DVD Leihvideo

Nordwand

Packender und zeitgemäßer Actionfilm mit Starbesetzung über die tragische Erstbesteigung der Eiger Nordwand im Jahr 1936.


Nordwand

Leihvideo

Erhältlich seit:
03.04.2009

Abenteuer/ Drama

Deutschland/Österreich/Schweiz 2008
Laufzeit: 121 Min.
FSK: ab 12

Benno Fürmann
Johanna Wokalek
Florian Lukas

Regie: Philipp Stölzl
Majestic Filmverleih

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Hochspannung pur: Nie konnte man bei einem Alpin-Drama mehr mitfiebern als in diesem starbepackten Bergabenteuer.

Die Kletter-Asse Andi Hinterstoisser und Toni Kurz haben ihr Ziel im Blick (Foto: Majestic (Fox)) Großansicht

Die Kletter-Asse Andi Hinterstoisser und Toni Kurz haben ihr Ziel im Blick (Foto: Majestic (Fox))

Lange galt der Heroismus des Bergfilms als ausgedient. Genau darauf hat Multitalent Philipp Stölzl, gefragter Opern-, Musikvideo-, Werbe- und Spielfilmregisseur, jetzt reagiert und überträgt das Genre mit einer wahren Geschichte ins 21. Jahrhundert. Benno Fürmann ("Warum Männer nicht zuhören...") und Florian Lukas ("Good Bye, Lenin!") überzeugen als Kletter-Asse, die die berüchtigte Eiger Nordwand erstbesteigen wollen. Freunde sind schon gestorben an dem Todesberg, gefürchtet für plötzliche Wetterumschwünge, aber der soziale Aufstieg winkt.

Es wird keine heldenhafte Bezwingung, sondern ein bitterer Wettlauf mit der Zeit und den Naturgewalten. Das fulminant inszenierte und mörderisch spannende Bergdrama beginnt locker und mit flotten Sprüchen. Aber wir schreiben das Jahr 1936, als Hitlerdeutschland die Olympiade ausrichtet und neue Rekorde befiehlt. Das "letzte Problem der Alpen" wird in Angriff genommen.

Luise hat Angst um ihren Toni (Foto: Majestic (Fox)) Großansicht

Luise hat Angst um ihren Toni (Foto: Majestic (Fox))

Kampf ums Überleben

Ehrfurcht gebietend fängt die Kamera das Felsmassiv ein, zu dessen Füßen sich Toni Kurz (Fürmann) und Andi Hinterstoisser (Lukas) vorbereiten, direkt neben der arroganten Konkurrenz aus Österreich (Simon Schwarz und Georg Friedrich). Die Weltpresse beobachtet aus bequemer Distanz im Nobelhotel, darunter auch der zynische Nazi-Reporter Arau (Ulrich Tukur, "Das Leben der Anderen"), der seine Praktikantin Luise (demnächst "Päpstin": Johanna Wokalek) umgarnt. Doch die zittert um ihre Jugendliebe Toni, der im plötzlichen Eissturm in unerreichbarer Höhe ums Überleben kämpft.

Da ist der anfängliche Tonfall eines frivolen, flotten, frechen Abenteuers längst zur finsteren Parabel auf ein unmenschliches Regime geworden, das seine Bürger gnadenlos verheizt, wenn es nur dem Prestige dient. Starkes Kino, das mit ungemein authentischen Eindrücken sein Publikum bannen wird. Mehr davon!

Nordwand

Dem lange nicht genutzten Genre des Bergfilms rücken Philipp Stölzl und ein drei Alpenländer umfassendes Produktionsteam mit einem spannendem Drama an der Eiger Norwand zu Leibe - mit moderner Kamera, authentischem Bergequipment und klassischer Erzählweise.

Während Klassiker des in den Zwanziger- bis Vierzigerjahren populären Genres von Arnold Fanck bis Luis Trenker auf überwältigende Landschaftspanoramen und echte Bergsteiger setzten, gibt der auch als Clip- und Opernregisseur aktive Stölzl dem Überlebenskampf seiner Figuren in Großaufnahme und populären deutschen Schauspielern den Vorzug. Der hochdramatische Stoff um einen Erstbesteigungsversuch der Nordwand basiert zum Teil auf Tatsachen. Die Kletterei wurde damals von den Nazis zum Wettlauf der Völker stilisiert. Das von mehreren Autoren bearbeitete Drehbuch skizziert die Protagonisten Toni Kurz und Andi Hinterstoisser als patente Burschen und Buddies, die mit Nazi-Gedankengut nichts am Hut haben. Benno Führmann ernst melancholisch und Florian Lukas als sein (lebens-)lustiger Gegenpart mühen sich zwar ein wenig mit dem Dialekt, funktionieren aber perfekt als Identifikationsfiguren. Präsenz haben Georg Friedrich und Simon Schwarz als österreichische Seilschaft, die den Deutschen erst fiese Kletterkonkurrenten und später tragische Schicksalsgenossen sind. Schauspielerisch läuft Ulrich Tukur allen den Rang ab. Er gibt den jovial-großkotzigen Chefredakteur, der sich mit einer Nachwuchsjournalistin ins Nobelhotel gegenüber dem Eiger quartiert, um das Ereignis für sein Berliner Blatt zu covern. Die von der baldigen "Päpstin" Johanna Wokalek gespielte junge Frau war mit Toni liiert und gibt der Geschichte einen Rahmen: Jahre später blättert sie als Fotografin in New York Tonis Bergtagebuch durch. Bei der gelungen-intensiven Schilderung des nackten Überlebenskampfs der Bergsteiger gegen die Naturgewalten bleibt die Kamera von Kolja Brandt meist nah an den Figuren dran, um die Dramatik zu unterstreichen, und zeigt selten das Bergmassiv in der Totalen. Die fast Schwarz-Weiß wirkenden Bilder des nächtlichen Schneesturms werden klassisch und effektiv gegengeschnitten mit Aufnahmen in warmen Farben vom brennenden Kaminfeuer im holzgetäfelten Hotel.

Der Orchester-Score unterstreicht den Anspruch zum Epos. Die Szene, die den Zuschauer am meisten packt, ist ohne Ton, ein Verzweiflungsschrei eines der Protagonisten. An ihre Dramatik reicht nicht mehr ganz die am stärksten zugespitzte, tragische Sequenz heran: Wenn Wokaleks Luise ihrem halberfrorenen Toni entgegenklettert und ihn kurz vor der möglichen Rettung sterben sieht. Dass sie nicht restlos glaubhaft wirkt, mag auch an der Maske liegen, die ein bisschen zu dick aufträgt und Fürmann, im Gesicht und am Körper mit Erfrierungen übersät, fast in einen Zombie verwandelt. Trotz solcher minimalen Mängel gelingt das Unterfangen, einen zeitgenössichen Bergfilm fürs große Publikum zu liefern. Der Spannungsbogen hält über zwei Stunden, und auch die Produktionswerte können sich sehen lassen. Die Bergaufnahmen wirken authentisch, weil viel an Originalschauplätzen gedreht wurde, bei Ausstattung, Kostüm samt Equipment arbeiteten die Abteilungen überaus liebevoll bis ins kleinste Detail. Aus dem dramatischen Stoff hätte man vielleicht noch mehr machen können, bei der Uraufführung in Locarno war das Publikum restlos begeistert. hai.

Darsteller:  Benno Fürmann   als Toni Kurz
  Johanna Wokalek   als Luise Fellner
  Florian Lukas   als Andi Hinterstoisser
  Simon Schwarz   als Willy Angerer
  Georg Friedrich   als Edi Rainer
  Ulrich Tukur   als Henry Arau
  Erwin Steinhauer   als Emil Landauer
  Petra Morzé   als Elisabeth Landauer
  Hanspeter Müller-Drossaart   als Hans Schlunegger
  Branko Samarovski   als Alvert von Allmen
 
Regie:  Philipp Stölzl  
Buch:  Benedikt Röskau  
  Christoph Silber  
  Johannes Naber  
  Rupert Henning  
  Philipp Stölzl  
Musik:  Christian Kolonovits  
Kamera:  Kolja Brandt  
Produzent:  Danny Krausz  
  Boris Schönfelder  
  Rudolf Santschi  
  Benjamin Herrmann  
 

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