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Milk

Gus Van Sants bewegendes biografisches Drama über Leben und Sterben des populären schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk.


Milk

Leihvideo

Erhältlich seit:
06.08.2009

Drama/ Biographie

USA 2008
Laufzeit: 128 Min.
FSK: ab 12

Sean Penn
Josh Brolin
Emile Hirsch

Regie: Gus Van Sant
Highlight Communications (Deutschland)

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Oscar-verdächtig: Sean Penn als schwuler Kämpfer für Gleichberechtigung im hippen San Francisco der 1970er Jahre.

Harvey Milk ist auf dem Weg nach oben (Foto: Constantin) Großansicht

Harvey Milk ist auf dem Weg nach oben (Foto: Constantin)

Er war der erste schwule amerikanische Stadtrat und kämpfte mutig für die Gleichberechtigung von Homosexuellen: Harvey Milk (Sean Penn). Mit seinem Freund Scott (James Franco) kam der New Yorker Anfang der 1970er Jahre nach San Francisco in die legendäre Castro Street, Treffpunkt der schwul-lesbischen Community und Multi-Kulti. Ihr Fotoladen entwickelte sich bald zum Zentrum der Bewegung.

Nach einigen vergeblichen Anläufen erhielt Harvey 1977 sein politisches Mandat, DIE Sensation in einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe noch als widernatürlich und krank galt, brave Bürger erbost gegen die "Sittenstrolche" demonstrierten. Doch der Traum des Vorreiters von Freiheit und Gerechtigkeit zerplatzte. Er starb gemeinsam mit dem Bürgermeister von San Francisco nach nur wenigen Monaten Amtszeit 1978 im Kugelhagel.

Die Demonstranten äußern offen ihre Meinung (Foto: Constantin) Großansicht

Die Demonstranten äußern offen ihre Meinung (Foto: Constantin)

Ein Mann mit Stärken und Schwächen

Mit großer Präsenz und gleichzeitig Zurückgenommenheit spielt Sean Penn den charismatischen Politiker und sanften Liebhaber, dessen private Beziehungen scheiterten. Er zeigt Milk als einen Mann mit Stärken, Fehlern und Schwächen, der das Leben und die Menschen liebte.

Für diese Super-Glanzleistung sollte der "Oscar" schon geputzt sein! Wie auch für Regisseur Gus Van Sant, der die tragische und leider immer noch aktuelle Geschichte mit emotionaler Wucht und Wut inszeniert, gemischt mit spannendem Archivmaterial. "Milk" ist mehr als ein Stück Zeitgeschichte auf Zelluloid und das berührende Porträt eines außergewöhnlichen Politikers, "Milk" ist großes Gefühlskino, ein "must see".

Milk

Harvey Milk war kämpferisch, charismatisch, mit Lust auch dramatisch. Gus Van Sants Rückkehr zum konventionelleren Erzählkino ist eine würdige Erinnerung an den 1978 ermordeten schwulen Aktivisten.

"The Times of Harvey Milk" war 1985 bereits Thema eines Oscar-gekrönten, gleichnamigen Dokumentarfilms. Über dieses Preispotenzial hinaus ahnt man, warum Oliver Stone die Ikone der US-Schwulenbewegung mit seinem Projekt "The Mayor of Castro Street" umkreiste, das derzeit unrealisiert bei Bryan Singer parkt. Milks Kampf um Entdiskriminierung war ein Ausläufer der Bürgerrechtsbewegung, er selbst eine von der konservativen Renaissance attackierte liberale Führungsfigur. Und Verschwörungstheorien findet man unter christlichen Fundamentalisten, die Homosexualität für den moralischen Niedergang Amerikas verantwortlich machen. In der "Milk"-Mania setzte sich Van Sant mit seinem bescheiden budgetierten Konkurrenzprojekt durch, das sich auf die letzten acht Lebensjahre dieser schillernden Persönlichkeit beschränkt.

Der Startschuss fällt 1970, als Milk Scott Smith (James Franco) kennen lernt. 1972 zieht das Paar in den Castro-Bezirk von San Francisco - damals noch keine idyllische Insel für Männer liebende Männer, sondern ein Ort, in dem die Cops ihre Verachtung offen zur Schau und Schwule zur Sicherheit Trillerpfeifen tragen. Sechs Jahre begleitet der Film Milks privates, vor allem aber politisches Leben. Diese Gewichtung spiegelt die Entwicklung der Titelfigur, die zwei Beziehungen nicht dauerhaft stabilisieren konnte, als mit der Popularität auch die Verantwortung wuchs. Milk brachte Gewerkschaften hinter sich, propagierte das Outing als Akt der Befreiung, widersetzte sich Initiativen gegen homosexuelle Pädagogen. Als er 1978 endlich in den Stadtrat gewählt wurde und damit als erster bekennender Schwuler ein politisches Amt bekleidete, führte er den kalifornischen Kampf stellvertretend für ein ganzes Land, das in der Diskriminierungs-Debatte brannte. Hier nun verdichtet sich die konservative Reaktion in einem Stadtratskollegen, der die Wege Milks und des Bürgermeisters mit tragischen Konsequenzen kreuzt. Nuanciert macht James Brolin aus dieser verhassten Reizfigur einen frustrierten Ohnmächtigen im Schatten eines smarten Showman, den Sean Penn komplexer als in seiner Oscar-Rolle in "Mystic River" sanft mit Leben erfüllt. Nach vier experimentelleren, stark atmosphärischen Filmen findet Van Sant zum Mainstream zurück, inszeniert eine anfangs leicht lethargische, dann leidenschaftlicher werdende, am Ende tief bewegende Zeitreise, die brisant bleibt. 30 Jahre nach Milks Tod kochte es in Kalifornien wieder, geriet die erkämpfte gleichgeschlechtliche Ehe unter konservativen Beschuss. The Times of Harvey Milk - they are a-changin'? kob.

Darsteller:  Sean Penn   als Harvey Milk
  Josh Brolin   als Dan White
  Emile Hirsch   als Cleve Jones
  Diego Luna   als Jack Lira
  Alison Pill   als Anne Kronenberg
  Victor Garber   als Bürgermeister George Moscone
  Denis O'Hare   als Senator John Briggs
  Joseph Cross   als Dick Pabich
  James Franco   als Scott Smith
  Lucas Grabeel   als Danny Nicoletta
  Brandon Boyce   als Jim Rivaldo
 
Regie:  Gus Van Sant  
Buch:  Dustin Lance Black  
Musik:  Danny Elfman  
Kamera:  Harris Savides  
Produzent:  Bruce Cohen  
  Dan Jinks  

Sean Penn drohen 18 Monate Haft

Schauspielen scheint dem Mimen mit dem Händchen für schwierige Charakterrollen in die Wiege gelegt. Selbstbeherrschung nicht.

Sean Penn: Oscar - ja, Friedensnobelpreis - nein. "Wenn der Pressefuzzi noch einen Schritt näher kommt, kriegt er ihn über den Schädel (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Sean Penn: Oscar - ja, Friedensnobelpreis - nein. "Wenn der Pressefuzzi noch einen Schritt näher kommt, kriegt er ihn über den Schädel (Foto: Kurt Krieger)

Nebst exzellenter Leistungen vor der Kamera - die ihm bisher nicht umsonst für "Milk" und "Mystic River" zwei Oscars eingebracht haben - ist Sean Penn vor allem für zwei Dinge bekannt: Notorisches Fremdgehen und schnelle Fäuste. Nachdem ersteres nicht strafbar ist und ihn bislang lediglich seine letzte Ehe gekostet hat, bringen zweitere ihn jetzt vermutlich in ernste Schwierigkeiten. Denn das ehemalige Enfant Terrible Hollywoods muss sich am 22. März vor Gericht dafür verantworten, einen Paparazzo mit Tritten und Schlägen die Freude an der Berufsausübung genommen zu haben.

Das kommt in Schauspielerkreisen zwar immer wieder vor. Nur achten die meisten seiner Kollegen bei solchen Ausrutschern darauf, dass während ihrer Attacken keine Kameras mitlaufen. Penn leider nicht - und so konnte der Kameramann eines Internetdienstes dessen Übergriffe live und in Farbe mitschneiden. Herunterspielen oder Vertuschen ist diesmal also nicht.

Richter haben keine Grund zur Milde für Sean Penn

Normalerweise drücken Richter bei solchen Vergehen gerne mal alle Augen zu - wohl wissend, dass skrupellose Berufspaparazzi vermutlich auch Mahatma Gandhi in einen paranoiden Tobsüchtigen hätten verwandelt können. Nur gehen ihnen bei Sean Penn rapide die Argumente aus: Nicht genug damit, dass der mittlerweile 49jährige in den 80ern aus Presse-Prügeln fast schon ein Hobby gemacht hat. Auch Statisten kamen schon mal in Reichweite seiner Fäuste - ganz zu schweigen von Ex-Ehefrau Madonna, die ihn auch schon wegen häuslicher Gewalt vor den Kadi zerrte.

Bis zu 18 Monate Haft drohen dem Streithahn nun, sollte das Gericht den Wutausbrüchen ein Ende setzen wollen. Allerdings ist selbst dann die Nachhaltigkeit der Disziplinarmaßnahme zu bezweifeln. Schließlich hatte Penn schon einmal wegen Handgreiflichkeiten 33 Tage im Gefängnis logiert - wenn auch vor über 20 Jahren. Aber vielleicht führt ja eine großzügigere Dosis im gereifteren Alter zum erwünschten Gewaltverzicht.

 

Milk in der Fotoshow

 

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