
Wer glaubt, dass mit "American Pie" die Bad-Taste-Teenkomödie ihren geschmacklosen Höhepunkt erreicht hat, sieht sich getäuscht - es geht durchaus noch deftiger. Wie der britische Clip-Regisseur Pat Holden in seinem Spielfilmdebüt beweist.
Am Anfang stehen verwackelte, grobkörnige und leicht unscharfe home movies: masturbierende, ejakulierende und sich erleichternde Tiere, Kinder, die vor einen Baum laufen, Tantchen, die rückwärts ins Blumenbeet stolpert und Opa, der plötzlich ohne Hose da steht... klassische Primetime-Unterhaltung, bekannt von den einschlägigen Privatsendern. Dazu erzählt Cooper - "American Pie"-Heroe Chris Klein - zunächst aus dem Off von seinem großen Bruder Ed, einem liebenswerten Loser, der die Welt nur durchs Videokamera-Objektiv kennt. Aus der Berufung wird Beruf, Hobby-Filmer Ed eine große Nummer im Werbegeschäft. Bis er seine Freundin beim Fremdgehen erwischt. Die gibt ihm daraufhin frech den Laufpass und mit seiner Kreativität im Job ist's vorbei. Den drohenden Rausschmiss kann Ed nur noch verhindern, wenn er am Montag Morgen eine sensationelle Kampagnenidee präsentiert. Schwierig, weil Cooper ausgerechnet für dieses Wochenende als Geburtstagsüberraschung eine Sex- und Sauftour organisiert hat.
Was sich wie eine Art Plot liest, entpuppt sich in Wahrheit als grob geknüpfter Handlungsstrang, der lediglich dazu dient, in kürzester Zeit möglichst viele Unappetitlichkeiten abzufeiern. Sperma wird geschluckt, geschleckt und geschleudert, Unterhemden halten in entsprechend gebräunten Toiletten als Klopapier her und zwecks Anmache wird auch schon Mal kräftig in den Aufzug gefurzt. Die Brüste der Damen wippen beim Sex offenherzig, nackte Popos bewegen sich bei selbigen schneller als Jockeys beim Kentucky Derby und eine Stripperin trägt eine Schambehaarung zur Schau, die weiland Angela Davis an ihrem Afro hätte zweifeln lassen. Die Gags sind weitgehend bekannt, nur so drastisch wie hier wurden sie noch nie gezeigt. Als "Kommentar" fungieren immer wieder zwischengeschnittene "America's Funniest Home Videos" - freilich nur die, die nie über den Bildschirm flimmern durften. Wir lernen: der Mensch ist ein Tier.
Regisseur Pat Holden und sein Team nehmen den schlechten Geschmack einen Schritt weiter. Wohl zur Freude der diesbezüglich verwöhnten Teenager-Zielgruppe, die auch mit dem Personal bestens vertraut sein dürfte: die Schlampe, die Verklemmte, die Zicke, der Versager, der Maulheld und schließlich der achiever, der Über-"Stifler", den Klein als höchst schlitzohriges Party-Tier mit viel Lust und Laune gibt. Überhaupt scheinen die Darsteller allesamt mit Spaß bei der Sache, erweisen sich als Meister in Sachen Kalauer und Flatulenz. Wer sich über diese Art Film erbost, ist ein "Jackass" - und hartgesottene Fans der gleichnamigen TV-Show kommen ganz sicher auf ihre Kosten. geh.