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Milk

Gus Van Sants bewegendes biografisches Drama über Leben und Sterben des populären schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk.


Milk

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Erhältlich seit:
13.08.2009

Drama/ Biographie

USA 2008
Laufzeit: 123 Min.
FSK: ab 12

Sean Penn
Josh Brolin
Emile Hirsch

Regie: Gus Van Sant
Highlight Communications (Deutschland)

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Oscar-verdächtig: Sean Penn als schwuler Kämpfer für Gleichberechtigung im hippen San Francisco der 1970er Jahre.

Harvey Milk ist auf dem Weg nach oben (Foto: Constantin) Großansicht

Harvey Milk ist auf dem Weg nach oben (Foto: Constantin)

Er war der erste schwule amerikanische Stadtrat und kämpfte mutig für die Gleichberechtigung von Homosexuellen: Harvey Milk (Sean Penn). Mit seinem Freund Scott (James Franco) kam der New Yorker Anfang der 1970er Jahre nach San Francisco in die legendäre Castro Street, Treffpunkt der schwul-lesbischen Community und Multi-Kulti. Ihr Fotoladen entwickelte sich bald zum Zentrum der Bewegung.

Nach einigen vergeblichen Anläufen erhielt Harvey 1977 sein politisches Mandat, DIE Sensation in einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe noch als widernatürlich und krank galt, brave Bürger erbost gegen die "Sittenstrolche" demonstrierten. Doch der Traum des Vorreiters von Freiheit und Gerechtigkeit zerplatzte. Er starb gemeinsam mit dem Bürgermeister von San Francisco nach nur wenigen Monaten Amtszeit 1978 im Kugelhagel.

Die Demonstranten äußern offen ihre Meinung (Foto: Constantin) Großansicht

Die Demonstranten äußern offen ihre Meinung (Foto: Constantin)

Ein Mann mit Stärken und Schwächen

Mit großer Präsenz und gleichzeitig Zurückgenommenheit spielt Sean Penn den charismatischen Politiker und sanften Liebhaber, dessen private Beziehungen scheiterten. Er zeigt Milk als einen Mann mit Stärken, Fehlern und Schwächen, der das Leben und die Menschen liebte.

Für diese Super-Glanzleistung sollte der "Oscar" schon geputzt sein! Wie auch für Regisseur Gus Van Sant, der die tragische und leider immer noch aktuelle Geschichte mit emotionaler Wucht und Wut inszeniert, gemischt mit spannendem Archivmaterial. "Milk" ist mehr als ein Stück Zeitgeschichte auf Zelluloid und das berührende Porträt eines außergewöhnlichen Politikers, "Milk" ist großes Gefühlskino, ein "must see".

Milk

Harvey Milk war kämpferisch, charismatisch, mit Lust auch dramatisch. Gus Van Sants Rückkehr zum konventionelleren Erzählkino ist eine würdige Erinnerung an den 1978 ermordeten schwulen Aktivisten.

"The Times of Harvey Milk" war 1985 bereits Thema eines Oscar-gekrönten, gleichnamigen Dokumentarfilms. Über dieses Preispotenzial hinaus ahnt man, warum Oliver Stone die Ikone der US-Schwulenbewegung mit seinem Projekt "The Mayor of Castro Street" umkreiste, das derzeit unrealisiert bei Bryan Singer parkt. Milks Kampf um Entdiskriminierung war ein Ausläufer der Bürgerrechtsbewegung, er selbst eine von der konservativen Renaissance attackierte liberale Führungsfigur. Und Verschwörungstheorien findet man unter christlichen Fundamentalisten, die Homosexualität für den moralischen Niedergang Amerikas verantwortlich machen. In der "Milk"-Mania setzte sich Van Sant mit seinem bescheiden budgetierten Konkurrenzprojekt durch, das sich auf die letzten acht Lebensjahre dieser schillernden Persönlichkeit beschränkt.

Der Startschuss fällt 1970, als Milk Scott Smith (James Franco) kennen lernt. 1972 zieht das Paar in den Castro-Bezirk von San Francisco - damals noch keine idyllische Insel für Männer liebende Männer, sondern ein Ort, in dem die Cops ihre Verachtung offen zur Schau und Schwule zur Sicherheit Trillerpfeifen tragen. Sechs Jahre begleitet der Film Milks privates, vor allem aber politisches Leben. Diese Gewichtung spiegelt die Entwicklung der Titelfigur, die zwei Beziehungen nicht dauerhaft stabilisieren konnte, als mit der Popularität auch die Verantwortung wuchs. Milk brachte Gewerkschaften hinter sich, propagierte das Outing als Akt der Befreiung, widersetzte sich Initiativen gegen homosexuelle Pädagogen. Als er 1978 endlich in den Stadtrat gewählt wurde und damit als erster bekennender Schwuler ein politisches Amt bekleidete, führte er den kalifornischen Kampf stellvertretend für ein ganzes Land, das in der Diskriminierungs-Debatte brannte. Hier nun verdichtet sich die konservative Reaktion in einem Stadtratskollegen, der die Wege Milks und des Bürgermeisters mit tragischen Konsequenzen kreuzt. Nuanciert macht James Brolin aus dieser verhassten Reizfigur einen frustrierten Ohnmächtigen im Schatten eines smarten Showman, den Sean Penn komplexer als in seiner Oscar-Rolle in "Mystic River" sanft mit Leben erfüllt. Nach vier experimentelleren, stark atmosphärischen Filmen findet Van Sant zum Mainstream zurück, inszeniert eine anfangs leicht lethargische, dann leidenschaftlicher werdende, am Ende tief bewegende Zeitreise, die brisant bleibt. 30 Jahre nach Milks Tod kochte es in Kalifornien wieder, geriet die erkämpfte gleichgeschlechtliche Ehe unter konservativen Beschuss. The Times of Harvey Milk - they are a-changin'? kob.

Darsteller:  Sean Penn   als Harvey Milk
  Josh Brolin   als Dan White
  Emile Hirsch   als Cleve Jones
  Diego Luna   als Jack Lira
  Alison Pill   als Anne Kronenberg
  Victor Garber   als Bürgermeister George Moscone
  Denis O'Hare   als Senator John Briggs
  Joseph Cross   als Dick Pabich
  James Franco   als Scott Smith
  Lucas Grabeel   als Danny Nicoletta
  Brandon Boyce   als Jim Rivaldo
 
Regie:  Gus Van Sant  
Buch:  Dustin Lance Black  
Musik:  Danny Elfman  
Kamera:  Harris Savides  
Produzent:  Bruce Cohen  
  Dan Jinks  

Kompromisslos zur Spitze

Sean Penn gehört seit geraumer Zeit zum besten, was Hollywood zu bieten hat. Vor der Kamera. Hinter der Kamera. Und obendrein auf politischem Parkett. Und zieht auch mit 50 sein Ding durch - ohne Kompromisse. Da kann man nur gratulieren.

Einer der begnadetsten Schauspieler seiner Generation: Sean Penn Großansicht

Einer der begnadetsten Schauspieler seiner Generation: Sean Penn

Es gab Zeiten, da war Sean Penn wahrscheinlich berühmter, als er heute ist. Permanent bevölkerte er die Schlagzeilen. Aber nicht, weil er auf der Leinwand und in seinen Rollen brillierte. Sondern weil er mit Madonna verheiratet war. Weil er sich fast täglich mit Paparazzi anlegte. Und weil er nach einer Prügelattacke für 30 Tage hinter Gitter wanderte. Am Ende dieses Kapitels wollte er nie wieder vor eine Kamera treten. Zum Glück konnte er sich das nicht leisten. Und das ist wortwörtlich zu nehmen.

Denn auch wenn sein Talent nie in Frage gestellt wurde - auf die wirklich guten Gagen musste Sean Penn lange warten. Allerdings störte ihn das nicht sonderlich. Denn die Rollen, die er spielte, hielten dafür seinen eigenen Ansprüchen stand. Das Honorar war zweitrangig. Wenn überhaupt. Für die Hauptrolle in Woody Allens "Sweet and Lowdon" beispielsweise soll Penn gerade mal 2.000 Dollar pro Drehwoche erhalten haben. Ihm war das egal. Er wollte die Rolle, gab alles und erhielt seine zweite Oscar-Nominierung. Die erste hatte er vier Jahre zuvor für "Dead Man Walking" erhalten - normalerweise steigt ab so einem Moment der Marktwert eines Schauspielers.

"I am Sam": Die Rolle als geistig zurückgebliebener Vater im Sorgerechtsstreit brachte Sean Penn die dritte Oscar-Nominierung Großansicht

"I am Sam": Die Rolle als geistig zurückgebliebener Vater im Sorgerechtsstreit brachte Sean Penn die dritte Oscar-Nominierung

Anspruch und Anerkennung

Mit ziemlicher Sicherheit dürfte das bei Penn auch der Fall gewesen sein. Allerdings ist er eben auch der Idealtypus jenes Schauspielers, der einen hochdotierten Blockbusterjob zu Gunsten eines ambitionierten Leinwandprojekts ablehnt. Beispiele gibt es viele: "21 Gramm", "U-Turn - Kein Weg zurück", "Der schmale Grat", "The Game": Alles Filme, die in Sachen Kassenerfolg unter "Ferner liefen" einzusortieren sind, im Gedächtnis der Filmgemeinde jedoch dauerhaft verankert sind. Für "Ich bin Sam", der ebenfalls in diese Kategorie einsortiert werden kann, gab es dann die dritte Oscar-Nominierung.

Überhaupt die Sache mit den Nominierungen. Nicht nur als Schauspieler, auch als Regisseur ist Sean Penn immer wieder Kandidat für die renommiertesten Auszeichnungen. Fünf Mal stand er in den letzten 20 Jahren hinter der Kamera. Jedes einzelne Werk - von "Indian Runner" bis "Into the Wild" - ging ins Rennen um die bedeutendsten Filmpreise. Die Bestsellerverfilmung "Into the Wild", für die er zehn Jahre um die Filmrechte gekämpft hatte, ist mit insgesamt drei Auszeichnungen in São Paulo, Rom und Palm Springs sein größter Erfolg - wie gesagt: hinter der Kamera.

Den ersten Oscar gab es für "Mystic River" (hier an der Seite von Kevin Bacon) Großansicht

Den ersten Oscar gab es für "Mystic River" (hier an der Seite von Kevin Bacon)

Rebel with a cause

Denn nach drei erfolglosen Oscar-Nominierungen folgten 2003 für "Mystic River" und 2008 für "Milk" die beiden langverdienten Auszeichnungen als bester männlicher Hauptdarsteller. Die Phase zwischen den beiden Auszeichnungen steht in Penns Biografie für das öffentliche Ausleben seines politischen Engagements. Ob auf der Leinwand mit "Attentat auf Richard Nixon", "Die Dolmetscherin" und "Das Spiel der Macht" oder im realen Leben als laut bekennender Bush-Kritiker, Iran-Korrespondent und aktiver Helfer für die Opfer von Hurrikan Katrina in New Orleans oder des Haiti-Erdbebens: Penn ist nicht nur Perfektionist, er ist ein Idealist. Und er steht für das, was er sagt und was er tut. Ob ihm das nun Lorbeeren einbringt, oder nicht.

 

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