlösung eines selbstzerstörerischen, nicht nur körperlich schwer verwundeten Mannes durch die Liebe thematisiert das Regiedebüt von Paul Auster. Unverkennbar sind die literarischen Wurzeln des 52jährigen Autors - ein poetischer Ton, der seine Realität und Illusion verschmelzende, durch Magie katalysierte Lovestory zwischen einem älteren Mann und einer jungen Frau bis zu ihrem tragischen Ende begleitet. Die kommerziellen Chancen dieser geheimnisvollen, anspruchsvollen, aber nie betonschweren romantischen Fantasie profitieren von Austers gerade auch durch "Smoke" gewachsenen Bekanntheitsgrad. Besonders aber von der zunehmenden Popularität Harvey Keitels, dessen Darstellung hier schmerzlich berührt.
Daß der Autor beim Schreiben seines Drehbuchs an seinen Freund Wim Wenders als Regisseur dachte, verwundert nicht, denn "Lulu on the Bridge" ist ein Seelenverwandter von "Himmel über Berlin". Eine was-wäre-wenn-Spekulation über ein zweites Leben, in der auch eine Art himmlische Gewissensinstanz (Willem Dafoe als mysteriöser Dr. Van Horn) den Menschen in Keitels Figur Izzy Maurer und damit vielleicht sogar seinen Anspruch auf das Geschenk der Liebe überprüft. Denn dieses ist dem schwierigen, cholerischen Jazzmusiker, der nach einer gefährlichen, auf der Bühne erlittenen Schußverletzung nie wieder spielen kann, zugefallen. In der Aktentasche eines Toten fand Izzy die Telefonnummer der jungen Schauspielerin Celia (Mira Sorvino) und einen rätselhaften Stein, der die beiden Fremden schon bei ihrer ersten Begegnung untrennbar verschweißt. Das Empfindungen intensivierende, euphorische Glücksgefühle produzierende magische Objekt verändert die Persönlichkeit von Keitels klassischem Verlierer. Bewirkt eine positive Reinigung, die Auster nur scheinbar pessimistisch enden läßt. Denn der Tod Celias, die in Irland als Lulu in einer neuen Version von Wedekinds "Büchse der Pandora" vor der Kamera steht (auch Louise Brooks war einst für G.W. Papsts Original von Amerika nach Europa ausgezogen) und von Dafoe des Steins wegen verfolgt wird, erweist sich als Illusion wie auch das gewonnene Leben Izzy Maurers. Doch Austers poetischer Gedanke, daß Begegnung und Veränderung auch über Träume erfahren werden können, nimmt diesem ruhigen, mitunter auch lethargischen, am Ende bewegenden und nachdenklichen, ganz im Milieu von Literatur, Theater, Kino und Musik angesiedelten Film, in dem sich große Namen (Mandy Patinkin, Vanessa Redgrave) mit kleinen Rollen begnügen, seine Hoffnungslosigkeit. kob.