
Ein weiterer "ultimativer Katastrophenfilm" mit Rowan Atkinson, der als Zappelphilipp "Mr. Bean" diesmal als Urlauber in Frankreich für Chaos sorgt.
Fällt einem für Frankreich in Sachen Kino bei den Buchstaben BB sofort Brigitte Bardot ein, drängen sich für Großbritannien die Herren Bond und Bean auf. Lockte Ersterer in "Casino Royale" hierzulande gerade rund 5,3 Millionen Kinobesucher an, hat sich Letzterer rar gemacht. Aus dem Jahre 1997 stammt "Bean - Der ultimative Katastrophenfilm", den damals 5,8 Millionen Zuschauer sehen wollten, eine Zahl, die geradezu nach einer Fortsetzung schrie. Nun ist Mr. Bean zurück, in Hochform verschlägt es ihn vom regnerischen London ins sonnige Frankreich. Dank des Hauptgewinns bei einer Kirchentombola, auf der sich sein vermeintliches Nietenlos 6I6, richtig herum als 9I9 gelesen, als Hauptgewinn entpuppt.
Mit ebenfalls gewonnenem Camcorder bewaffnet geht's per Eurostar nach Paris, wo in der Seine-Metropole nach Beans wenig appetitanregendem Genuss einer Meersfrüchteplatte - der Charakterdarsteller Jean Rochefort glänzt als stoischer Oberkellner - der Zug nach Cannes bestiegen werden muss. "Die Ferien des Monsieur Hulot" lassen grüßen, wobei beim französischen Hit der Held fünf Minuten reiste, um dann am Strand für 90 Minuten Chaos zu sorgen, während Atkinson dies nach dem Prinzip "Der Weg ist das Ziel" umgekehrt macht. Dennoch steht der Brite mit seiner Art Komik Jacques Tati näher als dem traurigen Tramp Charlie Chaplin oder dem Bewegungswunder Buster Keaton. Sein Witz zündet langsam, will gut ausgespielt sein. Am Timing Stan Laurels hat sich Atkinson geschult, der Mini-Unachtsamkeit folgt auch bei ihm die unabwendbare Maxi-Katastrophe.
Auf sprachlicher Ebene ist dagegen Beschränkung angesagt. Auf drei Worte reduziert sich Beans "Französisch", oui, non und gracias, aller Rest ist nonverbal. So wird die Kommunikation mit seinen (unfreiwilligen) Reisebegleitern schwierig, dem aufgeweckten kleinen Russen Stéphane und der hübschen Französin Sabine. Ersteren hat er seit einem "unglücklichen" Zwischenfall am Gare de Lyon am Hals, Letztere, eine ehrgeizige Nachwuchsmimin, weil er einen Weltkriegs-Werbespot (!) für Joghurt im Wortsinn sprengt. Dabei zieht er sich den Zorn des ebenso ambitionierten wie eitlen Arthouse-Regisseurs Carson Clay - augenzwinkernd gegen den Strich besetzt: Willem Dafoe - zu; nur um beim furiosen Finale auf den Filmfestspielen von Cannes wieder auf diesen zu treffen.
Wie bei den meisten guten Komödien ist auch hier die von Hamish McColl und Robin Driscoll verfasste Story dünn, zugeschneidert auf das Mimiktalent Atkinson. Heftig hat der unglückselige Zappelphilipp wieder mit den Tücken der Technik zu kämpfen, etwa wenn sich seine Krawatte im Geldeinzugsschlitz eines Sandwich-Automaten verfängt. Gewohnt sind die Nackenschläge, die er augenrollend einstecken muss. Nacheinander verliert er Dokumente, Geld und Fahrschein, wird aus dem Zug geworfen und im Klohäuschen von einem Lastwagen überrollt. Routiniert setzt Regisseur Steve Bendelack die (zum Teil altbekannten) Slapstick-Späße in Szene, vertraut mit einer unauffälligen Inszenierung ganz auf seinen Star, auf dessen Präsenz und Rhythmusgefühl. "Mr. Bean macht Ferien" heißt dieser Film schließlich - und der Titel hält genau das, was er verspricht. geh.