
Barry Levinson, der zuletzt die Gaunerkomödie "Banditen!" mit Bruce Willis und Billy Bob Thornton inszenierte, hat mit Ben Stiller und "School of Rock"-Star Jack Black auch bei seinem neuen satirischen Streich zwei kräftige Zugpferde am Start, die zu den derzeit besten Leinwandkomikern gehören. In dieser schrägen Fabel über die menschliche Natur und das Begehren seines Nächsten Hab und Gut schlüpfen die beiden in zunächst ungewohnt "normale" Charaktere - Jedermänner, scheinbar ganz ohne Neurosen, die die Erfahrung machen, dass beim lieben Geld auch die beste Freundschaft (beinahe) endet.
Black und Stiller alias Tim Dingman und Nick Vanderpark sind nicht nur beste Freunde sondern zur selben Zeit Nachbarn, Arbeitskollegen und eine Fahrgemeinschaft auf dem täglichen Weg in die örtliche Sandpapierfabrik, in der der unkonzentrierte Nick im Gegensatz zum geradlinigen Tim eher auf dem absteigenden Ast hockt. Dafür sprüht Nick außerhalb des Büros vor Einfallsreichtum und setzt endlich eine seiner haarsträubenden Ideen in die Tat um: "Vapoorize", ein Spray, mit dem sich Hundehaufen im wahrsten Sinne in Luft auflösen. Die bahnbrechende Erfindung ist bares Gold wert: Nick weiß binnen 18 Monaten nicht mehr wohin mit seinem unermesslichen Reichtum und baut sich mit seiner Familie quasi in den Vorgarten der Dingmans ein lächerlich luxuriöses Traumschloss. Ein stolzes weißes Pony, antike Statuen, ein Karussell und ein Golfplatz unter anderem kommen hinzu und mit jedem Dollar, mit dem Nick eine weitere teure Geschmacklosigkeit vor Tims Nase setzt, wächst in dem ehemals besten Freund der Neid - und in seiner Gattin Debbie (Rachel Weisz) der Frust darüber, dass ihr Mann Nicks Teilhaberangebot einst ausgeschlagen hat. Als Tim irgendwann seinen Zorn an seinem Boss auslässt, gefeuert wird und beim Versuch, seinen Kummer zu ertränken, in einer Bar von einem gewissen J-Man (Christopher Walken) aufgegabelt wird, lenkt Autor Steve Adams das Drehbuch in ungeahnte Richtungen. Walken ist als J-Man der Joker - ein obdachloser, pausenlos merkwürdig orakelnder Hippie, der Tim von nun an nicht mehr von der Seite weicht - zunächst sensationell komisch, später eher vernachlässigt.
Denn der Film kann sich nicht recht entscheiden, ob er exzentrische, schwarze Komödie im Look eines Independentfilms sein oder den kommerziellen Mittelweg gehen will, den Levinson sich manchmal wie seine Satire "Wag the Dog" vorgestellt haben mag. Die Figuren offenbaren immer mehr Neurosen und Extreme, Kameramann Tim Maurice-Jones ist mehr und mehr damit beschäftigt, den Neureichen-Lifestyle der Vanderparks und die politischen Ambitionen von Mrs. Vanderpark (Amy Poehler) auf absurde Weise in die biedere Vorortlandschaft von L.A. zu integrieren, und auch die großartige Musik von Mark Mothersbaugh ("Die Royal Tenenbaums") wird immer exzentrischer. Letztlich bleiben dem Film dank Stiller und Black durchgehend lustige, selbst bewegende Momente, dank Christopher Walken sogar noch mehr - doch will weder das komische Talent der Darsteller, noch die brillante Plotidee so richtig zünden: Anstelle das Potential von "Vapoorize" zu nutzen, verfolgt das Drehbuch einen abwegigen Handlungsstrang, in dem Tim versehentlich Nicks Pony tötet und dann mit Hilfe des J-Mans verschwinden lassen will - wie einst den Hund in "Verrückt nach Mary". Aber im besten Sinne verrückt bleibt bei "Neid" letztlich nur die Idee von "Vapoorize!" deg.