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Nach der Hochzeit

Melodram von Dänemarks Spezialistin für menschliche Gefühle.


Nach der Hochzeit

Leihvideo

Erhältlich seit:
01.08.2007

Originaltitel: Efter bryllupet

Drama

Dänemark/Schweden 2006
Laufzeit: 119 Min.
FSK: ab 12

Mads Mikkelsen
Rolf Lassgård
Sidse Babett Knudsen

Regie: Susanne Bier
Universum Film

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Familiendrama über Lügen und Geheimnisse, schmerzhafte Enthüllungen und tiefgreifende Entscheidungen.

Jacob hofft auf finanzielle Hilfe (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Jacob hofft auf finanzielle Hilfe (Foto: Universum (Central))

In einer der ärmsten Regionen Indiens arbeitet Jacob (Mads Mikkelsen) als Leiter eines von der Schließung bedrohten Waisenhauses. In dieser prekären Situation erhält er von Jorgen (Rolf Lassgård), einem dänischen Geschäftsmann, ein großzügiges Spendenangebot. Dazu gibt es jedoch eine Bedingung: Er muss in die alte Heimat reisen und den Vertrag persönlich unterzeichnen.

Beim ersten Treffen gibt sich der Mäzen jovial, aber uninteressiert, fordert Bedenkzeit und lädt Jacob derweil zur Hochzeit seiner Tochter Anna (Stine Fischer Christensen) ein. Plötzlich wird Jacob mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Zurück in Dänemark trifft Jacob auf seine Jugendliebe (Foto: Universum (Central)) Großansicht

Zurück in Dänemark trifft Jacob auf seine Jugendliebe (Foto: Universum (Central))

Gespür für Gefühle

Melodram von Susanne Bier, die schon in "Open Hearts" und "Brothers - Zwischen Brüdern" bewies, wie subtil sie menschliche Emotionen zeigen kann, ohne in Kitsch abzugleiten. Auch hier überzeugt sie als feinfühlige Regisseurin und kann sich auf das gute Drehbuch, das sie erneut mit Anders Thomas Jensen geschrieben hat, und ein hervorragendes Ensemble verlassen.

Nach der Hochzeit

Gefühlvoll, aber nie kitschig: Susanne Biers Familiendrama über Lügen und Geheimnisse, schmerzhafte Enthüllungen und tiefgreifenden Entscheidungen ist ein Meisterwerk an Inszenierung und Darstellung.

Schon lange hat sich der dänische Film von Übervater Lars von Trier und "Dogma" emanzipiert, seine Nachfolger probieren andere Wege, ohne das Gelernte über Bord zu werfen. Geblieben ist vor allem die Stärke des Geschichtenerzählens, der Blick hinter die Fassade, die Lust an der Brüchigkeit von Beziehungen. Denn nichts scheint den Dänen verdächtiger als Harmonie und Glück oder eine intakte Familie. Immer lauern Schuld und Verrat unter der glatten Oberfläche, wirbeln das scheinbar geordnete soziale und familiäre Gefüge durcheinander. So holen auch hier nach und nach Lebenslügen die sich in Sicherheit wiegenden Protagonisten ein.

In einer der ärmsten Regionen Indiens arbeitet Jacob als Leiter eines von Schließung bedrohten Waisenhauses. In dieser prekären Situation erhält er von Jorgen, einem dänischen Geschäftsmann, ein großzügiges Spendenangebot. Bedingung: Er muss in die alte Heimat reisen und den Vertrag persönlich unterzeichnen. Beim ersten Treffen gibt sich der Mäzen jovial, aber uninteressiert, fordert Überlegungszeit und lädt ihn derweil zur Hochzeit seiner Tochter Anna ein. Nicht erst als die in einer improvisierten Rede ihren Eltern, vor allem dem Vater Jorgen dankt, der nicht ihr leiblicher Vater ist, ahnt man die heraufziehende Tragik, Risse in der Idylle. Jorgens Frau Helene war Jacobs Jugendliebe, verließ vor 20 Jahren den Säufer, Schürzenjäger und Junkie in Indien, schwanger. Nicht nur die Vaterschaft Jacobs und Jorgens persönliche Absichten kommen an den Tag, weitere verborgene Wahrheiten konfrontieren den Einzelnen mit existenziellen Fragen und einem moralischen Dilemma. Susanne Bier stützt sich auf ein eingespieltes Team: wie schon bei "Open Hearts" und "Brothers" produzierte Sisse Graum Jorgensen, schrieb Anders Thomas Jensen das Drehbuch und kriegt genial die Rührseligkeitskurve, ohne in Klischees oder Kitsch zu verfallen. Und Mads Mikkelsen, der schon in "Open Hearts" brillierte und derzeit als Bonds Gegenspieler die Leinwand unsicher macht, spielt den spröden Jacob ruhig, ernsthaft und zurückgenommen, Rolf Lassgard umschifft souverän die Klippen des Overacting in seiner Verletzbarkeit und seinen expressiven Ausbrüchen. Jede Szene, größtenteils mit Handkamera und ohne technischen Schnickschnack gedreht, "sitzt", Close-ups unterstreichen die packende Intimität der Erzählung, eröffnen eine schmerzhafte Nähe zu den psychologisch präzise gezeichneten Figuren, die sich einem filigranen Netz plausibler Zufälle verfangen und über emotional dünnes Eis lavieren, in der trügerischen Hoffnung, dass es hält. "Nach der Hochzeit" ist das Beste, was uns Zuschauern passieren kann. weckt im freien Fall der Gefühle tiefste Empfindungen (Tränen inklusive) und lässt uns dennoch nicht in Tristesse versinken. Ein Triumph der leisen Zärtlichkeit und des europäischen Kinos. mk.

Darsteller:  Mads Mikkelsen   als Jacob
  Rolf Lassgård   als Jorgen
  Sidse Babett Knudsen   als Helene
  Stine Fischer Christensen   als Anna
  Christian Tafdrup   als Christian
  Frederik Gullits Ernst   als Martin
  Kristian Gullits Ernst   als Morten
  Ida Dwinger   als Annette
  Mona Malm   als Großmutter
  Neel Rønholt   als Mille
 
Regie:  Susanne Bier  
Buch:  Anders Thomas Jensen  
  Susanne Bier  
Musik:  Johan Söderqvist  
Kamera:  Morten Søborg  
Produzent:  Sisse Graum Jørgensen  
 

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