
Wenn ein Mann seine eigene Frau inszeniert und dann noch - trotz aller Dementis - persönliche Bezüge in die Geschichte einfließen, könnte das ein Schlag ins Wasser werden. Ist es aber nicht. Der Franzose Yvan Attal drehte nämlich keinen Film über seine Beziehung mit oder eine Art Tagebuch oder Dokumentation über Charlotte Gainsbourg, sondern erzählt von einem Paar, das ebenfalls Charlotte und Yvan heißt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sicherlich nicht ausgeschlossen.
Er ist Sportjournalist, sie Schauspielerin. Beide lieben sich, alles könnte so schön sein, leider gibt es einen wunden Punkt: Die Frau ist berühmt, der Mann fühlt sich in ihrem Schatten nicht genug anerkannt. Da kriegt er die Krise, wenn er seine Partnerin bei Liebesszenen auf der Leinwand sieht oder ihn Freunde mit anzüglichen Anmerkungen aufziehen oder ist tödlich beleidigt, wenn er mit der Platzreservierung im Restaurant abblitzt, Charlotte mit einem kleinen Telefonat aber sofort einen Tisch bekommt, begeisterte Fans sie auf der Straße und beim Essen umringen und um Autogramme fragen. Als Madame dann in England sich auch noch mit dem charmanten Oldie Terence Stamp vor der Kamera räkelt, packt den verunsicherten Kerl die totale Eifersucht und er führt sich auf wie ein Volltrottel. Geschickt zeigt Regiedebütant und Schauspieler Attal, den Produzent Claude Berri überzeugte, aus der schon vor acht Jahren geplanten Kurzfilmidee einen langen Spielfilm zu machen, den Unterschied zwischen grauer Theorie und Praxis, wenn es um tiefe Gefühle und oberflächliches Besitzdenken geht, die manchmal verwischte Grenze zwischen Wunsch und Wahrheit, Schauspielerei und Normalität. Da schließt sich der Frustrierte sogar einer Studententheatergruppe an, um dem Denken von Schauspielern auf die Schliche zu kommen und kapiert nur sehr langsam, was es heißt, etwas vorzutäuschen (oder auch nicht). Eigentlich hätte die zärtliche Story von zwei Menschen, die sich mögen und streiten und nach einigen Turbulenzen am Ende aber wissen, sie gehören zusammen, für einen humorvollen und unterhaltenden Spielfilm genügt. Verzichtbar daher der Subplot über jüdisches Familienleben und Beharren auf Traditionen à la Woody Allen. Seine Bewunderung für den Stadtneurotiker, Billy Wilder, Cukor, Spencer Tracy- oder Katherine Hepburn-Filme hinterlässt Spuren. Sobald Charlotte Gainsbourg im Bild auftaucht, zählen kleine dramaturgische Schnitzer nicht mehr. Aus der "kleinen Diebin" mit den berühmten Eltern Serge Gainsbourg und Jane Birkin ist eine sprühende und extrovertierte Darstellerin geworden, die ihre Hemmungen abgebaut hat, mit betörendem Charme und subtiler Erotik nicht nur den Filmpartnern den Kopf verdreht, sondern auch das Publikum auf ihre Seite bringt - trotz oder gerade weil manchmal die Angst zu ahnen ist, zu viel von sich preiszugeben. Mit "Meine Frau die Schauspielerin" macht Attal der aparten Aktrice, die er 1990 bei den Dreharbeiten zu Eric Rochants "Aux yeux du monde" (Entführung aus Liebe) kennenlernte, eine wunderbare Liebeserklärung. Diese bezaubernde "romantic comedy à la française" erobert hoffentlich auch bei uns die Herzen im Sturm. mk.