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Miami Vice

Die Kinoversion des Serienhits, den Michael Mann als intensiven Undercoverthriller in eine neue Richtung führt.


Miami Vice

Leihvideo

Erhältlich seit:
23.10.2008

Action/ Thriller

USA 2006
Laufzeit: 132 Min.
FSK: ab 16

Jamie Foxx
Colin Farrell
Gong Li

Regie: Michael Mann
Universal Pictures Germany

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Die Kultcops der Achtziger erobern das Kino: Die Stadt bebt, wenn Hit-Regisseur Michael Mann seine Stars in einem doppelbödigen Action-Thriller in die Nacht schickt.

Ricardo Tubbs und Sonny Crockett sind als Undercover-Cops immer hart am Limit (Foto: UIP) Großansicht

Ricardo Tubbs und Sonny Crockett sind als Undercover-Cops immer hart am Limit (Foto: UIP)

Rückblende auf eine Ära, in der der wohlstandsorientierte Markenmensch, kurz Yuppie, geboren wurde. Crockett & Tubbs (Don Johnson und Philip Michael Thomas) waren die Popkulturhelden dieser Dekade, posierten in Designerklamotten vor Sonnenuntergängen, hatten Affären mit heißen Frauen und fuhren die passenden heißen Schlitten, tarnten sich mit Luxus und Laster, um die Drogenszene Miamis zu infiltrieren und auszutrocknen.

Mit Kumpelatmosphäre, Hochglanzoptik und einem Soundtrack-Mix aus Charthits und Elektronikbeats entwickelte sich "Miami Vice" zum Kult. Mitverantwortlich dafür war Michael Mann - damals einer der Produzenten der Serie, heute einer der Top-Regisseure Hollywoods ("Collateral").

Das Cop-Duo aus Miami liebt gefährliche Nachteinsätze mit schnellen Booten und heißen Frauen (Foto: UIP) Großansicht

Das Cop-Duo aus Miami liebt gefährliche Nachteinsätze mit schnellen Booten und heißen Frauen (Foto: UIP)

Ein TV-Hit kommt groß raus

Der Mann, der bereits in den Achtzigern das Kinopotenzial der Miami-Cops spürte, bewies schon einmal, wie Fernsehen meisterlich Film werden kann. Seinen TV-Krimi "Made in L.A." veredelte er selbst zum Klassiker "Heat". In diesen Kategorien dachte er auch bei "Miami Vice". "Pimp My Show", wenn man so will.

Rein in Manns Werkstatt fährt ein cooler Serienhit. Raus kommt ein intensiver Undercoverthriller, der immer auf Speed ist. Tempo und Bewegung sind die Drogen des Films, ob nun die Cops eine Disco durchkreuzen, mit dem Ferrari über den Freeway rasen oder mit Booten übers Wasser fliegen. Die Story ankert in Miami, tourt aber auch zu exotischen Schauplätzen in Südamerika und der Karibik.

Sonny Crockett pflegt eine verhängnisvolle Affäre (Foto: UIP) Großansicht

Sonny Crockett pflegt eine verhängnisvolle Affäre (Foto: UIP)

Freund mit dem Feind

Kinohitzkopf Colin Farrell ist Sonny Crockett, der sich undercover in einen Ring eingeschleust hat, der Südflorida mit Drogen beliefert. Crockett spielt gern mit dem Feuer, auch in einer verhängnisvollen Affäre mit der Frau eines Drogenbarons (Gong Li) und droht, von dem Milieu, das er bekämpft, aufgesaugt zu werden. Ricardo Tubbs (Jamie Foxx) ist mit mehr Vernunft und einer festen Freundin gesegnet, ist undercover in die Dealergruppe vorgedrungen, die den Transport der Drogen organisiert.

Regisseur Mann, der viele Polizisten zu seinen Freunden zählt, zeigt, was beide Cops im Krieg gegen dieses Netzwerk investieren. Wie in "Heat" balanciert er Charakterskizzen, intime zwischenmenschliche Töne mit großen, aber realistisch bleibenden Actionszenen aus, die in intensiven Shootouts gipfeln. Ein Reizpaket für alle, die in der Hitze der Nacht ausschwärmen.

Miami Vice

17 Jahre nachdem Crockett und Tubbs ihre Marken abgaben, wird die kultige Action- und Fashionshow der Pastellprofis als konsequenter Undercoverthriller neu definiert.

Heroische Posen vor Art-Deko-Fassaden, nächtliches Cruising durchs Neonlicht, Hausbootidylle mit Krokodil, Body-Talk mit Bikini-Beauties oder Buddy-Talk mit lockeren onelinern - all das bleibt nostalgische Erinnerung, aus der sich Michael Mann, einer der Masterminds der Hitserie, nahezu völlig ausklinkt. Manns Faszination für das Profitum bei Verbrechern und Cops schlägt sich nach "Der Einzelgänger" und "Heat" nun in einem dritten Film nieder, der neben präsenten Darstellern, Intensität und Atmosphäre vor allem einen ökonomisch-professionellen Ansatz zu bieten hat. Ohne Vorgeplänkel taucht man mit Crockett (Colin Farrell), Tubbs (Jamie Foxx) und ihrem Team in einen Club mit pulsierenden Beats und kreisenden Modelhüften ein. Bevor man sich richtig orientieren kann, wird die Observierung eines Mädchenhändlers aufgegeben und der Zuschauer zu einem völlig anderen Schauplatz entführt. Nachdem Killer von der Arischen Bruderschaft mit ihren Geschossen Undercoveragenten vom FBI zerfetzten, sollen nun Crockett und Tubbs einen Maulwurf und den zentralen Drogenabnehmer eines südamerikanischen Kartells orten, für den die Bruderschaft arbeitet. Der Weg zum Ziel führt über die Lieferanten, über Kartellboss Jesús und seinen tollwütigen Mittelsmann José. Recht detailliert zeigt Mann Milieus, Atmosphäre und Vorgehensweise, wenn die Cops den Kontakt herstellen, bei Verhandlungen ihr Leben riskieren und schließlich dem misstrauischen José ihre Qualitäten als Drogenkuriere unter Beweis stellen. In diesen Passagen ersetzen faszinierende Wolkenflüge über den Golf von Mexiko und die Wasserfälle von Iquazu das legendäre Freeway-Cruising der Serie. Als schließlich der Deal mit den Südflorida-Abnehmern eingefädelt ist, wird ein anderer Schwerpunkt Manns immer deutlicher. So professionell auch beide Seiten arbeiten, so anfällig sind sie auch, wenn Privates das Geschäftliche infiltriert. Tubbs' Beziehung zu Kollegin Trudy muss extremem Druck standhalten, als sie von der Bruderschaft entführt wird. Crockett wird in seinen Loyalitäten getestet, als er die unnahbare Finanzchefin des Kartells erobert, die auch noch eine enge, risikomaximierende Beziehung zum Boss unterhält. Eine schöne Rolle für Gong Li, die man so ausgelassen und sinnlich im Kino noch nicht gesehen hat. So ist es schließlich banale Eifersucht, die große Geschäfte mit fatalen Folgen platzen lässt - von Mann in einer subtilen Sequenz angedeutet, die selbst das Monstrum José zu Gefühlen fähig zeigt. Viele Elemente der Show sind im Film nicht mehr präsent, andere finden sich wieder, wie Speedboat-Racing, der dominante Soundtrack (ein internationaler Mix mit dem Glasgow-Quartett Mogwai, dem britischen Duo Goldfrapp, der dänischen Blue Foundation etc.) und vor allem der Teamspirit von Crockett, Tubbs und Kollegen. In einer starken Sequenz, wie die meisten des Films in die Nacht platziert und ausgeleuchtet, als wäre man mit der eigenen Videokamera vor Ort, zeigt Mann die perfekte, harmonische Abstimmung des Teams bei der Befreiung Trudys. Ähnlich packend und zielorientiert ist der finale Shootout, mit dem Mann einen hochwertigen Nachfolger für seinen Schusswechsel aus "Heat" inszeniert. Für den Film insgesamt gilt das mit Abstrichen auch, obwohl Manns Drehbuch in Figuren, Dialogen und Dramaturgie nichts neu erfunden hat und wohl auch wegen Kürzungen weder zur Enttarnung des Maulwurfs noch zur Festsetzung des Mädchenhändlers zurückfindet. Bleibt nur zu wünschen, dass dieses Großprojekt ohne Gewaltexzesse, Destruktionsorgien und unpassenden Humor auch vom Publikum honoriert wird. kob.

Darsteller:  Jamie Foxx   als Detective Ricardo Tubbs
  Colin Farrell   als Detective Sonny Crockett
  Gong Li   als Isabella
  Naomie Harris   als Trudy Joplin
  Ciarán Hinds   als Fujima
  Justin Theroux   als Zito
  Barry Henley   als Martin Castillo
  Luis Tosar   als Montoya
  John Ortiz   als José Yero
  Elizabeth Rodriguez   als Gina Calabrese
  Domenick Lombardozzi   als Switek
  Eddie Marsan   als Nicolas
  Isaach De Bankolé   als Neptune
  John Hawkes   als Alonzo Stevens
  Tom Towles   als Coleman
  Mario Ernesto Sanchez   als El Tiburon
 
Regie:  Michael Mann  
Buch:  Michael Mann  
Musik:  John Murphy  
Kamera:  Dion Beebe  
Produzent:  Michael Mann  
  Pieter Jan Brugge  

Farrell opfert seine Freunde

Wer einmal über den Tod eines anderen Menschen bestimmen musste, wird nie wieder der selbe sein...

Charmebolzen Colin Farrell kann's auch ernst und dramatisch (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Charmebolzen Colin Farrell kann's auch ernst und dramatisch (Foto: Kurt Krieger)

So ergeht es Colin Farrell in seinem neuen Thriller "Triage". Als knallharter Fotoreporter tritt er darin mit einem Kollegen und einer Freundin eine hoch gefährliche Mission an - und kehrt davon alleine zurück.

Obwohl die Filmemacher bisher nicht mehr über die Handlung verraten wollen, lässt sich schon aus dem Titel des Projekts ein heikles Detail schließen: Im Militär bedeutet "Triage", dass in einer ausweglosen Situation entschieden werden muss, wer die beste Chance auf eine Rettung hat und wer vernünftigerweise als hoffnungslos aufgegeben werden muss. Derjenige, der diese Entscheidung trifft und damit ein Todesurteil fällt, hat meist für den Rest seines Lebens unter schweren posttraumatischen Gewissensnöten zu leiden, die ein normales Dasein so gut wie unmöglich machen.

Dracula auf dem Balkan

Dass der Film "Triage" dabei in einem Kriegsgebiet spielt, lässt sich am Namen des Regisseurs ablesen. Der Bosnier Danis Tanovic erzählte schon in "No Man's Land" von den Absurditäten des Krieges in seinem konfliktgeschüttelten Heimatland. Auch der Darsteller des Mannes, den Farrell wohl in den Tod schickt, ist bereits bekannt: Altstar Christopher Lee mimt Farrells Begleiter. Die beste Freundin des Reporters spielt Paz Vega, die in "Spanglish" Adam Sandler als Kindermädchen den Kopf verdrehte. Auch sie bleibt in "Triage" auf der Strecke.

Ein richtig anspruchsvoller Film also für Farrell, der zuletzt als gestylter Drogencop im "Miami Vice"-Kinofilm zu sehen war und der demnächst mit der finsteren Gaunerkomödie "Brügge sehen... und sterben?" ins Kino kommt.

 

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