
Was ist ein bester Freund und wie finde ich ihn? Dieser Frage geht Patrice Leconte mit wunderbaren Schauspielern, Humor, Warmherzigkeit und Originalität nach.
Für den skrupellosen Antiquitätenhändler François läuft alles bestens. Sein Terminkalender ist randvoll, fast täglich Geschäftsessen, eine pflegeleichte Frau, die kommt und geht wie er will. Sentimentalität kennt er nicht. Dass ausgerechnet er bei einer Auktion für sündteures Geld eine Vase ersteigert, die Achilles aus Trauer um seinen toten Freund Patroklus mit Tränen füllte, erstaunt nicht nur seine Geschäftspartnerin, die sich nicht vorstellen kann, dass bei François' Tod auch nur ein Mensch eine Träne verdrückt. Sie schließen eine Wette ab: In zehn Tagen soll er ihr seinen "besten Freund" präsentieren oder die Vase gehört ihr. Flugs erstellt der Geschäftsmann eine Liste von so genannten "Freunden". Schon beim ersten beißt er auf Granit, man sei Konkurrenten, so die kühle Aufklärung. Lehrbücher, Anrufe beim Psychologen und Besuche einschlägiger Veranstaltungen bleiben erfolglos. Kein Buddy weit und breit. Nur der kauzige Taxifahrer, der davon träumt, bei einer Ratesendung mitzumachen, hat uneigennützig ein Ohr für seine Sorgen und verrät ihm die nötigen Eigenschaften um Freunde zu bekommen: sympathisch, freundlich, aufrichtig. Unter seiner Anleitung legt der Kunstexperte los und muss einen Dämpfer nach dem anderen einstecken, selbst die Lokalrunde kommt nicht an. Freundschaft ist eben nicht käuflich.
Mit zärtlichem Blick zeichnet Patrice Leconte die Annäherung zwischen den grundverschiedenen Männern, die ihre Einsamkeit kaschieren - der eine durch ständige Flucht in die Arbeit, der andere durch unerschütterliche Freundlichkeit. Kein konventionelles Heldengespann, sondern ein Duo mit Ecken und Kanten. Der Knackpunkt der Dramödie ist die Unfähigkeit des im Leben reüssierten Protagonisten, ohne Kalkül auf einen anderen Menschen einzugehen, immer nur eine emotionale Kosten-Nutzen-Rechnung zu betreiben - typisch für unsere Zeit. Ein guter Griff sind die Schauspieler: Kein unattraktiver Muffel spielt den egozentrischen Intellektuellen (der sogar die Beerdigung nutzt, um der Witwe eine alte Kommode abzuschwatzen), sondern ein vordergründig offener und charmanter Daniel Auteuil, der in dem pausenlos strahlenden und offenherzigen Naivling Dany Boon Gegensatz und Ergänzung findet. Gemeinsam einsam. Tragik und Komik menschlicher Existenz liegen bei diesem bewegenden Thema nahe beieinander. Und wenn am Ende der originellen Fabel über Freundschaft der einfache, gesellige Kerl und der arrogante Pariser Snob sich ohne Wenn und Aber akzeptieren, dann hat Patrice Leconte mal wieder seinen sicheren Instinkt für erlesene Charakterzeichnung bewiesen. mk.