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Leihvideo
Erhältlich seit:
03.06.2005
Originaltitel: Un long dimanche de fiançailles
Frankreich/USA 2004
Laufzeit: 128 Min.
FSK: ab 12
Audrey Tautou
Gaspard Ulliel
Jean-Pierre Becker
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Warner Home Video Germany

Die fabelhafte Welt des Jean-Pierre Jeunet: Nachdem er bereits in seinem Sensationshit "Die fabelhafte Welt der Amélie" vor drei Jahren die Liebe gegen alle Widrigkeiten triumphieren ließ, setzt er auch im Nachfolger auf große Gefühle und die Unwiderstehlichkeit seines "Amélie"-Stars Audrey Tautou. Ambitionierter und aufwändiger als der Vorgänger und mit einem Budget von 47 Mio. Euro ist "Mathilde - Eine große Liebe" eine der teuersten europäischen Produktionen aller Zeiten - und in allen Belangen französisch, auch wenn sie laut gerichtlicher Entscheidung nicht als heimische Produktion anerkannt wird. Jeunet erzählt darin in dem für ihn typischem, vor Fabulierlust und skurrilen Humor überbordenden Stil von einer jungen Frau aus der Provinz, die auch zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs nicht glauben will, dass ihr Verlobter auf dem Schlachtfeld in den Tod geschickt wurde.
Die Leinwand, auf der er malt, ist größer, die Geschichte ist ernster und epischer, die Jeunet zur Verfügung stehenden Mittel vielfältiger. Doch trotz der erkennbar gewachsenen Ambition und des insgesamt düstereren Tons ist "Mathilde" unverkennbar ein Film von Jeunet, der wie in "Amélie" auf einen allwissenden und omnipräsenten Erzähler und zahllose erzählerische Umwege setzt, mit denen schlaglichtartig Hintergründe über Figuren, Orte und Begebenheiten angerissen werden. Anders als in seinem weltweit gefeierten Durchbruch, eine Ode an Paris, zusammengesetzt aus einem drolligen Sammelsurium von Einfällen, Erinnerungen und Klischees zu einer Art finalem Puzzle, rankt sich die Liebe hier um eindeutig Handfesteres, den Ersten Weltkrieg.
Ihm bringt der Filmemacher auch jederzeit den gebührenden grimmigen Ernst entgegen: Seit "Wege des Ruhms" hat kein Film mehr Agonie, Schmerz und Leid der Soldaten im ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts so präzise und unerbittlich dargestellt wie "Mathilde". Anfangs mögen die verrückten Ausflüge der Fantasie, mit denen Jeunet seinen Film immer wieder dem dreckverklumpten Jammertal der Schützengräben entreißt, zuviel oder gar unangemessen erscheinen. Tatsächlich aber lindern die rasend montierten Anekdoten nie den Horror: Indem er Glück und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Tod aufeinanderprallen lässt, forciert Jeunet den Schrecken sogar noch.
Wie gleich in der ersten Szene des Films, in dem fünf junge Männer im Januar 1917 in den sicheren Tod in einem zwischen Franzosen und Deutschen heftig umkämpften Schlachtfeld geschickt werden, weil sie sich selbst verstümmelt haben, um dem Wahnsinn des Krieges zu entfliehen. Einer der Fünf ist Manech, Sohn eines Leuchtturmwärters, der Verlobte von Mathilde, die nicht wahr haben will, dass ihr Geliebter tot sein soll. Sie schickt einen Detektiv, die Wahrheit über die nur unklar übermittelten Ereignisse von Bingo Crepuscule - wie das französische Frontlager genannt wird, zu entschlüsseln und macht sich gleichzeitig selbst auf den Weg, Manech zu finden. In einem mutigen, ambitionierten und gewagten filmischen Drahtseilakt führt Jeunet die Elemente des Kriegsdramas und das Liebesmärchens in einer brillant konzipierten Detektivgeschichte zusammen, die das Massaker im Januar 1917 bis zu ihrer verblüffenden Auflösung immer wieder in einem anderen Licht dastehen lassen.
Überhaupt ist Jeunets perfekte Handhabung filmischer Mittel Ehrfurcht gebietend. In der unvergesslichsten Szene lässt er in einem zum Lazarett umfunktionierten Warenlager einen dort verstauten Zeppelin wie in Zeitlupe nach oben schweben, um den Mechanismus einer im Dach steckenden Fliegerbombe auszulösen und eine unfassbare Flammenhölle zu entfesseln. Dass die handelnden Figuren, die eigentlich bezaubernde Mathilde eingeschlossen, in diesem Szenario bisweilen zu Marionetten degradiert werden und der Film so sein emotionales Potenzial nicht komplett entfalten kann, ist verzeihlich in einem Epos, das allein mit seiner visuellen Wucht begeistert. Weil die Figuren, neben der rehäugigen Tautou u. a. von Jodie Foster, André Dussollier, Tcheky Karyo und Jeunet-Regular Dominique Pinon (als Mathildes Vater), allerdings etwas in der Luft hängen und vor allem der vermisste Manech in seinen wenigen Rückblenden wenig charismatisch skizziert wird, fällt es womöglich schwer, "Mathilde" in gebührendem Maß zu lieben - was dem Abschneiden am Boxoffice keinen Abbruch tun sollte, wie die Ergebnisse aus Frankreich nachhaltig unterstreichen. ts.
| Darsteller: | Audrey Tautou | als Mathilde | |
|---|---|---|---|
| Gaspard Ulliel | als Manech | ||
| Jean-Pierre Becker | als Lieutenant Esperanza | ||
| Dominique Bettenfeld | als Ange Bassignano | ||
| Clovis Cornillac | als Benoît Notre Dame | ||
| Marion Cotillard | als Tina Lombardi | ||
| Jean-Pierre Darroussin | als Benjamin Gordes | ||
| Julie Dépardieu | als Véronique Passavant | ||
| Jean-Claude Dreyfus | als Commandant Lavrouye | ||
| André Dussollier | als Rouvières | ||
| Ticky Holgado | als Germain Pire | ||
| Tchéky Karyo | als Captain Favourier | ||
| Jerôme Kircher | als Bastoche | ||
| Denis Lavant | als Six-Sous | ||
| Chantal Neuwirth | als Bénédicte | ||
| Dominique Pinon | als Sylvain | ||
| Jean-Paul Rouve | als Postbeamter | ||
| Michel Vuillermoz | als Louis | ||
| Thierry Gibault | als Lieutenant Estrangin | ||
| Jodie Foster | als Elodie Gordes | ||
| Regie: | Jean-Pierre Jeunet | ||
| Buch: | Jean-Pierre Jeunet | ||
| Guillaume Laurant | |||
| Musik: | Angelo Badalamenti | ||
| Kamera: | Bruno Delbonnel | ||
| Produzent: | Francis Boespflug | ||
Mathilde - Eine große Liebe in der Fotoshow
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch DD 5.1, Französisch DD 5.1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Dt. f. Hörg., Engl. f. Hörg., Hebräisch, Norwegisch
Bildformat: 1:2,40/16:9
Extras: Audiokommentar
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