
Frei nach George Taboris berühmtem Theaterstück teilt sich der junge Hitler in dieser tragikomischen Groteske ein Zimmer mit zwei Juden.
Vor 20 Jahren sorgte George Tabori am Theater für Aufregung: Ein gallige Farce, die vollkommen surreal vom - fiktiven - Zusammentreffen des jungen Hitler mit zwei Wiener Juden handelte, die das Gute wollten und damit doch nur das Böse schufen. Urs Odermatt hat die Parabel nun nicht ganz reibungsfrei in einen Film übersetzt, dem man seine Herkunft deutlich anmerkt und der sich von einer Satire in eine Groteske gewandelt hat. Die guten Darsteller - Tom Schilling als armseliger Adolf, Götz George als väterlicher Schlomo, dazu diverse Theatergrößen - überzeugen in der historisch denkbar unkorrekten Komödie, die dermaßen mit Hinweisen auf die späteren Monstrositäten der Nazis gespickt ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.
Jüdischer (Galgen)Humor ist der Tonfall, mit dem die rastlose Kamera und Montage ins derbe Milieu Wiens kurz nach der Jahrhundertwende führen. Hier landet der ausgemergelte Hitler, ein wehleidiger Wirrkopf, den keiner ernst nimmt, erst recht nicht die beiden Juden Schlomo und sein Freund Lobkowitz (Bernd Birkhahn), bei denen sich das zitternde Bürschchen im Obdachlosenheim einquartiert. In der Blutgasse. Der gutmütige Schlomo Herzl nimmt sich dem verschreckten Adolf väterlich an, unterstützt seine Bewerbung bei der Akademie, bringt ihn - absichtlich wie unabsichtlich - auf fast alle ikonischen und thematischen Ideen, auf denen der Diktator Jahre später seine Schreckensherrschaft errichten wird. Obendrein klaut der undankbare Hitler den Titel von Herzls Autobiografie "Mein Kampf", während er seine Aggressionen in Hass auf den "jüdischen Abschaum" kanalisiert und sich gewaltbereiten Nationalisten anschließt. Dessen ungeachtet nährt der friedliche Gutmensch Schlomo weiterhin eine Schlange an seiner Brust, was das Verhängnis seines ganzen Volkes widerspiegelt.
Es ist ein farbiges Psychogramm, das Hitler mit allen Unsympathien, Komplexen, Neurosen und Pathologien spickt, die man sich nur denken kann, und das dazu wahllos Zitate aus späteren Reden einstreut. Weniger wäre mehr gewesen, auch wenn Tom Schilling ("Napola") seinen fahrig-ehrlosen Part mit aller Manier auskostet. Götz George als pazifistischer, herzensguter Lebenskünstler und Ersatzvater, der immer eine Lebensweisheit kennt und das erste Opfer von Hitlers Antisemitismus wird, läuft zu großer Form auf. So sind es vor allem die Charaktere und weniger die eher zwanglose Inszenierung, die selten zur Groteske verdichtet, die diesem dämonischen Schwank ihren Stempel aufdrücken. tk.