Anfang der 90er-Jahre hatte Madonna nur eines im Sinn: Sex. Deswegen war ihre Bühnenshow von 1993 auch ihre erotischste überhaupt.
In den 80er-Jahren war Madonna ein kometenhafter Aufstieg zur globalen Pop-Queen gelungen. Dabei hatte sie zu allen Zeiten die Zügel in der Hand behalten - sie spielte ein immerwährendes Spiel mit Rollen- und Medienerwartungen, blieb aber zu jedem Zeitpunkt Herrin dieses Spiels. Allein diese Machtposition kam in der männerbestimmten Musikbranche einem Tabubruch gleich. Als sie nun diese Grenzen durchbrochen hatte, machte sie sich auf die Suche nach weiteren Tabus, die es noch zu brechen galt. Und entdeckte den eigenen Körper. So kamen 1992 ein Album mit dem Titel "Erotica" und ein Buch mit dem Titel "Sex" heraus. Mit der Musik aus ersterem und dem Körperverständnis aus letzterem ging sie im darauf folgenden Jahr auf ihre bislang aufwändigste Konzertreise. Auch in Frankfurt war damals ein Konzert angesetzt, aber wegen angeblicher technischer Probleme wurde es frühzeitig abgesagt. Gerüchte besagten jedoch, dass den deutschen Behörden Madonnas damaliges Bühnenprogramm, dem sie den so schön unschuldig klingenden Namen "The Girlie Show" gegeben hatte, schlichtweg zu heiß war. Und in der Tat ist die DVD in Deutschland mit der FSK-Freigabe 18 versehen (in England beispielsweise ist sie frei ab 15 Jahren). Glücklicherweise entstand in Sydney ein mitreißender Mitschnitt des erotisch aufgeladenen Programms, der nun auf DVD zu bewundern ist. Zwar sind aus heutiger Sicht die nur mit Hot Pants bekleidete Tänzerin, die den 112-minütigen Akt eröffnet, und einige lesbische Spielchen der Tänzerinnen eher harmlos, aber als aufregende und stimmige Bühneninszenierung funktioniert "The Girlie Show" noch immer. Zusammen mit der "Drowned World"-Tour von 2001 lieferte Madonna damit ihre wohl beste Performance ab, weil einfach alles stimmte: die Musik, die Inszenierung und der Sex.
Quelle: musikwoche.de